"War nie mein Ziel" | 30.11.2025
Sebastien Ogier: "War nie mein Ziel" - Was er wirklich über WM-Titel #9 denkt
Ogier spricht nach seinem neunten Titel über eine "außergewöhnliche Serie" - Er ordnet seine Teilzeitsaison ein - Evans analysiert, wo er entscheidende Punkte verlor
Sebastien Ogier krönte sich in Saudi-Arabien zum neunten Mal zum Rallye-Weltmeister. Damit zog der Franzose mit seinem Landsmann Sebastien Loeb gleich. In einem spannenden Finale überholte Ogier noch seinen Toyota-Teamkollegen Elfyn Evans und sicherte sich den WM-Titel mit vier Punkten Vorsprung.
Das brachte selbst Juha Kankkunen zum Staunen. Der Finne ist bei Toyota stellvertretender Teamchef und selbst eine Rallye-Legende. "Das war ein unglaublich enger Kampf zwischen Seb und Elfyn, der sich bis zur letzten Prüfung der letzten Rallye der Saison gezogen hat."
"Ich denke, Seb hat gezeigt, dass er im Moment der beste Fahrer der Welt ist - und vielleicht sogar aller Zeiten", lobt Kankkunen. "Er hat den Rekord egalisiert, indem er seinen neunten Titel gewonnen hat, und er hat dies mit drei unterschiedlichen Herstellern geschafft."
"Ich habe ebenfalls mit drei Teams gewonnen - aber ich habe nur vier Titel geholt!" Kankkunen wurde 1986 mit Peugeot Weltmeister sowie 1987 und 1991 mit Lancia. 1993 gewann er ein viertes Mal mit Toyota. Zu diesem Zeitpunkt war Kankkunen der erfolgreichste Rallye-Fahrer.
Ogier gelang 2025 der WM-Titel trotz einer Teilzeitsaison. Bei drei Rallyes trat er gar nicht an. Der 41-Jährige war bei elf von 14 Events am Start. Davon gewann er sechs, stand viermal auf dem Podium und war nur bei der Rallye Zentraleuropa nach einem Unfall nicht in den Top 10.
"Es war in diesem Jahr zweifellos eine außergewöhnliche Serie und am Ende wahrscheinlich die stärkste, die ich je in diesem Sport hatte", ordnet Ogier seine Saison ein. "Natürlich habe ich drei Rallyes weniger bestritten und bei einigen Veranstaltungen etwas von der Startposition profitiert."
"Aber die Wahrheit ist, dass viele Fahrer in der Meisterschaft viel stärker davon profitieren. Durch diese außergewöhnliche Serie lag ich tatsächlich so weit vorne in der Meisterschaft, dass ich zum Beispiel in Griechenland als Zweiter starten musste."
"Es war eine ziemlich außergewöhnliche Serie, und es wird niemals einfach sein, eine solche Leistung zu wiederholen. Ich habe in meiner Karriere bereits einige großartige Saisons erlebt und mit fantastischen Teams gearbeitet."
"Die Volkswagen-Ära war selbstverständlich sehr erfolgreich, und das waren einige extrem starke Jahre. Aber diese Saison steht ganz oben - vielleicht ist es sogar die beste." Mit je neun WM-Titeln sind Loeb und Ogier nun gleich auf.
Bei Siegen hat weiterhin Loeb die Nase vorne. Er gewann 80 Rallyes, während Ogier bei 67 Siegen steht. Bei Prüfungssiegen liegt Loeb noch eindeutiger vorne, denn er hat in seiner Karriere 939 Bestzeiten aufgestellt, während Ogier bisher 807 Prüfungen gewann.
"Natürlich bin ich überaus glücklich und sehr stolz, zu Seb Loeb und Daniel Elena an der Spitze der WRC-Rangliste aufzuschließen", sagt Ogier und betont: "Als ich 2008 begonnen habe, war es selbstverständlich niemals mein Ziel, so etwas zu erreichen."
"Viele Menschen - mich eingeschlossen - dachten, dass solche Zahlen wohl nie mehr erreicht werden würden und dass es sehr lange dauern würde. Und jetzt stehe ich hier. Gleichzeitig war ich nie darauf fixiert."
"Nachdem ich vor vier Jahren, 2021, meinen letzten Titel gewonnen hatte, habe ich dieses Ziel abgehakt und es mir nicht mehr wirklich gesetzt. Ich bin trotzdem stolz, dem Club der neunfachen Titelträger beizutreten."
"Aber ich freue mich besonders, ein neues Mitglied im Kreis der Weltmeister willkommen zu heißen, denn Vincent Landais macht seit drei Jahren einen hervorragenden Job. Vor der Veranstaltung verspürte ich mehr Druck, es für ihn zu schaffen, als für mich selbst."
Seine ersten acht WM-Titel gewann Ogier mit Julien Ingrassia. Landais sitzt seit Ende 2022 auf dem Beifahrersitz und liest den Aufschrieb vor. Während die beiden Franzosen jubelten, herrschte im britischen Toyota-Lager Ernüchterung.
Was Evans zu seiner erneuten Niederlage sagt
Zum fünften Mal wurde Evans Vizeweltmeister, zum dritten Mal hinter Ogier. Der Waliser startete mit vier Podestplätzen inklusive zwei Siegen optimal in die Saison. Allerdings musste er im Sommer bei den Schotter-Rallyes am Freitag die Strecken eröffnen.
Das kostete WM-Punkte. Evans war zwar immer in den Top 6 und verpasste dreimal als Vierter nur knapp das Podest, aber die Verfolger - vor allem Ogier - holten in der Gesamtwertung auf. Evans konterte schließlich mit vier zweiten Plätzen in Folge.
Vor Saudi-Arabien hatte der 36-Jährige drei WM-Punkte Vorsprung. Im Rückblick glaubt er aber nicht, dass er bei der neuen Rallye den WM-Titel verloren hat, denn es war klar, dass der Säuberungseffekt eine große Rolle spielen würde.
"Natürlich war ich bei einigen der trockenen Schotter-Rallyes in der Saisonmitte nicht schnell genug", reflektiert Evans. "Hier in Saudi-Arabien denke ich jedoch nicht, dass es irgendeinen Unterschied gemacht hat, weil die Startposition eine so große Rolle spielte."
"Ja, wir hätten im Verlauf der Rallye an irgendeinem Punkt vielleicht zehn oder zwanzig Sekunden näher dran sein können, aber letztlich hätte das das Ergebnis nicht verändert. Ich denke, zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr hätte man vielleicht etwas bewirken können."
"Ich gebe dieser Rallye nicht die Schuld am Ausgang. Es gab eine Vier-Punkte-Verschiebung in Japan und eine Vier-Punkte-Verschiebung in Chile. Das waren Rallyes, bei denen wir eigentlich ziemlich gut waren."
"Aber es gab auch Griechenland, Portugal und Sardinien, bei denen wir wirklich zu kämpfen hatten", so Evans. "Auch wenn aufgrund der Startposition nicht viel mehr möglich gewesen wäre, glaube ich, dass der 'Super Sunday' einen enormen Einfluss hatte."
"Und dort konnte ich nicht zurückschlagen. Es gibt immer ein paar Punkte, die man anders hätte machen können. Wir haben um vier Punkte verloren, und ich bin sicher, dass man diese vier Punkte zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr hätte finden können."
Trotzdem betont Evans: "Einfach ist es nicht, sonst hätte ich es getan." Aufgrund seines Teilzeitprogramms profitierte Ogier bei einigen Rallyes auch von einer besseren Startposition am Freitag.
Evans will 2026 kompromissloser sein
Das will Evans aber nicht als Grund für seine knappe Niederlage gelten lassen. Er ordnet das folgendermaßen ein: "Wenn man drei Rallyes weniger bestreitet, verzichtet man freiwillig bereits auf fast 100 Punkte."
"Aber wenn man sich für eine Teilzeitsaison entscheidet und dann seine Meinung zur Saisonmitte ändert, gibt es Rallyes wie Monte, bei denen ich - sagen wir - nicht das zusätzliche Risiko eingegangen wäre, um ihn zu schlagen, weil ich wusste, dass er nicht die Meisterschaft fährt."
"Solche Dinge muss ich für die Zukunft überdenken. Man muss die Punkte mitnehmen, wenn es möglich ist, aber ich meine, dass ich in Monte vielleicht etwas härter hätte kämpfen und ein paar zusätzliche Risiken hätte eingehen können - ebenso auf den Kanarischen Inseln zum Beispiel."
"Dort gab es Punkte zu holen, aber ich habe vielleicht nicht genug gepusht." Auf die Frage, ob Evans 2026 kompromissloser auftreten müsse, antwortet er: "Ja, möglicherweise. Aber wenn ich ein paar Mal einstecken musste, werde ich sagen, dass ich so auftreten sollte wie im Jahr davor."


















