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ARC: Schneerosen-Rallye

Das "Rallyefieber" ist ausgebrochen

Die Schlüsselfiguren der ARC scharren bereits emsig in ihren Startlöchern. 61 Teams starten am Samstag bei der Schneerosen-Rallye.

Fotos: Daniel Fessl

Das sogenannte "Rallyefieber" ist weniger Krankheit als vielmehr Vorfreude: Am kommenden Wochenende wird die neue Saison mit der Schneerosen-Rallye eröffnet. Vielerorts wurde in den letzten Wochen und Monaten emsig geschraubt, entwickelt oder ein Budget aufgestellt. Jene 61 Teams, die an diesem Samstag den Auftakt zur Austrian Rallye Challenge absolvieren werden, scharren bereits heftig in den Startlöchern.

Letzte Woche hat ZM Racing seine Boliden für 2017 vorgestellt. Neben dem komplett revidierten Staatsmeister-WRC von Hermann Neubauer wurden auch zwei brandneue Autos der Öffentlichkeit präsentiert, die bei der Schneerosen-Rallye ihre Feuertaufe erleben werden. Gerald Rigler und Martin Rossgatterer werden jenen Ford Fiesta R5 Evo zünden, den Teamchef Max Zellhofer bei M-Sport bestellt hat: "Das ist die neueste Spezifikation des Fiesta R5, wir sind hier also bestens gerüstet. Gerald konnte bereits Erfahrungen mit einem S2000 und einem WRC machen. Er wird dann also jener Pilot sein, der die drei Topfahrzeuggruppen miteinander vergleichen kann."

Für Rigler wird die Schneerosen-Rallye den ersten R5-Einsatz darstellen. Im Vorfeld wird ein Test abgehalten, der jedoch in erster Linie als Rollout dient. Dass er Umstellungsprobleme haben könnte, befürchtet Rigler freilich nicht: "Ich setze mich einfach ins Auto und versuche, Spaß zu haben. Dann geht alles von alleine." Tatsächlich hatte der Späteinsteiger (erste Rallye im Jahr 2012 mit 41) bislang weder im S2000 noch im WRC derartige Probleme. Sein lockerer Zugang dank einer Riesenportion österreichischer Gemütlichkeit hat dabei wohl geholfen. Was viele Experten verblüfft, ist der hohe Grundspeed, den Rigler trotz aller Gelassenheit abrufen kann.

So konnte er im Jahr 2015 bei seinem erst dritten S2000-Einsatz (davor stets im Mitsubishi Evo) gleich den Sieg bei der Braustadt-Burg-Rallye Zwettl erringen; im Vorjahr triumphierte er bei seinem Debüt im Staatsmeister-WRC bei der Herbstrallye Dobersberg. Dass er mit dieser Statistik neben dem Tschechen Roman Odlozilik als Topfavorit gehandelt wird, stört Rigler ganz und gar nicht, es sei ihm vielmehr wurscht, wie man hierzulande zu sagen pflegt. Ihm gehe es rein um den Spaß, versichert er, der jedoch auch in Ergebnisse münden soll – und zwar anständigen: "Vom Sieg in der Austrian Rallye Trophy über Platz eins in der Niederösterreich Rallye Trophy bis hin zum Sekkieren der Spitzengruppe in den paar ÖM-Läufen, bei denen wir dabei sein werden, ist eigentlich alles unser Ziel."

Ebenfalls präsentiert wurde bei Zellhofer Racing jener komplett überarbeitete Suzuki Swift S1600, der von Max´ Sohn Christoph bei der Schneerosen-Rallye zum ersten Mal gezündet wird. Sie dient Zellhofer junior als reiner Funktionstest, als Test unter Wettbewerbsbedingungen, denn der 20jährige, der 2014 sein Rallyedebüt gegeben hat, zuvor jedoch bereits auf der Rundstrecke im Suzuki Motorsport Cup zu Meisterehren gekommen war, möchte heuer in der 2WD-Meisterschaft brillieren und nach seinem zweiten Platz im Vorjahr den Titel in der Junior-ÖM erobern: "Bei der Schneerosen-Rallye möchte ich vor allem ins Ziel kommen, denn jeder Kilometer ist wichtig, um mit dem neuen Auto Erfahrungen sammeln zu können."

Erfahrung sammeln konnte auch Martin Fischerlehner – in der Vorwoche unternahm er einen ungewöhnlichen Vergleichstest: Der Vizechampion der Austrian Rallye Trophy 2016, der im Vorjahr mit seinem Mitsubishi Lancer Evo V die Braustadt-Burg-Rallye Zwettl gewinnen und der Schneerosen-Rallye Platz zwei belegen konnte, verglich sein gewohntes Auto mit einem wesentlich moderneren Evo VIII. Überraschend dann seine Rückmeldung: "Wir fahren mit dem Evo V." Der Champion der ART 2015 erklärte: "Der Evo VIII ist mit seinem elektronischen Mitteldifferenzial ganz anders zu fahren, er verlangt einen unterschiedlichen Fahrstil. Ich habe mich dann doch für den vertrauten Evo V entschieden." Diesen bezeichnete er scherzhaft sogar als R5-Killer. Sein zweiter Platz im Vorjahr hat gezeigt, dass man den früheren Radrennfahrer nicht unterschätzen sollte.

Das trifft auch auf den Subaru Impreza CG8 zu, mit dem Daniel Fischer an den Start geht. Schließlich kommt der freundliche Ungar als regierender ARC-Champion ins nördliche Waldviertel. Sein Allradbolide hat sich im Vorjahr als bärenstark erwiesen, auch wenn er nicht mehr zu den jüngsten Fahrzeugmodellen zählt. Aufgerüstet hat Michael Kogler, dem im Vorjahr im Citroën DS3 R3 das Kunststück gelang, Fischer bis zum ARC-Finale im Titelduell herauszufordern. Heuer kämpft Kogler im rund 20 PS stärkeren DS3 R3MAX um die 2WD-ÖM-Krone. Diese trägt Simon Wagner voller Stolz, doch sein internationales Programm führt ihn vorerst nur einmal in die Heimat – bei der Schneerosen-Rallye.

Wagner pilotiert dabei einen Peugeot 208 R2 und nutzt die Schneerosen-Rallye als reinen Reifentest, denn in der Junioren-EM muss Wagner mit ihm bislang nicht vertrauten italienischen Reifen antreten, die er am kommenden Samstag erstmals testen wird. Dabei sollen drei Mischungen ausprobiert werden – auch jene, die nicht zu den Bedingungen passen. Simon Wagner wird übrigens in einem komplett neuen Design antreten, das sein Bruder Julian für beide Wagner-Brüder entwickelt hat.

Nicht schlecht staunten viele Fans, als die Nennliste der Schneerosen-Rallye veröffentlicht wurde: Mit Startnummer 6 war dort Kurt Göttlicher vermerkt – jenes "Rallye-Urgestein" also, das in den Vorjahren mit seinem Ford Sierra Cosworth nicht nur bei den Historischen brillierte, sondern 2014 als Vizechampion knapp am Gewinn der gesamten Austrian Rallye Challenge vorbeigeschrammt ist. Dass kein "H" vor seiner Startnummer stand, war alles andere als ein Irrtum: Göttlicher war nämlich jener Überraschungspilot, der von der Austrian Rallye Association angekündigt worden war, denn der 63jährige wollte die Rallye mit einem modernen Ford Fiesta R5 in Angriff nehmen.

Mit seinem mutig-verwegenen R5-Debüt hätte Göttlicher für großes Interesse gesorgt, doch am Wochenende kam die große Enttäuschung: Der 1,94 Meter große Wiener passte schlicht in keinen der homologierten Fahrersitze und musste daher das große Abenteuer absagen. Wer Kurt Göttlicher kennt, wird wohl wenig überrascht davon sein, dass der Charakterkopf tobte. Schlussendlich stellte Göttlicher fest: "Wenn man groß oder stärker gebaut ist, dann ist es derzeit schlicht und ergreifend nicht möglich, legal in einem Fiesta R5 teilzunehmen."

Somit werden am kommenden Samstag 61 Teams die neue Rallyesaison eröffnen. Wie immer in der Austrian Rallye Challenge werden die historischen Boliden den Wettbewerb eröffnen, sie kämpfen um Punkte in der neu installierten "ARCH", der Austrian Rallye Challenge Historic. Vom modernsten R5 bis hin zu einigen Volvo-"Schlachtschiffen" und einem neu aufgebauten M1-Mitsubishi Colt gibt es ein bunt gemischtes, interessantes Starterfeld zu sehen. Auch das Wetter dürfte es gut mit der Rallyegemeinde meinen.

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