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WRC: News

Man muss nicht Seb heißen, um zu gewinnen

Mit dem WM-Titel von Ott Tänak geht Ära zu Ende, denn 15 Jahre in Folge hießen Weltmeister immer Sebastien und kamen aus Frankreich.

Petter Solberg 2003 - Ott Tänak 2019: Diese beiden Rallye-Weltmeister stehen seit dem heutigen Sonntag als Klammer um eine außergewöhnliche Ära nicht nur in der Rallye-Weltmeisterschaft, sondern auch im gesamten Motorsport. Denn 15 Jahre lang galt in der WM eine Gesetzmäßigkeit: Der Weltmeister kommt aus Frankreich und hört auf den Vornamen Sebastien.

2004 trat Sebastien Loeb mit dem Gewinn seines ersten WM-Titels seine Regentschaft an, die fast ein Jahrzehnt andauern sollte. Neunmal in Folge gewann der Mann aus dem Elsass die Weltmeisterschaft - vermutlich ein Wert für die Ewigkeit.

Ende 2012 wurde die Dominanz dann selbst Loeb etwas zu langweilig. Der Rekordchampion trat (als Vollzeitpilot) ab und suchte in der Tourenwagen-WM und bei der Rallye Dakar neue Herausforderung, ehe er später zu seiner geliebten Rallye-WM zurückfand.

Wer damals gehofft hatte, die Weltmeisterschaft würde an der Spitze abwechslungsreicher, der hatte sich geirrt. Denn Sebastien Ogier machte nahtlos dort weiter, wo sein Namensvetter Loeb aufgehört hatte. Viermal in Folge wurde er mit Volkswagen souverän Weltmeister.

Nach dem Rückzug der Wolfsburger wagte Ogier einen mutigen Schritt und ging zum Privatteam M-Sport. Aufgrund des geringeren Budgets musste Ogier dort härter um Siege kämpfen, sicherte sich aber mit all seiner Erfahrung auch 2017 und 2018 den WM-Titel. Erst nach Ogiers Wechsel zu Citroën riss 2019 die Titelserie der "Sebs" und Tänak erklomm den WRC-Thron.

Um sich deutlich zu machen, wie beeindruckend die Titel-Ära der Sebastiens in der WRC war, lohnt ein Blick zurück auf das Jahr 2003, als vor dem heutigen Tag letztmals ein Fahrer mit einem anderen Vornamen Weltmeister war.

US-Präsident war George W. Bush, der in diesem Jahr in den Irak einmarschiert war und damit Saddam Husseins Herrschaft beendet hatte. Der Papst hieß Johannes Paul II., und der Euro war erst ein Jahr vorher als neue Währung eingeführt worden.

Viele Dinge, die heute vollkommen alltäglich sind, waren damals allenfalls noch eine Zukunftsvision. Das erste Smartphone kam erst vier Jahre später auf den Markt. Auch Facebook war seinerzeit noch nicht mehr als eine Idee im Kopf von Mark Zuckerberg.

Netflix gab es ebenfalls noch lange nicht, und ins Internet wählte man sich in der Regel noch mit einem Modem ein - was gleichzeitiges Telefonieren unmöglich machte.

Im Jahr 2003 lösten sich die Bands Modern Talking und No Angels auf - was ja nach Musikgeschmack für Trauer oder Jubel gesorgt haben dürfte. Im Kino liefen der erste Teil von "Fluch der Karibik" und der letzte Teil der "Herr der Ringe"-Triologie. Und Ott Tänak war gerade einmal 16 Jahre alt und ging noch zur Schule.

Auch die Rallye-Weltmeisterschaft war 2003 noch eine andere als heute. Mit Peugeot, Subaru, Ford, Hyundai, Citroen und Skoda gab es sechs Werksteams. Die Autos unterschieden sich noch deutlicher voneinander. Von Kleinwagen wie dem Peugeot 206 über Mittelklasse-Fahrzeuge wie dem Ford Focus bis hin zu viertürigen Limousinen wie dem Subaru Impreza waren unterschiedliche Konzepte vertreten.

Mit Carlos Sainz, Colin McRae oder Gilles Panizzi befanden sich einige Stammfahrer des Jahres 2003 schon im Herbst ihrer WRC-Karriere, während andere wie Loeb, Jari-Matti Latvala oder Jan Kopecky, die damals schon dabei waren, auch heute noch aktiv sind. Loeb ging damals als WM-Führender in das Saisonfinale in Wales. Doch dort gewann Solberg, der am Ende in der Meisterschaft einen Punkt für Loeb lag - bis heute eine der engsten Titelentscheidungen der WRC-Geschichte.

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