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WRC: Portugal-Rallye

35. Karrieresieg für Sebastien Ogier

Sebastien Ogier schlägt wieder zu: Der M-Sport-Pilot lässt bei der Portugal-Rallye nichts anbrennen und übersteht ein Aussieben der Favoriten.

Fotos: RedBullContentPool

Die Durststrecke von vier sieglosen Rallyes ist zu Ende: Sebastien Ogier (M-Sport-Ford) hat den 35. Sieg seiner Karriere in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) geholt. Der Franzose gewann die Portugal-Rallye 2017 mit 15,6 Sekunden Vorsprung vor Thierry Neuville und Dani Sordo (beide Hyundai). Den Sieg auf der Powerstage holte sich Ott Tänak (M-Sport-Ford). Für Ogier ist es der fünfte Sieg bei der Portugal-Rallye, womit er mit Markku Alen gleichzieht.

"Das fühlt sich natürlich super an", feiert der 33-Jährige. "Es ist fantastisch, auf dem Podium zurück zu sein. Danke an das Team, das Auto war perfekt. Hervorragend! Wir hatten bei der Rallye Monte-Carlo ein neues Auto und haben gewonnen. Jetzt hier wieder ein neues Fahrzeug und wir gewinnen wieder." Ogier legte den Grundstein am Freitag, an dem er kaum Zeit auf die Spitze verlor, obwohl er als Erster auf die Strecke musste. Am Samstag biss er zu und verwaltete am Sonntag. Er baute den Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf Neuville auf 22 Punkte aus.



Packender Beginn wirft drei Fahrer aus dem Lostopf

Der erste Tag sah zunächst einen spektakulären Schlagabtausch zwischen Ogier, Neuville, Jari-Matti Latvala (Toyota), Kris Meeke (Citroen), Hayden Paddon (Hyundai) und Mads Östberg (Adapta-Ford), die alle zu einem Zeitpunkt während der ersten sechs Prüfungen einmal die Führung innehatten. Mit SP7 begann dann ein Prozess des Aussiebens: Meeke musste seinen Citroen mit einem Aufhängungsschaden infolge eines Reifenschadens abstellen, Latvala überschlug sich. "Das Auto hat beim zweiten Bremspunkt einfach nicht verzögert, ich weiß nicht warum!", rätselt der Finne.

Hayden Paddon war eigentlich schnellster am Eröffnungstag, doch auch beim Neuseeländer schlug das Schicksal zu. Ein Elektronik-Problem am Hyundai i20 WRC, das unregelmäßig auftrat, legte ihn ebenfalls auf SP7 für elf Minuten lahm. "Wir scheinen einfach momentan kein Glück zu haben. Diese Rallye ist für uns gelaufen", hadert Paddon.

Die Führung übernahm nun Ott Tänak (M-Sport-Ford), der als erster Fahrer die Spitze über mehrere Prüfungen halten konnte. Und das, obwohl er zwischen SP6 und 7 noch den Querlenker an seinem Ford Fiesta WRC tauschen musste. Er führte, ohne eine einzige Prüfung gewonnen zu haben. Auf Platz zwei folgte Sordo und auf der dritten Position Ogier, der am Eröffnungstag wie üblich den Straßenfeger spielen musste. "Dafür ist diese Position absolut in Ordnung", freute er sich am Freitagabend. Die große Attacke sollte kommen.

Tänak macht entscheidenden Fehler

Und tatsächlich machte der amtierende Weltmeister ernst. Bereits am Samstagmorgen übernahm er den zweiten Platz und ließ den Vorsprung von Tänak schmelzen. Dieser bäumte sich noch einmal auf SP11 seinen ersten Stage-Sieg auf. Doch schon auf der nächsten Prüfung, der 37,5 Kilometer langen Königsetappe "Amarante", ging für den Esten alles schief. Beim Bremsen untersteuerte er geradeaus in eine Schotterwand. Dabei beschädigte er sich Aufhängung und Bremsen und verlor eineinhalb Minuten. Zu seinem Glück war es die letzte Prüfung vor dem Mittagsservice. Doch der Traum vom ersten WRC-Sieg war ausgeträumt.

Somit übernahm Ogier die Spitze, die er nur noch verwalten musste. Auf der Nachmittagsschleife des zweiten Tages machte Thierry Neuville dann noch einmal Druck, doch Ogier konnte den Angriff abschmettern. Der Belgier hatte am Freitag Pech, als er in SP7 auf den waidwunden Jari-Matti Latvala auflief. Zwar machte dieser fair Platz, doch die Staubwolken beeinträchtigen Neuville schon vorher. Dies und ein zu vorsichtiger Freitagmorgen werden ihn rückblickend den möglichen Sieg gekostet haben, doch unklar bleibt, wie viele Reserven Ogier wirklich noch hatte.

Ogier lässt nichts anbrennen

Mit einem Polster von 16,8 Sekunden ging dieser in den Schlusstag, an dem unter anderem die legendäre "Fafe"-Prüfung auf dem Programm stand. Ogier ließ es sich nehmen, den Abertausenden Fans eine spektakuläre Show zu liefern und legte einen monumentalen Sprung bei der ersten Durchfahrt hin. "Der war ein bisschen hoch, aber ich weiß nicht warum", grinst er im Ziel der Prüfung. Mit dem Sieg auf der schnellen SP17 ("Luilhas") war die Entscheidung dann endgültig gefallen. Ogier brauchte es nur noch nach Hause fahren.

Neuville brachte Platz zwei ins Ziel. Die Attacke auf den Sieg in der Powerstage vereitelte jedoch Tänak, der seinen Frust vom Samstag in eine hervorragende Fahrt steckte und sich die drei Extrapunkte schnappte. Er brachte vierten Platz nach Hause. "Kein perfekter Beginn aber danach lief es gut", urteilt er. Über hätte, wäre, wenn sollte er in den Tagen allerdings besser nicht nachdenken. Neuville nahm zwei Bonuspunkte mit, da Ogier auf der Powerstage nicht mehr angriff.

Dani Sordo fuhr einen soliden dritten Platz nach Hause. Nach dem Sieg beim Shakedown und einem starken Eröffnungstag sah es kurzfristig so aus, als könne der Spanier bei seiner Beinahe-Heimrallye ganz vorne mitfahren. Doch am Samstag schwand die Hoffnung, als klar wurde, dass er nicht mit Ogier und Neuville würde mithalten können, obschon er am Limit fuhr. "Das Auto ist ein bisschen zu sehr gerutscht, speziell auf der Hinterachse. Und wir haben nicht so viel Traktion wie unsere Rivalen", so sein Fazit. "Es ist enttäuschend, nicht ganz vorne dabei zu sein, aber ich bin zufrieden, den dritten Platz gehalten zu haben."

Irres Finale in der WRC2

Craig Breen (Citroen) musste im Kampf um Platz vier am Schlusstag Ott Tänak ziehen lassen und brachte einen sicheren fünften Platz nach Hause. Der Ire fuhr eine fast fehlerfreie Rallye, von einem Dreher am Samstag wegen falscher Reifeneinteilung einmal abgesehen. "Wir gehörten am Freitag zu den Schnellsten und können damit wirklich etwas Positives mitnehmen", ist er zufrieden.

Elfyn Evans (M-Sport-Ford) musste durch einen Reifenschaden auf SP11 ein Podiumsresultat in Portugal abschreiben. Weil dadurch ein Dämpfer brach, musste er die gesamte Amarante-Prüfung mit stumpfen Waffen kämpfen und verlor weiter Zeit. So blieb ihm am Ende ein sechster Platz und ein Punkt für Platz drei auf der Powerstage. Ihm folgte Juho Hänninen (Toyota), der zwar fehlerfrei durchkam, jedoch viel zu langsam war.

Ein unglaubliches Finish lieferte die WRC2. Andreas Mikkelsen (Skoda) hatte die gesamte Rallye über in Führung gelegen und einen riesigen Vorsprung herausgefahren, überschlug sich jedoch auf der letzten Prüfung. So gewann Pontus Tidemand (Skoda) unverhofft. "Ich habe Andreas gesehen, er stand schon kurz nach dem Start. Es tut mir echt Leid für ihn. Ich hatte selbst Probleme mit einem Plattfuß."

Der nächste Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft ist die Sardinien-Rallye in Italien, die vom 9. bis 11. Juni ausgetragen wird.

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