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Dramatisches Qualifying für Klien & Co.

Für Peugeot-Werksfahrer Christian Klien und seine Kollegen im Peugeot 908 HDi FAP war es ein Wechselbad der Gefühle: Platz 2 & Crash.

In der ersten Session am Mittwoch konnten Klien/Montagny/Zonta sich für die erste Reihe qualifizieren. Im zweiten Qualifying am Donnerstag erlebte Klien-Teamkollege Ricardo Zonta (BRA) einen haarigen Moment, als er mit einem anderen Fahrzeug kollidierte und den Peugeot an einer Betonmauer schwer beschädigte.

Qualifying - Der Modus

Christian Klien startet daher am Samstag um 15:00 von Startplatz 2 zum großen Rennklassiker. Die Pole Position holte sich die Besetzung des „8er“-Peugeot mit Sarrazin/Wurz/Lamy.

In Le Mans gibt es zwei vierstündige Trainings-Sessions, die auch bei Nacht abgehalten werden. Jedes Fahrzeug darf beliebig viele Runden drehen. Die schnellste Zeit zählt für die Startaufstellung, egal von welchem Fahrer sie aufgestellt wurde.

Die Taktik

Das Hauptaugenmerk beim Qualifying liegt beim Finden der richtigen Rennabstimmung. Die Pole Position ist nicht annähernd so rennentscheidend wie in der Formel 1. Das Peugeot-Team entschloss sich bereits vor dem Zeittraining zu folgender Taktik: Der jeweils erfahrenste Pilot jedes Fahrzeuges bekam im ersten Qualifying deutlich mehr Zeit im Auto und auch mehr frische Reifensätze.

Die Fahrer mit wenig oder gar keinen Le Mans-Einsätzen sollten ebenfalls zu ihren Trainingsrunden kommen, ohne jedoch zwingend auf eine Bestzeit loszugehen. Diese Taktik diente dazu, um den Hauptkonkurrenten Audi sicher in Schach zu halten und dennoch ausreichend Zeit für Setup-Arbeit zu haben.

Bereits Mitte des ersten Qualifyings stand fest, dass die Peugeot der Konkurrenz meilenweit überlegen waren. Stephane Sarrazin (FRA), Peugeot Nummer 8 fuhr mit 3:18,5 die Pole Position heraus – fast sechs Sekunden schneller als der beste Audi.

Im Klien-Peugeot wurde Franck Montagny auf die Bestzeit angesetzt und blieb mit 3:18,6 nur eine Zehntel Sekunde dahinter. Der „7er“ von Villeneuve/Minassian/Gene machte mit Rang 3 den Triplepack perfekt.

Zur Hälfte des ersten Qualifyings entschied die Teamführung daher, weiteres Tempobolzen einzustellen und nur noch für das Rennen zu arbeiten.

Die Technik

Anders als in der Formel 1 darf das Setup in Le Mans zwischen Qualifying und Rennen deutlich verändert werden. Zu Beginn fuhren die drei Werks-Peugeot daher mit relativ viel Flügel. Der höhere Abtrieb ermöglicht es, auf eine Runde eine schnellere Zeit zu fahren, da man vor allem in den schnellen Kurven mit mehr Anpressdruck Zeit holen kann.

Nachdem fest stand, dass Peugeot die Pole Position so gut wie fix in der Tasche hat, wechselte man auf eine Renn-Setup mit weniger Flügel. Dies bedeutet höhere Geschwindigkeit auf den Geraden, was im Rennen bei den vielen zu erwartenden Überholmanövern (55 Autos am Start!) ein entscheidender Faktor sein wird.

Was die Fahrer sagten

Christian Klien freute sich zum einen über die gute Performance des 908 HDi, war zum anderen aber über die verlorene Zeit durch den Zonta-Unfall enttäuscht. „Wir sind hier wirklich extrem gut aufgestellt. Wenn man bedenkt, dass die Pole Position von 2007 eine 3:26,5 war und wir heuer 3:18er-Zeiten fahren, dann müssen wir uns um den Rennspeed keine Sorgen machen. Aber 24 Stunden sind eine verdammt lange Zeit, in der so viel passieren kann.“

„Durch den Crash von Ricardo habe ich 70% meiner geplanten Trainingszeit eingebüßt, aber so ist es eben im Langstreckensport. Wir sind hier definitiv Siegkandidaten, aber da müssen viele Dinge zusammenpassen. Wie man gesehen hat, reicht eine kleine Unachtsamkeit eines Nachzüglers und dein Rennen kann vorbei sein.“

Die turbulente Qualifying hat dem 25jährigen Vorarlberger trotzdem nicht die Vorfreude auf das Rennen genommen: „Die zusätzliche Zeit auf der Strecke wäre für jeden Newcomer extrem hilfreich gewesen. Man darf ja nicht vergessen: Der Kurs ist fast 14 Kilometer lang und da dauert es seine Zeit, bis man sich alle Kurvenradien, Bremspunkte usw. eingeprägt hat. Speziell in der Nacht ist da höchste Konzentration gefragt.“

„Im Qualifying war der Rundenschnitt über 250 km/h. Und das, obwohl fast drei Viertel der Strecke eine ganz normale Landstraße ist. Aber diesen Klassiker zu bestreiten ist eine fantastische Sache. Wir werden alles daran setzen, den Sieg zu holen.“

Ricardo Zonta überstand den Unfall in der Porsche-Kurve unverletzt. Am Peugeot Nummer 9 entstand dennoch einiger Schaden: „Ich fuhr auf der Geraden hinter einem der Audis, als wir vor der Porsche-Kurve auf einen langsameren Fahrer aufliefen. Der Fahrer zog sofort nach rechts, um den Audi durchzulassen. Ich war schon fast an ihm vorbei, als ich plötzlich einen Schlag spürte. Der Fahrer hatte mich offensichtlich übersehen und damit in die Mauer geschickt. Schade, denn das hat unser Programm für heute deutlich verkürzt.“

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