ARC, Mühlstein Rallye: Bericht | 09.08.2026
Großartiges Comeback der Mühlstein Rallye
Zwar feierte der Tscheche Adam Brezik einen klaren Sieg - doch dahinter kam es zu einem spannenden Rennverlauf - am Nachmittag kam es zum großen Showdown im Kampf um das Podium…
In der Austrian Rallye Challenge setzte sich Gerolf Schuller gegen den jungen Jan Dolzer durch. Hans Georg Lindner bleibt ARC-Leader.
Es kamen so viele Fans wie noch nie bei dieser Rallye - die gute Stimmung war ansteckend…
Vom Start weg hatte ein Trio die Spitze unter Kontrolle: Skoda-Pilot Adam Brezik als klarer Top-Favorit, dahinter Christoph Zellhofer und Peter Hopf in Ford Fiesta Rally2 des ZM Racing Teams.
Gleich auf der ersten Prüfung kam es zu einigen Ausfällen, im Verlaufe des Vormittags (bis SP4) mussten bereits 13 Teams aufgeben. Darunter der aus der Historischen Europameisterschaft bekannte Ungar Tibor Erdi jr. (lag auf Platz vier) oder auch Martin Kalteis, der nach längerer Pause wieder seinen Mitsubishi zündete und wie so oft vom Technikpech heimgesucht wurde. Als er das erste Service verlassen wollte, streikte die Benzinpumpe. Neben Kalteis gilt stets auch Rene Kiehtreiber als eine Art Geheimtipp, der im Mitsubishi jederzeit für Überraschungen gut ist - auch seine Rallye endete früh.
In der Mittagspause, nach vier von sieben Sonderprüfungen, hatte Adam Brezik bereits einen Vorsprung von rund einer halben Minute auf Christoph Zellhofer, eine weitere halbe Minute dahinter lag Peter Hopf auf Platz drei.
Dahinter jedoch ging es knapp her: Proto-Pilot Martin Zellhofer und die beiden Rally3-Piloten Martin Rossgatterer und Roland Stengg lagen innerhalb von nur zwei Sekunden, zehn Sekunden hinter dem Trio lauerte der Deutsche Florian Auer, der erstmals im Rally3 sein Glück suchte.
Spannender Nachmittag
Nach der Mittagspause wurde die 7,5 Kilometer kurze SP Saxen-Reitberg ein drittes Mal absolviert, danach stand zweimal der 22,7 Kilometer lange Rundkurs Tragwein-Schwertberg auf dem Programm. Es sollte ein spannender Nachmittag werden.
Auf SP6 fand das große Abenteuer des „Vollgass Reini“, Reinhold Gass, seine erste Rallye als Copilot mit über 50 als Quereinsteiger neben Routinier Patrick Breiteneder ein jähes Ende, als es zu einem Highspeed-Abflug kam, den zum Glück beide unbeschadet überstanden haben. In den sozialen Medien versicherte Gass seinem Chauffeur: „Deine Reaktion war Weltklasse! Ich würde mich jederzeit wieder neben dich setzen.“
Auf dem ersten langen Rundkurs zog sich zudem Christoph Zellhofer auf einer Schotter-Passage einen Reifenschaden zu, was ihn mehr als drei Minuten und damit das Podium kostete. Peter Hopf rückte vor auf Platz zwei. Dahinter lag nach SP5 noch Max Zellhofer auf Platz drei, doch der Vater von Christoph hatte ebenfalls Pech auf SP6: „Wir hatten nur noch 1 bar Benzindruck und konnten uns gerade noch drüber retten.“ Max und Christoph Zellhofer rutschten ab auf die Plätze sechs und neun.
Showdown auf der Schlussprüfung
Während Brezik und Hopf gesichert vorne lagen, kam es im Kampf um Platz drei nun zum großen Showdown unter drei Rally3-Teams. Martin Rossgatterer lag als nunmehriger Dritter 7,5 Sekunden vor Roland Stengg, nur 1,2 Sekunden dahinter lauerte Neo-Rally3-Pilot Florian Auer.
Am Ende konnten Adam Brezik und sein Copilot Zdenek Belak im Skoda Fabia RS Rally2 mit sieben von sieben möglichen Bestzeiten die SG Toolbox Mühlstein Rallye powered by Baumentor mit einem Vorsprung von 2:52 Minuten gewinnen. Der Tscheche erklärte: „„Es lief sehr gut, wir haben keine dummen Fehler gemacht und konnten uns gut auf die Barum Rallye vorbereiten, die Prüfungen haben mir gut gefallen.“
Der zweitplatzierte Peter Hopf (Copilot Stefan Heiland) erklärte erschöpft aber zufrieden „Der Rundkurs war extrem fordernd und anspruchsvoll - man hat es auch daran gesehen, wie viele Autos da ausgefallen sind. Es war so viel heraus gecutteter Schotter auf den Strecken, man musste extrem gut aufpassen.“
Nachdem er sich im Dreikampf der Rally3-Teams durchsetzen konnte, jubelte Lokalmatador Martin „Rossi“ Rossgatterer: „Am Vormittag war ich noch ein Bisschen müde - da habe ich etwas Zeit benötigt, um mich wieder einzugrooven, ich bin ja doch eine Zeitlang keine Asphaltrallye mehr gefahren. Ich war auch ein Bisschen überrascht von dem hohen Speed, der hier gefahren wurde - auch von den PS-schwächeren Fahrzeugen.“ Rossgatterer pilotierte mit Andreas Thauerböck einen vom deutschen Gassner Motorsport Rallye Team eingesetzten Renault Clio Rally3.
Weil er sich immer besser im für ihn noch ungewohnten Ford Fiesta Rally3 fühlte, konnte der Deutsche Florian Auer gemeinsam mit Elke Irlacher am Schluss noch den vierten Platz erobern, knapp dahinter landeten Roland Stengg und seine slowenische Copilotin Rebeka Kobal im von Stengg Motorsport eingesetzten Renault Clio Rally3. Stengg gab ganz offen zu: „Ich wollte nicht das letzte Hemd riskieren, da wir nächste Woche bei der Barum Rallye starten.“
Hinter Stengg landeten schlussendlich Martin und Christoph Zellhofer auf den Plätzen sechs und sieben. Christoph, der auf der letzten SP noch einmal mit der zweitschnellsten Zeit glänzen konnte, erklärte: „Der Patschen auf SP6 hat uns ein schönes Ergebnis zerstört. Aber von den Zeiten her sind wir zufrieden - wenn man bedenkt, wie wenig wir zuletzt in einem Rally2-Auto gesessen sind.“
Auf Platz acht landete mit Lukas Dirnberger und Lukas Martinelli das schnellste Team der Rally4-Kategorie. Opel-Pilot Dirnberger konnte am Nachmittag seinen tschechischen Markenkollegen Tomas Vecerka überholen und auf Distanz halten. Auf der Schlussprüfung wuchs Dirnberger geradezu über sich hinaus und konnte mit einer sechstschnellsten Gesamtzeit brillieren. Nicht ohne Stolz erklärte er: „Ich denke, dass wir auf der letzten Sonderprüfung ziemlich gut gefahren sind.“ Vecerka und das Duo Markus Steinbock/Harald Bachmayer im Hyundai i20 R5 belegten die restlichen Top 10-Plätze.
Austrian Rallye Challenge: Sieg für Gerolf Schuller
Die Austrian Rallye Challenge absolvierte im Rahmen der SG Toolbox Mühlstein Rallye powered by Baumentor den sechsten von insgesamt neun Läufen im üppigen Kalender 2026.
In der für die Clubmeisterschaft relevanten Gruppe ARC (ARC Klassen C1 bis C4) eröffnete zunächst der junge Subaru-Pilot Jan Dolzer mit einer Bestzeit. Auf SP2 konnte Rene Kiehtreiber vor seinem Ausfall noch einmal sein großes Potential mit einer Bestzeit andeuten, auf SP3 wiederum brannte Gerolf Schuller die schnellste Zeit in den Asphalt. Dolzer und seine Copilotin Victoria Praschinger konnten dennoch die Führung behalten, ehe sich Schuller auf SP4 mit einer weiteren Bestzeit in Führung setzte und diese bis zum Schluss behielt.
Schuller erzählt: „Auf den ersten beiden Sonderprüfungen haben wir viel Zeit verloren - da hatten wir nachlassende Bremsen. Da habe ich bereits gedacht, dass es gelaufen ist - aber wir konnten aufholen.“
Bis zur vorletzten Prüfung belegten Dolzer/Praschinger den zweiten Platz, doch dann stellten sich im Subaru Impreza WRX STi Benzindruckprobleme ein, sodass Tabellenleader Johann Georg Lindner den zweiten Platz übernehmen konnte, zudem sicherte er diese Position mit einer Bestzeit auf der Schlussprüfung ab. Jan Dolzer: „Das Benzindruckproblem konnten wir im Service lösen, aber Lindner konnten wir nicht mehr abfangen.“ Jan Dolzer konnte jedoch die Juniorenwertung JARC für sich entscheiden.
In der ARCP für Proto- und Produktionsfahrzeuge siegte Max Zellhofer klar, Markus Steinbock/Harald Bachmayer sowie Gerold Neumayr (hier sprang die routinierte Melanie Kalinke spontan als Copilotin ein) landeten auf den Plätzen zwei und drei.
Die Austrian Rallye Trophy ART1 für Moderne mit Allradantrieb ging an Peter Hopf, die ART2 für Moderne mit Zweiradantrieb an Lukas Dirnberger, der damit auch die Juniorenwertung JART gewinnen konnte.
Dahinter kam es zu einem dramatischen Finish. Der zweitplatzierte Thomas Regner legte auf dem ersten Rundkurs seinen Peugeot 208 Rally4 auf die Seite, die SP wurde unterbrochen - tapfer brachten Regner und seine Copilotin Nadine Kellner den verbeulten Boliden ins Service, doch dann musste man wegen eines fehlenden Ersatzteils aufgeben. Auch Max und Ben Maier, die vor den Rundkursen Platz drei belegten, kamen nicht ins Ziel.
So konnte Claudia Maier bei ihrem Comeback als Pilotin gemeinsam mit Angelika Letz den tollen zweiten Platz belegen, Martin Attwenger und Bianca Marina Stampfl landeten auf Platz drei.
Die Auszugswertung für Historische mit Zweiradantrieb (ARCH 2WD) ging ganz klar an Tabellenleader Johann Georg Lindner und Hermelinde Schütter im Ford Escort RS 1600. Dahinter landeten Jürgen und Franz Blei im Opel Astra, gefolgt vom jungen Fahrschullehrer Tobias Reischer und Tina Garherr im schwarzen Volvo 940.
Gute Stimmung beim großen Comeback der Mühlstein Rallye
Die SG Toolbox Mühlstein Rallye powered by Baumentor wurde zu einem vollen Erfolg. Es kamen so viele Zuschauer wie noch nie bei dieser Veranstaltung - die Stimmung war freundlich, so berichtete Markus Wurz: „Es waren so viele Leute draußen, die uns freundlich zugewunken haben. Die Rallye war letztendlich gut für die gesamte Region - für die Hoteliers, die Gastwirte, die Supermärkte - sie alle konnten ein gutes Geschäft machen und so soll es auch sein.“
Harald Bachmayer, der in sich ruhende Copilot mit der Pfeife, kann da nur zustimmen: „Die Veranstalter haben alles richtig gemacht. Sie haben mobile Aschenbecher verteilt und wir sind auf die Brandgefahr sensibilisiert worden. Das ist in der Bevölkerung gut angekommen.“
Beeindruckt zeigte sich auch Dr. Fritz Lehensteiner - der Salzburgring-Präsident, der einst in den Zeiten von Raimund Baumschlager VW Motorsport Chef war, flanierte mit seinem Freund Wolfgang Spieleder durch den Servicepark und erklärte: „Ich finde es großartig, wie professionell sich die Teams hier präsentieren und wie gut die Stimmung bei dieser Rallye ist. Da kannst du jeden Sponsor durch das Fahrerlager führen…“
Ein gutes Stichwort. Hannes Pichler, Geschäftsführer von SG Toolbox, einer der beiden Hauptsponsoren der Mühlstein Rallye, moderierte höchst persönlich den Zieleinlauf - dabei konnte man seine ehrliche Begeisterung für die erbrachten Leistungen der Teams hören.


















