Achim Mörtl Kolumne: Ausblick Lavanttal | 04.04.2026
Vom „Mitfahren“ und anderen Ausweichmanövern
Mit gewohnt spitzer Feder analysiert motorline.cc-Kolumnist Achim Mörtl die Herangehensweise von Michael Lengauer vor der Lavanttal Rallye - ein wenig „Empörungsgymnastik“ für die Osterfeiertage…
Achim Mörtl
Anlässlich der Pressekonferenz zur Lavanttal-Rallye ein paar Gedanken meinerseits – gerade rechtzeitig, um im vorösterlichen Frieden für ein wenig Empörungsgymnastik zu sorgen.
Ausgangspunkt ist ein Satz, der so harmlos klingt, dass er fast schon elegant wirkt: „Ich will wieder vorne mitfahren.“
Mitfahren? Vorne? Wo denn sonst bitte? Auf Platz fünf oder sechs?
Da kontrolliert Lengauer die gesamte Rebenland Rallye, fährt das Tempo, diktiert den Rhythmus, nützt die sich bietende Chance – und scheitert am Ende nicht an äußeren Umständen, sondern an sich selbst...
Was jetzt aus meiner Sicht folgt, ist aufschlussreicher als der Fehler selbst. Denn plötzlich verschiebt sich die Sprache. Aus Dominanz wird Vorsicht, aus Anspruch wird Teilnahme, aus einem klaren „Ich kann und muss das hier gewinnen“ wird ein angenehm unverbindliches „Ich will vorne mitfahren“.
Und genau das ist der Punkt.
„Vorne mitfahren“ hat im Kontext des einzigen wahren Zweikampfs um den Sieg ungefähr so viel Substanz wie ein Reifen ohne Luft – er bewegt sich, aber eben nicht dorthin, wo es zählt. Wer um Siege fährt, fährt nicht „vorne mit“. Er entscheidet Rallyes. Oder eben nicht.
Diese Formulierung ist kein Zufall, sondern ein klassischer Mechanismus. Eine mentale Selbstabsicherung, wie man sie im Hochleistungssport immer wieder sieht. Man reduziert die eigene Fallhöhe, noch bevor der nächste Start erfolgt. Man schafft sich einen Interpretationsraum, in dem nahezu jedes Ergebnis erklärbar bleibt – und genau darin liegt das Problem.
Denn die Realität dieser Meisterschaft ist sehr klar. Um diese noch in irgendeiner Form offen zu halten, muss Lengauer im Lavanttal gewinnen.
Nicht irgendwann. Nicht zu Hause und bei bestimmten Bedingungen, sondern jetzt.
Und ob er den Speed gegen einen wieder gesundeten Wagner gehen kann und ob auch die Nerven halten, werden wir zwar sehen - das darf aber eigentlich nicht zur Diskussion stehen. Der Hunger sollte groß genug sein und auch die eigene Erwartungshaltung. Ist diese nicht in dieser Form von „Ich bin hier um zu gewinnen“ da, wird man eben Mitfahrer bleiben.
Mit 30 ist man im Rallyesport kein Talent mehr, das sich entwickelt. Man ist entweder ein ernstzunehmender hungriger Meisterschaftskandidat, oder eben nicht und nur Mitfahrer.
Und Mitfahrer gibt es genug.
Sieger deutlich weniger.


















