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ARC: Blaufränkischland-Rallye
Foto: Harald Illmer

Gerald Rigler im Motorline-Talk

Gerald Rigler beim ARC-Auftakt bei den Siegkandidaten. Lässt er sich die „Hoffnungen Österreichs“ auf die Schultern laden? Verrät er etwas über seinen dezent vollführten Teamwechsel? motorline.cc im Gespräch mit dem einzigen Österreicher in der Gruppe der siegfähigen R5-Piloten.

Michael Noir Trawniczek

Am kommenden Wochenende steigt rund um Deutschkreutz die Premiere der Blaufränkischland-Rallye, die zugleich den Auftakt zur Austrian Rallye Challenge (ARC) darstellt. Neo-Veranstalter Georg Gschwandner darf sich über eine auch international stark besetzte Premierenrallye freuen. Auch wenn man heutzutage mitlesende Kinder vor dem Nationalismus warnen muss, da in seinem Namen gerne Kriege angezettelt werden, so kann im Namen des rein sportlichen Nationaldenkens durchaus gesagt werden, dass Österreich in der Gruppe der siegfähigen R5-Piloten auf ein Team hofft: Gerald Rigler und Christian Tinschert.

Gegen wen müsste sich Rigler durchsetzen, wenn er sich als Erster in die noch jungfräuliche Siegerliste der Blaufränkischland-Rallye eintragen wollen würde? Schon dreimal - 2016, 2017 und 2019 - hat Roman Odlozilik die ARC-Auftaktrallye, in diesen Jahren die Schneerosen-Rallye gewonnen, der Tscheche kommt in Siegerlaune, hat in seiner Heimat zwei Siege bei einer Art Rallysprint ohne Beifahrer gewonnen. Sein Landsmann Patrik Rujbr hat weder in seiner Heimat noch im Ausland bislang Siege feiern können, sein bislang bestes Ergebnis auf österreichischem Boden war ein sechster Platz bei der Niederösterreich-Rallye 2018. Daniel Fischer konnte schon einmal die St. Veit Rallye gewinnen - in jenem Jahr 2016, in dem er sich auch zum ARC-Champion krönen konnte. Damals schwor der sympathische Ungar, dass er in seinen alten und bärenstarken Subaru Impreza GC8 „verliebt“ sei und er niemals ein anderes Auto pilotieren werde. Doch weil keine Liebe dieser Welt vor einem Ende gefeit ist, muss man hinzufügen, dass Fischer seit seinem Wechsel auf Skoda Fabia R5 den dritten Platz bei der Schneerosen-Rallye des Vorjahres als bislang beste Platzierung vorweisen kann. Auf den Fabia R5 wechselte im Vorjahr auch der junge Landsmann von Fischer, Kristof Klausz. Er ist in Österreich ein Begriff, weil er 2018 mit zwei Siegen lange Zeit im Rennen um die österreichische 2WD.Staatsmeisterschaft lag, ehe er die Saison dort auf Platz vier beendete. Im R5 kam der Ungar im Vorjahr immer besser zurecht und konnte in seiner Heimat bereits drei Siege einfahren. Der Papierform nach müsste einer der R5-Piloten am Ende ganz oben auf dem Podium stehen - aber natürlich würde ein Martin Kalteis im Mitsubishi jedwede Schwäche im R5-Feld eiskalt nützen - schwer einzuschätzen ist der Einsatz des neuen Audi A1 R4 des steil aufsteigenden späten Quereinsteigers Enrico Windisch, dazu kommen Protos von ZM und RRA.

“Gewinnen will man immer - offen ist nur ob es geht“

Nur oberflächlich betrachtet könnte man Gerald Rigler eventuell mit einem Kimi Räikkönen vergleichen - zumindest die Sparsamkeit mit Worten und die dafür aus der Hüfte geschossenen, knochentrockenen, mitunter punktgenauen „Sager“ des heimischen Späteinsteigers lassen diesen Vergleich nicht auf beiden Beinen hinken. Wie ist das also, wenn am Samstag die Hoffnungen von Rallye-Österreich auf seinen Schultern lasten werden? „Auch nicht anders“, sagt Rigler im Telefonat mit motorline.cc. Ist ein Sieg das erklärte Ziel im Blaufränkischland? „Nicht unbedingt“, sagt der Mann, der von seinen Freunden gerne „Schraubi“ genannt wird - um hinzuzufügen: „Gewinnen will man immer - es ist nur die Frage, ob es geht.“

Dieser schnodrig wirkende, aber durchaus mit Weisheit gesegnete Rigler-Satz bringt uns zurück zu den R5-Konkurrenten aus Ungar und Tschechien. Und zur Frage, ob er schon die Statistiken im Internet bemüht habe, um die Stärke seiner Konkurrenz besser einschätzen zu können? „Nein“, antwortet Rigler. Dabei könte man es bewenden lassen - wenn nicht Rigler selbst eine Frage in den Raum stellen würde: „Fährt Odlozilik? Er hat auch für Slowenien genannt.“ Tatsächlich hat der dreifache Schneerosen-Gewinner für die ebenfalls am kommenden Wochenende stattfindende Rally Kumrovec eine Nennung abgegeben. Eine Rückfrage bei Blaufränkischland-Veranstalter Georg Gschwandner bringt Klärung: „Er hat bei uns um eine Nachnennung gebeten, wird also wohl bei uns starten.“

Wer bin ich? Heiteres Besitzerraten mit RM Racing Austria Team

Auf den Nennlisten der Saison 2020 wird Gerald Rigler mit dem Bewerber RM Racing Team Austria angeführt, der im Blaufränkischland auch die Einsätze von Jürgen Hell-Mühlberger und Bernhard Stitz betreut. Vom bisherigen Einsatzteam ZM Racing Team (Zellhofer Motorsport) auf RM Racing Team ist recht dezent - warum der Wechsel? Rigler antwortet: „Wenn man in Zukunft weiter vorne fahren will...“ Den Einwand, dass Zellhofer Motorsport immerhin mit Herman Neubauer zu Staatsmeisterehren kam und man auch als ORM-Leader im Rebenland starten wird. sagt Rigler: „Nein, nein, es ist aus Kostengründen.“ Das Internet listet lediglich ein RM Racing Team von „Rubble Master“ auf - doch das bei der Jännerrallye gesichtete Logo lässt von der Farbe her auf Roman Mühlberger schließen. Sein Mühlberger Racing Team wurde auf Facebook bereits umbenannt, das Team betreibt seit Anfang 2020 auch eine Picuki-Seite - unter dem exakten Teamnamen RM Racing Austria Team scheint dann auch eine heuer erstmals bei der AMF eingereichte Bewerberlizenz auf. Wem gehört das Team nun - ist es quasi ein Einstieg von Rigler im Team von Roman Mühlberger, etwa mit kleiner „Finanzspritze“? Und was genau bedeutet RM? Rigler lacht: „Du kannst es dir aussuchen: Rigler Mühlberger oder Roman Mühlberger.“ Klarheit bringt ein Besuch auf der Website von Jürgen Heigl. Unter „Referenzen“ werden jene Teams und deren Besitzer angeführt, für die er bereits gearbetet hat. Das RM Racing Austria Team gehört - Überraschung - Gerald Rigler. Wir tipppen daher auf „Rigler Mühlberger Austria Racing Team“.

Und dieses Team hat Großes vor. Gerald Rigler verrät: „Im Sommer starten wir bei der Tausend Seen Rallye.“ Gemeint ist der legendäre WRC-Lauf in Finnland - dort wird auch Jürgen Heigl an der Seite des frischgebackenen Teambesitzers Platz nehmen. Heigl war auch beim großen Abenteuer Lapland-Rallye dabei. Rigler erzählt: „Dort war wenig Schnee, wir sind ein paarmal neben der Strecke gewesen und einmal auch im dort vorhandenen Schnee steckengeblieben. Aber sonst war es super - wir hatten unseren Spaß.“

“Rallye-Balabala“ auf Mallorca

Genau um den Spaß, die Freude am Fahren, geht es dem international gefragten Tiefbohr-Unternehmer, der sein hart erarbeitetes Geld immer wieder auch in Veranstaltungen investiert oder auch mal in Piloten, wenn diese zufällig gerade im Kampf gegen ihm weniger genehme andere Piloten ein Auto benötigen. An die große Glocke hängt Rigler all das nicht. Die Frage, ob er sich heuer auf eine Serie fokussieren wird, beantwortet Rigler mit: „Wir werden im Alpe Adria Cup, Mitropa Cup, ARC und ORM an den Start gehen.“ Sprich: Man wird wie bisher jene Rallyes absolvieren, die den meisten Spaß versprechen. Eine Konstante soll Beifahrer Christian Tinschert sein - mit ihm möchte Rigler heuer sämtliche Einsätze bestreiten. Außer eben Finnand - und ein ganz spezieller Einsatz am Wochenende nach der Blaufränkischland-Rallye: „Ich wollte zu meinem Geburtstag eine Rallye fahren - und wir haben eine gefunden, auf Mallorca! Dort fährt Claudia Dorfbauer mit mir, wir fahren mit dem gelb-roten Evo.“ Da scheint - nach der Rallye - eine exzessive Birthday Party gesichert, oder? Rigler lacht vielsagend. Wir wünschen dem Charakterkopf alles Gute. Für den Einsatz am Wochenende. Für Mallorca. Für das neue Team. Oder gleich für alles.

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