RALLYE

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The Monster

Die Volvo-Stahlrösser traten auch bisher schon nicht dezent auf, nun zeigt Thomas Steinmayer allen, wo der Hammer hängt.

In der nächsten Zeit könnte der Mittelstand des österreichischen Rallyesports einen deutlichen Aufschwung bekommen, dank des Volvo Original Cup. Und schon jetzt zeigt sich, daß der Slogan „Billiger geht’s nicht quer“ mehr ist als nur eine zwar schöne, aber leere Worthülse. Nicht alleine das beeindruckt: Die Volvos sind immer öfter auf Positionen zu finden, wo man sie überhaupt nicht erwarten würde.

Ursprünglich hat diese Bewegung in Skandinavien ihren Ausgang genommen, nun erfaßt sie auch immer weitere Teile des deutschen Sprachraumes. Die Folge: Die VOC-Volvos lassen sich immer öfter auch in Österreich blicken. Den Anfang machte die Triestingtal-Rallye 2005, seitdem wird vielen der Gedanke, mit einem Volvo 740 Rallyes zu fahren, nicht mehr so grotesk vorkommen.

Der ohnehin bisher schon keineswegs dezente Auftritt der schwergewichtigen Stahlrösser (vor allem bei Schotterrallyes gilt das in vollem Umfang) bekommt ab sofort zusätzliche Akzente, denn nun ist Thomas Steinmayer drauf und dran, allen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Die Vorstellung, daß das gelingt, ist keinesfalls abwegig, denn das Zeug dazu hat er.

Mit einem Suzuki Swift hat er mehrmals die Fachwelt in Staunen versetzt, und das – wie könnte es anders sein – durch übernatürliche Leistungen. Vor allem seine Auftritte auf Schotter sind legendär. Und das Zweite, was für ihn spricht: Er war bei seiner ersten Rallye mit dem erst heuer erstandenen Volvo 740 mit Abstand der schnellste und erfolgreichste Teilnehmer des Volvo-Cups.

Mit diesem sportlichen Background scheint Thomas Steinmayer wie geschaffen dafür zu sein, bei der OMV-Waldviertel-Rallye das ganz große Rennen zu machen. Natürlich innerhalb des Bereichs des Möglichen, aber bei einem Starterfeld von 150 Wagen kann ein dreißigster Platz mit einem 130-PS-Auto mindestens ebenso gut ankommen wie ein Sieg mit einem World Rally Car. Thomas Steinmayer, der bereits vor 15 Jahren zum ersten und bislang letzten Mal die bedeutende Veranstaltung im Waldviertel gefahren ist (damals hieß sie noch Semperit-Rallye, und sein Beifahrer war kein Geringerer als Andreas Hulak), werden die Sonderprüfungen liegen. Es wird gegenüber damals nur wenige Gemeinsamkeiten geben, aber dank immer wieder neuer Streckenführungen ist der größte Teil der Rallye sowieso für fast alle neu.

Auf den abwechslungsreichen Geläufen, die vom flüssigen Schotter der ehemaligen Alpenfahrt-Prüfung Kronsegg-Gföhl bis zu eher winkeligen Streckenteilen wie im Gebiet Göpfritzschlag – Niederedlitz fast alles enthält, was eine Rallye schön und anspruchsvoll macht, ist fahrerisches Können das oberste Kriterium. Hier könnte Thomas Steinmayer einen großen Moment erleben.

Auch bei den Volvos geht es um sehr viel Prestige – wer der schnellste Lenker der schwedischen Limousinen ist, kann sich sicher sein, daß er an einigen Rallye-Stammtischen das Tagesgespräch liefert. Es hat sich bei einigen VOC-Größen diesseits und jenseits der österreichischen Grenze herumgesprochen, daß bei der OMV-Waldviertel-Rallye einiges zu holen ist, die Verhältnisse sind wie maßgeschneidert. Auf Strecken wie diesen können diese Autos zeigen, was sie können. Vorausgesetzt, man fährt mit ein wenig Herz. Jochen Walther aus Deutschland ist in diesem Jahr verhindert, aber sein Landsmann Rainer Keck steht ihm an Schnelligkeit um nichts nach. Er wird ebenso erscheinen wie Siegfried Mayr.

Zu einem direkten Duell zwischen den vermutlich besten österreichischen Volvo-Geigern Thomas Steinmayer und Michael Klotz wird es zwar nicht kommen, da der Tiroler erst am Samstag in Erscheinung treten wird, aber ein paar interessante Zeitenvergleiche werden dennoch aufschlußreiche Informationen abgeben. Auch der österreichische Cup-Organisator Karl Rumpler will diesmal ins Lenkrad greifen.

Als härtester und vermutlich uneinholbarer Gegner gilt Rainer Keck, alles Weitere muß man abwarten. Eines ist sicher: Langweilig wird den Rallyefans mit Thomas Steinmayer auf gar keinen Fall werden. Überdurchschnittliche Zeiten und spektakuläre Drifts – das ist bei ihm Programm. Wer bei der Herbst-Rallye gewesen ist, kann einiges erzählen.

Und weil der beste Fahrer nicht ohne einen guten Beifahrer auskommt, wird Thomas Steinmayer auch im Waldviertel wieder von einem Mann seiner Wahl begleitet: Herbert Wagner war am Erfolg bei der Herbst-Rallye mit beteiligt und konnte auch den Ansprüchen von Andreas Hulak gerecht werden. Allein das ist eine Auszeichnung.

Das Monster hat gute Chancen, zum Publikumsliebling zu werden.

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