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ERC: Azoren-Rallye

Das ungleiche, spannende Duell

Lokalmatador Bernardo Sousa konnte die Führung am Vormittag behalten, sogar den Vorsprung vergrößern – bleibt er vor dem Abbring-Peugeot?

Michael Noir Trawniczek
Foto: ERC

Bernardo Sousa, ein mäßig, aber doch auch erfolgreicher Pilot aus Portugal, im Jahr 2008 Teamkollege von Andreas Aigner im Red Bull Rallye Team, konnte bislang nur in seiner Heimat Siege erringen, bei den internationalen Einsätzen blieb es bislang bei Achtungserfolgen – doch beim ERC-Lauf auf den Azoren könnte Bernardo Sousa im bärenstarken Ford Fiesta RRC für die große Sensation sorgen…

Nachdem am Freitag sowohl Kajetan Kajetanowicz (setzte die Fahrt am Samstag unter Rally2 fort, markierte die Bestzeit auf SP 14), Ricardo Moura (markierte unter Rally2 die Bestzeiten auf SP 12 und SP 13) und auch Peugeot-Werkspilot Craig Breen aufgeben mussten und zudem auch der verbliebene Peugeot-Pilot Kevin Abbring mit Problemen zu kämpfen hatte, fand sich Lokalmatador Sousa am Freitagabend in Führung liegend wieder. Sein Vorsprung vergrößerte sich sogar noch auf 16,3 Sekunden, da Abbring wegen einer Verspätung bei einer Zeitkontrolle zehn Strafsekunden aufgebrummt erhielt.

Eigentlich schien es klar, dass Abbring im Peugeot 208 T16 R5 auf der letzten Etappe den Portugiesen sehr schnell abfangen wird – doch es kam anders: Auf der 20,8 km langen SP „Graminhais“ vermeldeten sowohl Abbring als auch Sousa Motorenprobleme. Abbring konnte immerhin den Rückstand auf 10,7 Sekunden verkürzen und erklärte: „Der Motor läuft vielleicht nur noch auf drei Zylindern, vielleicht ist es auch die Einspritzung – jedenfalls habe ich manchmal einfach keine Power.“ Und auch Sousa vermeldete: „Ich habe manchmal keine Motorpower.“

Auf der 21,3 km langen SP 13 „Tronqueira“ wurde Abbring wohl etwas nervös: „Ich hatte einen halben Dreher nach einer Wasserdurchfahrt, da war mehr Wasser als wir erwartet haben und ich bekam Aquaplaning.“ Schon davor drehte sich der Peugeot, der offen zugab: „Das war dumm, ich versuche jetzt, vorsichtiger zu fahren.“

So konnte Sousa seinen Vorsprung wieder um rund sieben Sekunden erhöhen. Der Portugiese weiß um die wahren Kräfteverhältnisse offenbar auch bestens Bescheid: „Kevin hatte also zwei Dreher und verlor dabei nur sieben Sekunden? Im Normalfall würde er also 20 Sekunden auf uns herausholen – aber egal, wir versuchen, eine saubere Linie zu fahren. Langsam beginne ich daran zu glauben, dass es [ein Sieg, d. Red.] möglich ist.“

Auf der 3,45 km kurzen Zuschauerprüfung SP 14 „Grupo Marques“ fuhren dann beide recht vorsichtig, erneut konnte Sousa den Vorsprung leicht erhöhen. Vor den noch ausstehenden drei Sonderprüfungen zu insgesamt 53 SP-Kilometern kann Bernardo Sousa auf einen Vorsprung von 19,1 Sekunden zählen.

Unter normalen Umständen wird das wohl nicht reichen – doch wie man am Vormittag gesehen hat, ist auch Abbring nicht fehlerlos, zudem ist der neue R5-Peugeot alles andere als ausgegoren. Das Team wird wohl eher einen zweiten Platz begrüßen als für den Sieg erneut einen Ausfall zu riskieren. Darf also Bernardo Sousa auf den großen Coup hoffen? Jawohl, er darf. Sousa selbst darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen…

Mit mehr als zwei Minuten Rückstand belegt der junge Russe Vasily Gryazin auf einem Ford Fiesta S2000 Platz drei, mit beinahe sechs Minuten Rückstand folgt Jean-Michel Raoux auf dem alten Peugeot 207 S2000 auf Platz vier, gefolgt vom neuen Führendem im Production Cup, dem Lokalmatador Luis Rego im Mitsubishi Lancer Evo IX, dessen Landsmann Ruben Rodriguez auf einem R4-verbesserten Evo IX rund eine halbe Minute dahinter liegt. Im 2wd-Cup führt Stefane Lefebvre im Peugeot 208 R2 überlegen vor Lokalmatador Henrique Moniz und dem Finnen Risto Immonen.

Die drei noch ausstehenden Sonderprüfungen werden ab 15.16 Uhr Ortszeit (17.16 Uhr MESZ) in Angriff genommen.

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