RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Alpe Adria Rally Cup: Kommentar
Foto: Katharina Salmhofer

Alpe Adria Rally Cup-Farce: Wie lange noch?

Der Alpe Adria Rally Cup bereichert Starterfelder, national und international. Doch es gibt keine AMF-Genehmigung. Eine FIA-Kalendergebühr müsste entrichtet werden. Die Fronten sind verhärtet - ist ein Kompromiss völlig unmöglich?

Kommentar von Noir Trawniczek

Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Kärntner Ehepaar, Wolfgang und Alexandra Troicher, früher Veranstalter der Rallye in und um St.Veit, betreibt seit vielen Jahren den Alpe Adria Rally Cup, heuer mit zehn Rallyes in fünf Ländern. Völkerverbindend wie etwa auch der Mitropa Cup, mittlerweile auch zu einer Art internationaler „Familie“ geworden. Und für die Betreiber eine Menge Arbeit, die sie gern verrichten: So ein Cup benötigt eine Ausschreibung, man muss mit den Rallye-Veranstaltern Pakete ausmachen - denn der Deal ist, vereinfacht gesagt: Man schreibt sich in den Cup ein, zahlt eine Einschreib- bzw. Mitgliedsgebühr - dafür verhandelt der Cup-Betreiber mit den Veranstaltern der Rallyes spezielle Nenngeld-Ermäßigungen aus, weil der Cup ja immer gleich eine gewisse Anzahl von Teams zu den Rallyes bringt, bei der Perger Mühlsteinrallye etwa waren es immerhin 14 Teams aus fünf Nationen.

So weit, so gut. Oder eben nicht. Denn was dem Cup seit Jahren fehlt, ist ein offizielles AMF (Austria Motorsport)-Prädikat. Der Hintergrund dazu: Wenn ein Cup mehr als eine Rallye im Ausland abhält, muss er bei der Obersten Internationalen Sportbehörde FIA eine Kalendereintragsgebühr einzahlen. Und das sind mehrere tausend Euro. Jetzt kann man sich auch mit wenig Fantasie gut vorstellen, dass man sich das gerade in Zeiten wie diesen nicht leisten kann. Schließlich sind die Organisatoren bei jeder AARC-Rallye vor Ort, um ihre Teams zu betreuen, es fallen Hotel- und Reisekosten an. Es fallen Kosten für Pokale an, manchmal gibt es sogar kleine Preisgelder/Sachpreise am Saisonende. Und: Für die Arbeit wie Punktestände ausrechnen, Berichte verfassen, Fotos organisieren und dergleichen sollte ein Cup-Betreiber ja auch ein Bisschen was verdienen (dürfen)….

Das fehlende AMF-/FIA-Prädikat hat geradezu groteske Auswirkungen. So wird dieser Cup quasi zu einer Art „Geister-Cup“, denn Veranstalter dürfen ihn in ihren offiziellen Schriftstücken/Presseaussendungen nicht erwähnen. Hier soll es Druck von Seiten der AMF geben - das soll Gerüchten zufolge so weit gehen, dass AMF-Vertreter bei den Rallye-Veranstaltern anrufen oder sogar den Teilnehmern Probleme mit ihrer Lizenz angedroht werden. Ob und in welcher Intensität das wirklich geschieht, ist uns nicht bekannt. Wohl aber hat Willi Singer, der Vorsitzende der AMF-Rallyekommission schon einmal erklärt, dass man zumindest darauf aufmerksam machen würde, dass dieser Cup nicht genehmigt ist. Und aus der Sicht der AMF ist es durchaus nachvollziehbar, dass man sich an internationale Regeln zu halten hat.

Der Autor dieser Zeilen hat schon öfter mit beiden Seiten dieses Konflikts gesprochen und eines ist völlig klar: Irgendwie sind beide Sichtweisen nachvollziehbar. Doch die Fronten haben sich komplett verhärtet. Beide Seiten sind offenbar auch nicht mehr Willens, einen Kompromiss auszuhandeln. Ein solcher müsste doch irgendwie möglich sein - stattdessen geht es sogar so weit, dass man erwägt, vor Gericht zu ziehen…

Und jetzt die „Preisfragen“: Macht das Sinn? In Zeiten, in welchen jeder Rallye-Veranstalter zittern muss, ob auch genügend Teams starten werden? Sollte man in solchen Zeiten Cup-Betreibern wie den Troichers nicht eher Applaus spenden, als sie wegen einer irgendwie nur schwer nachvollziehbaren, seltsam hohen Kalendergebühr quasi in den Untergrund zu drängen? Ist es wirklich dermaßen unmöglich, hier eine Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist? Gibt es bei der Höhe der Kalendergebühr keinen Mittelweg, der machbar ist? Und: Wie soll das weitergehen? Als genehmigte Meisterschaft könnte der Alpe Adria Rally Cup viel leichter größer werden und damit die Starterfelder von zehn Rallyes in fünf Ländern noch mehr anreichern. Das kann doch nur im Interesse aller sein. Wie lange müssen wir jetzt warten, bis da eine Seite auf die andere zugeht? Jahre? Jahrzehnte? Ist es wirklich nötig, dass wir einander das Leben schwerer machen, als es ohnehin schon ist?

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

ERC, Skandinavien: Bericht

Beide Youngsters mit Podestpotential

Bei der Skandinavien Rallye konnten Maximilian Lichtenegger in der ERC3 und auch ERC4-Debütant Marcel Neulinger in ihren Kategorien mit Top3-Zeiten künftiges Podestpotential andeuten. Die Rallye gewann der Finne Heikkilä vor Martins Sesks.

ORM/ARC: ET König Judenburg Rallye

Judenburg wartet auf Simon Wagner und Co.

Die Arbeiten für den Stadtkurs bei der ET KÖNIG Rallye powered by Peter Hopf Erdbau am 12. und 13. Juni sind in Planung / Im Rahmen von insgesamt 15 Sonderprüfungen fahren die Rallyestars heuer gleich drei Mal durch Judenburg

Rosenberger mit Sensations-Premiere

Stohl: „Können stolz sein auf dieses Auto“

Kris Rosenberger überrascht mit sensationeller Lancia Rally 2-Österreich-Premiere. Drahtzieher war Manfred Stohl - wir haben mit dem STARD-Chef gesprochen.

ET König Judenburg Rallye: Vorschau ARC

Hartes Duell um die ARC-Spitze!

Mit Hans Georg Lindner kommt ein „Historischer“ als ARC-Tabellenleader nach Judenburg - doch Gerolf Schuller liegt nur knapp dahinter. In der ART1 gibt Raimund Baumschlager ein Comeback - als Tabellenleader startet Gastgeber Peter Hopf.