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ORM: Rebenland-Rallye

Pfeilschneller „kleiner Löwe“ ohne Reset-Taste

Simon Wagner sorgte bei der Rebenland-Rallye für Aufsehen: Im kleinen Peugeot 208 R2 mit nur 185 PS ließ er auch stärkere R3- und Kitcar-Boliden hinter sich. Highlight auf SP 12: Platz fünf gesamt, schneller als 2wd-Staatsmeister Böhm und Slowenien-Champion Aleks Humar auf R3. Doch danach kam SP 13…

Fotos: Daniel Fessl, privat

Die Rebenland-Rallye rund um das malerische Leutschach war für Simon Wagner der eigentliche Auftakt einer neuen Ära, in welcher der 22-jährige Mauthausner erstmals mit einem modernen Rallyeauto in der österreichischen 2wd-Staatsmeisterschaft antritt. Gefahren wird mit einem Peugeot 208 R2, der gerade einmal 185 PS leistet, dafür aber mit einem modernen Fahrwerk ausgestattet ist.

Führung in der Junioren-ÖM

Der „Wettergott“ wollte Simon gleich einmal gehörig auf die Probe stellen, denn in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sorgten Regenfälle dafür, dass sogar Serienstaatsmeister Raimund Baumschlager von einer „Schlammschlacht“ und äußerst schwierigen, weil rutschigen Bedingungen sprach. Doch Wagner und sein erfahrener Copilot Fred Winklhofer ließen sich nicht beirren – gleich auf der ersten Prüfung waren die beiden die Schnellsten ihrer Klasse (RC4), in der 2wd-Wertung waren nur die wesentlich stärkeren Autos von Michael Böhm (S1600) und Bernd Zanon (S1600) schneller als das oberösterreichische Powerduo, womit man in der Junioren-Staatsmeisterschaft gleich einmal die Führung übernahm.

In dieser Tonart ging es am Freitagnachmittag weiter: Simon Wagner konnte nicht nur andere R2-Boliden wie jenen von Daniel Wollinger, den kroatischen ERC-Piloten Viliam Prodan auf einem baugleichen Peugeot 208 R2 oder den seit 2013 auf einem Skoda R2 fahrenden Slowenen Tim Novak hinter sich halten, sondern auch so manchen wesentlich stärkeren R3-Boliden, wie jenen von Aleks Humar, dem slowenischen Serien-Champion.

Auf der letzten Freitags-Prüfung jedoch büßte Wagner rund 40 Sekunden ein, als er auf einer völlig mit Dreck übersäten Kurve beinahe in den Weingarten rutschte. Simon lacht: „Da war so viel Dreck, dass man beinahe die Kurve nicht gesehen hat. Eine schwierige Stelle.“ Die man jedoch meistern konnte, der Zeitverlust entstand beim notwendigen Reversieren. Trotzdem konnte man als Dritter der 2wd sowie als Führender der Junioren-Staatsmeisterschaft die Nachtruhe antreten.

Staunen über den Speed

Am Samstag konnte Simon sich weiter steigern: „Wir konnten das Setup stets verbessern und auch beim Reifendruck haben wir Verbesserungen erzielen können.“ Auf SP 8 sorgten Wagner/Winklhofer dann erstmals für Staunen, als man sogar schneller als der spätere 2wd-Sieger Michael Böhm fahren konnte, immerhin stehen Wagner um rund 40 PS weniger zur Verfügung.

Dieses Kunststück gelang Simon auf SP 12, dem zweiten Eichberg-Rundkurs, ein weiteres Mal: „Beim ersten Eichberg-Rundkurs hat Böhm vier neue Reifen aufgezogen und wir lagen trotzdem nur acht Sekunden hinter ihm. Für die zweite Durchfahrt habe ich dann zwei neue Vorderreifen aufgezogen und wir waren sieben Sekunden schneller als Böhm – das hat uns doch sehr überrascht.“

Diese Prüfung, der zweite Eichberg-Rundkurs, war mit dem grandiosen fünften Gesamtrang auch Simons persönliche Bestleistung bei dieser Rallye. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits als überlegener Klassenleader und Führender der Junioren-ÖM auf Platz zwei der 2wd sowie auf dem achten Gesamtrang.

Kein Glück auf SP 13

Dann jedoch kam SP 13 – und diese Zahl brachte Simon diesmal wenig Glück: Ein kleines Hoppala mit großer Folgewirkung quasi. Simon erzählt: „Es war ein langsames Eck, wir kamen von der Straße ab, sind dann jedoch einen Hang hinuntergekugelt und landeten in einem Bachbett – von dort gab es natürlich kein Zurück mehr.“

Vater Friedrich Wagner merkt an: „Im Gegensatz zu früher, als die Jungs mit acht Jahren bereits auf der Playstation nach Aufschrieb gefahren sind, kann man hier keine Reset-Taste drücken. Aber das gehört zum Lernprozess dazu.“

“Extrem viel gelernt”

Am nächsten Tag fand Simon dann auch seinen Humor wieder, als er knochentrocken feststellte: „Wir haben den Grenzbereich gesucht – und ihn gefunden.“ Am Ende überwiegt jedoch das Positive: Der „kleine Löwe“, wie ein guter Freund den Peugeot 208 R2 liebevoll nannte, konnte mit wesentlich stärkeren Boliden nicht nur mithalten, sondern sie sogar hinter sich halten. Simon nickt: „Ja, ich war selbst erstaunt, wie gut man mit dem R2 mithalten kann. Was mir wichtig ist: Wir haben bei dieser Rallye extrem viel gelernt, denn es war eine schwierige Rallye. Beeindruckend war für mich auch, wie schnell ich mit Fred (Copilot Fred Winklhofer, Anm.) wieder eine Einheit bilden und an unsere Zusammenarbeit im Jahr 2013 anschließen konnte.“

Schon in zwei Wochen steigt die nächste Runde zur Rallye-Staatsmeisterschaft, die Lavanttal-Rallye – bis dahin wird das tschechische Sparrow Racing Team den „kleinen Löwen“ wieder startklar bekommen.

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