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Die Wagner-Brüder im Doppelinterview

Simon Wagner führt nach seinem Sieg im Rebenland in der ORM2WD, Bruder Julian ließ dort mit Bestzeiten aufhorchen – wir baten zum Email-Interview…

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Marco Mayrhofer

Es ist wohl ein Novum in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft – zwei so schnelle Brüder hat es wohl schon lange oder sogar noch nie in der ORM gegeben. Beide fahren für das Waldviertler Wurmbrand Racing Team, beide pilotieren in der ORM2WD einen Citroen DS3 R3, wobei jener von Simon als R3max rund 25 PS mehr Leistung hat.

Simon gewann prompt die Rebenland-Rallye und kommt als Führender der ORM2WD ins Lavanttal. Julian, der erst im Vorjahr sein Rallyedebüt feierte und einen immensen Grundspeed an den Tag legt – und mit seiner spektakulären Fahrweise die Fans entzückt - ließ beim Auftakt gleich einmal mit Bestzeiten aufhorchen.

Wir baten die beiden schnellen Brüder zu einem Email-Interview – jeder der beiden beantwortete die Fragen für sich und wusste nichts von den Antworten des jeweils anderen…

Wie ist dein persönlicher Rückblick auf die Rebenland-Rallye?

Simon Wagner: Da die Rebenland-Rallye eine meiner Lieblingsrallyes ist, waren die internen Erwartungen natürlich hoch - dass es dann doch ein eindeutiger Sieg wurde, lag an der intensiven Vorbereitung, einem Top-Team (Wurmbrand Racing, d. Red.), Ursis super Job (Copilotin Ursula Mayrhofer, d. Red.) und den Erfahrungen, die ich letztes Jahr dort machen musste: Abflug an zweiter Position…

Julian Wagner: Wir haben im Rebenland gezeigt, dass wir den Speed der erfahrenen alten Hasen mithalten und wir sie sogar auch schlagen können. Ich habe gesehen, dass wir zur 2WD Spitze gehören.

Was sind deine Ziele in Hinblick auf die Lavanttal-Rallye?

Simon Wagner: Nach dem Sieg im Rebenland ist das Ziel natürlich, so lange wie möglich der Führende in der 2WD-Staatsmeisterschaft (ORM2WD, d. Red.) zu bleiben. Daher ist das Ziel klar das Podium und weiter Erfahrung mit dem Citroen DS3 R3max zu sammeln und noch am Setup zu feilen, das noch nicht ganz perfekt ist für mich.

Julian Wagner: Durch eine Grippe bin ich noch nicht ganz fit, somit liegt der Fokus auf dem Kennenlernen der Lavanttaler Sonderprüfungen. Die schnellen Zeiten kommen dann wahrscheinlich erst nächstes Jahr, wenn ich die Rallye dann auch kenne.

Wie schätzt du deine Gegner bei der Lavanttal-Rallye ein?

Simon Wagner: Im Lavanttal ist Erfahrung das Um und Auf, daher haben Daniel (Wollinger, d. Red.) und Michi (Michael Böhm, d. Red.) einen klaren Vorteil, auch Bernd Zanon darf man nicht vergessen.

Julian Wagner: Ich denke, die Erfahrung von Böhm und Wollinger ist im Lavanttal Gold wert. Die Prüfungen, die ich mir auf Onboardvideos angesehen habe, sind extrem selektiv und schwierig. Für mich wird es schwierig – ich fahre ja zum ersten Mal auf diesen Prüfungen.

Wie schätzt du deinen Bruder ein? Welche Chancen hat er heuer in der ORM2WD?

Simon Wagner: Ich hab mich im Rebenland irrsinnig über seinen Speed gefreut - das hab ich, glaube ich, auch sehr deutlich publiziert im Service und bei den Medien, jedoch war ich keineswegs überrascht, ich kenn ihn doch schon lange und weiß was er drauf hat. Man muss schauen, wie schnell er weiterlernt und wie konstant er dann weiterfahren kann. Ich bin sein Fan, vor allem wegen seines spektakulären Fahrstils :D.

Julian Wagner: Er hat definitiv die Chance, den 2WD-Staatsmeistertitel einzufahren. Er hat im Rebenland gezeigt, dass er ganz ohne Druck und Risiko Böhm und Wollinger im Griff hat.

Was sind die Stärken von deinem Bruder? Was kannst du dir von ihm abschauen?

Simon Wagner: Er ist definitiv im Moment noch schmerzbefreiter als ich. Er hat einen unglaublichen Grundspeed und ein extremes Gespür für das Fahrzeug im Grenzbereich - er kommt halt aus der besten Schule, aus dem Kartsport! Eine weitere Stärke ist, wie sehr er sich an ein Fahrzeug anpassen kann, ohne das Setup zu verändern, diese Gabe hätte ich auch gerne. Er fährt auch mit einem unterlegenen Auto beziehungsweise einem schlechten Setup schnelle Zeiten.

Julian Wagner: Er ist immer sehr ehrgeizig und verfolgt seine Ziele. Seine Stärke liegt auch in den schnellen Passagen, in denen ich zum Teil noch sehr viel Zeit liegen lasse.

Was sind die Schwächen deines Bruders? Wo kannst du ihn schlagen?

Simon Wagner: Das werde ich öffentlich nicht sagen, da hätten unsre Gegner dann leichteres Spiel :D. Aber ich werde davon Gebrauch machen, wenn es mal knapp wird - das soll dieses Jahr aber noch nicht der Fall werden, wir müssen beide noch viel lernen. Schwäche kann man‘s nicht nennen - aber es fehlt halt teilweise noch an Erfahrung und daher ist der Speed manchmal noch ein wenig unkonstant. Wenn er den Rebenland-Speed in Zukunft einmal konstant fahren kann, dann müssen sich alle 2 WD-Piloten warm anziehen!

Julian Wagner: Er ist es gewohnt, sich ein perfektes Setup zu erarbeiten und ist auch nur zufrieden, wenn es wirklich zu 100 Prozent perfekt ist. Gelingt ihm dies nicht optimal, verliert er das eine oder andere Zehntel. Ich hingegen kann mich gut und schnell auf jedes Setup einstellen und versuche das Beste daraus zu machen.

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