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Rallye-ÖM: Ostarrichi-Rallye

Lustiges Star-Jagen

Als ziemlich unverkrampft könnte man die Art und Weise bezeichnen, wie Christian Eberherr an die Ostarrichi-Rallye herangegangen ist.

Keinesfalls aber als gleichgültig: Irgendwie lag da schon, wenn auch unausgesprochen, der Satz „Oba jetzn zoagn ma’s eana“ in der Luft. Und tatsächlich durfte Christian Eberherr die Würde von so manchem Papier-Favoriten doch ein wenig ankratzen.

Gekommen ist er ja hauptsächlich wegen der Einladung von Raphael Sperrer, nachträglich betrachtet, war es jedoch auch sportlich ein sehr wertvoller Gewinn: Mit einer solchen Leistung verschafft man sich mit Sicherheit Respekt, und man sieht auch wieder einmal: Bei schlechtem Wetter sind die PS und eine absolut perfekte Straßenlage nicht so wichtig. Da zählt viel mehr, wie man sich fahrerisch ins Zeug legt.

Für eine Hetz dieser Art ist auch Alexandra Auer-Kaller jederzeit zu haben, die für die Ostarrichi-Rallye noch keinerlei Verpflichtungen eingegangen war und daher prompt zur Verfügung stand, als Christian Eberherr den Rücktritt vom Rücktritt (betrifft ohnehin nur diese Saison) bekanntgegeben hatte. Zwei Rallyes sind sie ja schon miteinander gefahren, und das mit gutem Erfolg, es sprach also nichts dagegen, die gemeinsamen Aktivitäten neu aufzunehmen. Schon gar nicht, wenn diese Aktivität „Historische Rallye-Europameisterschaft“ heißt.

Schon auf der ersten Prüfung wurde es ziemlich „spaßig“: Christian Eberherr und Alexandra Auer-Kaller positionierten sich auffallend gut in der Mitte. Gerhard Openauer lag einige Sekunden vor ihnen, seine „Wunderreifen“, mit denen er dann gewann, hatte er erst später ausgepackt. Und hinter ihnen – sieh an – fand sich ein ganzes Pack an Stars – Pentti Veikkanen (wie unschwer zu erkennen, ein Finne, und noch dazu auf Porsche), Ernie Graham (Ford Escort) und Heinz-Walter Schewe, früher einer der besten Rallyefahrer Deutschlands, aber halt lange Zeit nicht mehr dabei.

Ein wenig stolz darf man nach einem solchen Beginn schon sein, aber dem Christian ging’s trotzdem zu langsam. Nachdem er festgestellt hatte, daß er mit Winterreifen entscheidend schneller gewesen wäre, hatte er für den zweiten Durchlauf welche montiert. Und akkurat da war der Schnee weg! Stupid, würden die Briten sagen.

Aber es war überaus spannend, das muß man sagen, auch am zweiten Tag. Auf der vierten Prüfung begann die Jagd nach Heinz-Walter Schewe, der die zweite Freitages-Prüfung ein wenig besser erwischt hatte. Aber es tat sich noch etwas Entscheidendes: Johannes Huber, der große Führende der Castrol Historic Rallye-Staatsmeisterschaft, lag auf einmal hinter Christian Eberherr! Der erfolgreiche Porsche-Pilot der Saison 2007 war einfach zu lange neben der Strecke gestanden – manchmal machen eben auch die Großen Fehler.

Prüfung Nummer Fünf wurde abgesagt, ein Ende hatte der Spaß noch lange nicht: Auf Wartberg-Kremsmünster fuhren Christian Eberherr und Johannes Huber fast eine identische Zeit. Der Unterschied lag bei einer Zehntelsekunde...zugunsten von Eberherr...man glaubte es kaum. Für Heinz-Walter Schewe setzte es eine leichte Niederlage, ihn konnte Christian Eberherr im Klassement überholen. Obwohl der frühere Star aus Deutschland doch schon einen deutlichen Vorsprung hatte. Beinahe vergißt man, daß Christian Eberherr ja mit einer serienmäßigen Hinterachse fuhr, aber bei einer Rallye wie dieser sind eher andere Dinge wichtig als das.

Auf den letzten Prüfungen war der rote Escort von Christian Eberherr und Alexandra Auer-Kaller noch einmal deutlich schneller als das giftgrüne Porsche-Monster von Heinz-Walter Schewe/Frank Blondeel, und der Schlußangriff von Johannes Huber/Wolfgang Viakowsky kam zu spät, um in der direkten sportlichen Auseinandersetzung noch Plätze zu gewinnen.

Der fünfzehnte Platz bei dieser äußerst schwierigen und dank der historischen Rallye-EM hochkarätig besetzten Ostarrichi-Rallye war hart erarbeitet, aber Christian Eberherr und Alexandra Auer-Kaller brachten auch sehr viel Leidenschaft mit, und das erleichtert auch wiederum sehr viel. Zwei Sekunden trennten sie von Platz Vierzehn (Nils Bergquist/Volvo PV544), deren 3,3 von Platz Dreizehn (Roberto Bigoni/Opel Kadett), aber das wirklich Tolle waren die Fahrer, die hinter ihnen waren. Gewiß, Heinz-Walter Schewe ist lange Zeit keine Rallye mehr gefahren, und mit den Reifen – hier besonders wichtig – hatte er auch nicht den großen Glückstreffer, aber es horcht sich immer gut an, wenn man sagen kann: Man hat jemanden besiegt, der bei einer Rallye schon einmal schneller war als Weltmeister Stig Blomqvist.

Sichergestellt ist damit auch, daß auch dann die Action bei den Historischen in Österreich weiterlebt, wenn Stars wie Lindner, Nothdurfter & Co zwischenzeitlich ihr Programm ändern (was dann meist auf eine Reduzierung hinausläuft). Denn: Die zweite Liga holt auch hier auf, und zwar unaufhaltsam.

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