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Rallye-WM: Wales

Spannender Showdown in Wales

Für Mikko Hirvonen ist es die Chance seines Lebens – vor dem Finale führt er einen Punkt vor Sébastien Loeb. Die Entscheidung wird wohl über den Sieg in Wales fallen.

Michael Noir Trawniczek

Im Rahmen der klassischen Wales-Rallye, früher als „RAC-Rallye“ weltbekannt, steigt am kommenden Wochenende endlich wieder ein „Grande Finale“ in der Rallye-Weltmeisterschaft. Serienchampion Sébastien Loeb kommt diesmal als Verfolger nach Cardiff - er liegt einen WM-Punkt hinter Ford-Werkspilot Mikko Hirvonen zurück und wird mit Sicherheit alles daran setzen, doch noch den fünften Titel in Serie an Land zu ziehen. Und Loeb wäre nicht Loeb, würde er diesen Titel nicht stilecht mit einem Sieg fixieren wollen…

Mikko Hirvonen hätte zuletzt in Spanien lieber den zweiten statt den dritten Platz belegt. „Dann hätte mir in Wales ein zweiter Platz hinter Loeb genügt, um Weltmeister zu werden“, hat der Finne erklärt. Daraus wird jedoch nichts – der Titel wird aller Voraussicht nach über einen Sieg bei der Wales-Rallye entschieden. Hoffentlich in einem spannenden Duell Hirvonen gegen Loeb…

Kein „Straßenfegen“

Zwar ist Wales eine Schotterrallye, doch auf den schnellen und geschwungenen Wertungsprüfungen muss die Strecke nicht vom losen Schotter befreit werden – WM-Leader Hirvonen wird daher keinen Nachteil vorfinden, wenn er als erstes Auto auf die Strecke muss: „Der Unterschied zwischen dem ersten, zweiten und dritten Auto auf der Prüfung ist nicht so kritisch. Ganz im Gegenteil: Wenn es feucht und schlammig wird, kann es sogar von Vorteil sein – ebenso bei trockenen Bedingungen. Ich habe kein Problem damit, als Erster zu starten.“

Hirvonen hat sich auf besondere Art und Weise auf den großen Showdown vorbereitet – er und sein Co-Pilot Jarmo Lehtinen nahmen in ihrem Ford Focus WRC als Vorausauto an der Rallye Cumbria teil, um sich wieder mit dem losen Untergrund vertraut zu machen.

Eine Nervenschlacht

Sébastien Loeb weiß: Der große Showdown in Wales wird vor allem eines – eine Nervenschlacht! Der Franzose gibt zu: „Mikko und ich werden natürlich unter großem Druck stehen, selbst ein kleiner Fehler kann einen von uns aus dem Titelkampf werfen.“ Allerdings wolle er sich nicht zu sehr unter Druck setzen lassen: „Denn sonst riskieren wir, dass wir nicht in der Lage sind, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich werde, so weit es möglich ist versuchen, dies aus dem Kopf zu bekommen und mich lediglich auf den Kampf zu konzentrieren. Wir hatten in diesem Jahr schon ein paar sehr enge Zweikämpfe. Ich hoffe, dass wir in Wales ein weiteres aufregendes Duell sehen werden."

Man kann davon ausgehen, dass sowohl Loeb als auch Hirvonen einen Sieg anstreben – sollte ein solcher nicht möglich sein, werden die beiden um die Plätze kämpfen. Die Differenz zwischen den Plätzen zwei und drei beträgt ebenso wie jene zwischen den Plätzen eins und zwei jeweils zwei Zähler. Bei Punktegleichheit würde der Titel an Loeb gehen, da er über mehr Siege verfügt.

Zwar rechnen viele Experten damit, dass der Titelkampf über einen Sieg in Wales entschieden wird – zugleich jedoch gibt es weitere potentielle Siegkandidaten. Petter Solberg ist nach seinen SP-Bestzeiten bei der ersten Ausfahrt mit dem Citroen C4 WRC, bei der Spanien-Rallye, wieder voll motiviert und möchte die für ihn doch schwierige Saison als Privatier mit einem Sieg abschließen. Der Weltmeister des Jahres 2003 wird für das Citroen Junior Team antreten und wurde von diesem auch für Herstellerpunkte nominiert.

Solberg darf siegen

Die Lizenz respektive die Erlaubnis zum Siegen erhielt Solberg übrigens von höchster Stelle – Citroen-Teamchef Olivier Quesnel antwortete auf die Frage, ob Petter Solberg in Wales gewinnen dürfe mit den Worten: „"Warum nicht? Er ist ein Kunde. Es ist gut für den Sport, dass Petter dabei ist. Er ist ein Champion und hat definitiv die Chance, wieder zu siegen. Er hat sich ein Auto für das kommende Jahr gekauft.“

Quesnel ist es auch, der einen weiteren potentiellen Siegkandidaten ins Spiel bringt – Dani Sordo, der den zweiten Werks-Citroen pilotiert. Quesnel sagt: „Dani ist der einzige Fahrer, der unter keinem Druck steht.“

Zudem würde wohl auch Sébastien Ogier „liebend gern gewinnen“, merkt Quesnel an – der Franzose gab in Wales im Vorjahr sein WRC-Debüt und verblüffte gleich einmal mit Bestzeiten. Quesnel kann sich zudem auch den zweiten Ford-Werkspiloten Jari Matti Latvala ganz oben auf dem Podium vorstellen. Jedenfalls sei es nicht zwingend, dass „der Kampf um den Sieg etwas mit Séb und Mikko zu tun hat“, glaubt der Franzose, der mit jener Zufriedenheit nach Cardiff fährt, die ihm der bereits gewonnene Titel in der Herstellerwertung verschafft…

Je sechs Citroen & Ford

Während Evgeny Novikov trotz Nennung seine Teilnahme an der Wales-Rallye absagen musste, wird der Deutsche Aaron Burkart sein Debüt im Citroen C4 WRC geben – ebenfalls unter dem Banner des Juniorenteams, für das auch wieder der Südafrikaner Conrad Rautenbach ins Lenkrad greift. Die Citroen Junioren werden also mit vier Piloten in Großbritannien vertreten sein, insgesamt sind damit sechs C4 am Start.

Aber auch Ford wird sowohl mit drei Werksautos als auch mit drei Kundenautos des Stobart-Teams am Start sein – neben den Stobart-Stammpiloten Matthew Wilson und Henning Solberg wird auch der Brite Steve Perez sein Glück versuchen.

Adapta Subaru-Pilot Mads Östberg ist der einzige in der großen WRC-Klasse, der eine andere Marke als Citroen oder Ford vertreten wird.

PWRC: Kampf um den Vizemeister

In der Produktions-Weltmeisterschaft PWRC steht mit Armindo Araujo bereits der neue Weltmeister, der Nachfolger von Andreas Aigner fest – aber mit Patrik Sandell, Nasser Al-Attiyah, Martin Prokop und Eyvind Brynildsen haben theoretisch noch vier Piloten die Chance auf den zweiten Platz in der Jahresendwertung.

Sandell tritt wieder im RB Skoda Fabia Super 2000 an – Teamchef Raimund Baumschlager erklärt: „Unser Ziel ist es, den Vize-Weltmeistertitel nach Österreich zu holen. Wir haben uns in den letzten Wochen auch voll auf diese Aufgabe konzentriert. Von der Technik her steht Patrik wieder ein Skoda Fabia S2000 in Top-Zustand zur Verfügung. Jetzt ist er am Zug. Ich bin sehr guter Dinge, dass wir unser Ziel erreichen werden.“ Brynildsen wird ebenfalls einen Skoda Fabia S2000 steuern, dazu kommt Bernardo Sousa im Abarth Grande Punto S2000.

Der Start zur Wales-Rallye erfolgt bereits am Donnerstagabend mit einem zeremoniellen Start in der verrückten Stadt Cardiff. Richtig los geht’s am Freitagmorgen um 9.23 Uhr mit der 32,14 Kilometer langen SP 1 „Hafren“.

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