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WRC: Argentinien-Rallye

Die Reise zur Mondlandschaft

Sebastien Loeb ist der Dominator im Land der Gauchos. Er konnte die Argentinien-Rallye sechs Mal in Folge gewinnen, doch wer ist sein Nachfolger?

Steinig, abwechslungsreich und nicht zu unterschätzen: Die Rallye-Weltmeisterschaft tritt zum fünften Saisonlauf auf den unerbittlichen Schotterpisten in Argentinien an. Die Strecken im Hochland rund um die Stadt Villa Carlos Paz ähneln zuweilen einer Mondlandschaft und fordern den WM-Akteuren höchste Konzentration ab - kleine Fehler können große Auswirkungen haben. Tiefe Spurrillen in den sandigen Straßen, zahlreiche Wasserlöcher und enge Gebirgspassagen versetzen jedes Jahr aufs Neue nicht nur die Fahrer, sondern auch über eine Millionen begeisterte Fans ins Staunen.

Steaks und Co. gehören zu den beliebtesten Speisen in Argentinien - durchschnittlich rund 60 Kilogramm Rindfleisch legen die Menschen dort pro Kopf und Jahr auf den Grill oder in die Pfanne. Somit ist nahezu sicher, dass am kommenden Wochenende eine interessante Duftmischung den satten Motorensound der World-Rally-Cars (WRC) anreichern wird: appetitanregender Fleischgeruch mit leichter Benzinnote. Rund um die Stadt Villa Carlos Paz werden wieder mehr als eine Millionen Rallye-Fans erwartet, die ihre Leidenschaft mit wahren Volksfesten abseits der Pisten ausleben.

In Argentinien müssen die Partnerteams von Michelin beweisen, wie wasserfest sie sind, denn auf den 14 Sonderprüfungen erwarten sie schwierige Bedingungen. Die rund 300 PS starken Allradler der WM-Piloten graben tiefe Furchen in den losen Schotter - kleinste Fahrfehler können sie aus der Spur und in Folge schnell von den engen Strecken werfen. Von den Lenkradakrobaten ist im Land der Gauchos höchste Konzentration gefordert, um diese Rallye unbeschadet zu überstehen. Zudem erhöht das frühe Herbstwetter in der südlichen Hemisphäre die Risiken von Regen und Nebel in den Bergen, wodurch sich die Hatz über die steinigen Pisten schnell in eine Rutschpartie verwandeln kann.

Auch problematisch: Die Prüfungen kreuzen zahlreiche Flussübergänge, die durch Niederschläge sehr tief und weit werden können - um trockenen Fußes das andere Ufer zu erreichen, benötigen die Fahrer bei den Wasserdurchfahrten eine gesunde Portion Mut und noch mehr Fingerspitzengefühl. Wenn die Boliden durch die Pfützen und Bäche preschen, ist Vorsicht geboten: Vor allem Kotflügel und Frontschürzen leiden unter den Wasserfontänen mit Dampfstrahler-Stärke. Außerdem muss der Motor vor eindringendem Wasser geschützt werden.

Jeder Rallye-Tag führt die Lenkradakrobaten in eine andere Gegend der im Zentrum Argentiniens liegenden Provinz Cordoba, überall begleitet sie die atemberaubende Gebirgskulisse dieser Region. Schon der Start des fünften Saisonlaufs ist spektakulär: Auf der SP1 gehen die Fahrer am Donnerstagabend paarweise auf Bestzeitenjagd. Die Zuschauerprüfung in der Stadt Villa Carlos Paz gilt als eine der besten ihrer Art im WM-Kalender und wird am Samstagabend wiederholt.

Am Freitag stehen zwei doppelt befahrene Prüfungen und insgesamt 157,94 SP-Kilometer auf dem Zeitplan. Unter anderem wartet mit der 51,88 Kilometer langen SP von Asochinga nach Agua de Oro eine echte Mammutaufgabe auf die Teams. Sie führt über einen engen Gebirgspass und zeichnet sich durch besonders sandige Wege aus. Am Samstag folgt mit 164,34 gewerteten Kilometern ein nochmals längeres Programm.

Wer holt seinen ersten Argentinien-Sieg?

Der letzte Veranstaltungstag hält mit zwei besonderen Prüfungen die Fahrer und Fans in Atem: Erstmals seit 2002 wird die beliebte SP von Giulio Cesare nach Mina Clavero von den Berggipfeln abwärts in das Traslasierra-Tal gefahren. Im Anschluss endet die Argentinien-Rallye am Sonntagmittag mit der berühmten SP "El Condor". Sie führt in eine scheinbar fremde Welt: Die 16,32 Kilometer lange Reise durch die karge Felsenlandschaft erinnert an die Mondoberfläche. Auf die Fahrer warten sehr schmale Schottwerwege, die links und rechts von großen Gesteinsbrocken begrenzt werden.

In diesem Jahr dürfen die Zuschauer in Argentinien mit Sicherheit einen Debüt-Sieger feiern, denn kein Fahrer aus dem Starterfeld konnte bislang bei den Gauchos gewinnen. Als Spitzenreiter obliegt es Sebastien Ogier im Volkswagen Polo R WRC, die Bestzeitenjagd am Donnerstagnachmittag zu eröffnen. Sein Teamkollege Jari-Matti Latvala folgt auf dem zweiten Tabellenplatz. Der Norweger Mads Östberg liegt momentan mit seinem Citroen DS3 WRC an dritter Stelle.

Dahinter folgt Volkswagen-Junior Andreas Mikkelsen auf Rang vier, der genauso viele Punkte auf dem Konto hat wie der fünftplatzierte Mikko Hirvonen im Ford Fiesta RS WRC. WM-Neueinsteiger Hyundai belegt mit dem brandneuen Hyundai i20 WRC und Stammfahrer Thierry Neuville aktuell den sechsten Platz im Gesamtklassement.

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