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ORM: Waldviertel-Rallye

Wenn der Teamchef irrt…

Oft schon hat Gottfried Kogler seine langjährige Erfahrung eingesetzt und ein „goldenes Händchen“ bewiesen – diesmal jedoch, beim ORM-Saisonabschluss im Waldviertel, hat der Teamchef daneben gelangt. Dass am Ende, nach einem ORM2WD-Bestzeitenfeuerwerk von Michael Kogler dennoch eine positive Saisonbilanz gezogen und bereits wieder emsig Pläne für 2016 geschmiedet wurden, spricht für das UNIOR Rallye Team Austria und seinen Blick nach vorne.

Foto: Daniel Fessl

„Es war ein Gefühl, als würdest du mitten in der Nacht aus einem Traum herausgerissen werden“, erzählt Michael Kogler jenen Moment, als ihm auf der dritten Sonderprüfung der Waldviertel-Rallye plötzlich und unverhofft der Sprit ausging. „Ich habe Gerry, meinen Copiloten gebeten: ‚Sag mir bitte, dass das nicht wahr ist!‘ Dreimal habe ich ihn darum gebeten – doch es kam keine Antwort.“
 
Die Antwort kam schließlich von Vater Gottfried Kogler – denn der UNIOR Rallye Team Austria-Teamchef leistete sich zum ersten Mal einen wirklich schweren Fehler: „Wir haben vor der Technischen Abnahme 30 Liter Sprit getankt – dort wurde das Auto abgewogen und wir hatten diesmal 70 Kilogramm Übergewicht, sonst waren es immer zehn Kilo. Daher habe ich gedacht, dass der Tank randvoll sein muss, es gibt bei solchen Autos ja keine Tankanzeige.“
 
Kogler gesteht offen und ehrlich seinen Fehler ein: „Natürlich war das ein schwerer Fehler von meiner Seite, natürlich war das peinlich, mir tut das selbstverständlich ausgesprochen leid. Somit war der erste Tag der Rallye komplett wertlos – insgesamt konnte Michael so nicht mehr um eine Spitzenplatzierung kämpfen, immerhin konnten wir am zweiten Tag die Rallye fortsetzen.“
 
Bestzeitenfeuerwerk am zweiten Tag
 
Das einzige Problem dabei: Auf dem offiziellen Live Timing wurde Kogler nicht in der Gesamtwertung angezeigt, was bei manchen Fans für Verwirrung sorgte – im offiziellen Ergebnis der FIA European Rally Trophy jedoch wird Michael Kogler auf Gesamtrang neun als drittbester 2wd-Pilot der zweiten Etappe gewertet – am zweiten Tag konnte der UNIOR Rallye Team Austria-Pilot sämtliche Bestzeiten der ORM2WD einfahren.
 
Dabei war es für Michael, der vor der Rallye extrem motiviert war, gar nicht so leicht, diese Motivation nach dem Ausfall auf der ersten Etappe zu behalten: „Man merkt schon, dass der letzte Pfeffer fehlt, da kannst du gar nichts dagegen tun, denn du weißt unterbewusst, dass es dir nichts nützt, auch wenn du noch so schnell fahren würdest.“
 
Alles für die Fans
 
„Ich bin dann einfach mit viel Handbremseneinsatz gefahren, habe das Heck kommen lassen, das hat die Fans an der Strecke sichtlich gefreut. Es hat mich sogar einen Dreher gekostet, da ich ein bisschen übermütig wurde und meinem Idol Gigi Galli nacheifern wollte“, erklärt ein lachender Michael Kogler.
 
Die Rallyefans kamen an diesem Wochenende ganz besonders auf ihre Rechnung: Bei der Rallyeshow vor dem VAZ Sankt Pölten, der Gottfried Kogler mit der Motivation seiner Sponsoren unter die Arme gegriffen hat, die Superspecialprüfung SP 2 wurde live im TV übertragen. Der Teamchef des UNIOR Rallye Teams erklärt dazu: „Die Rallyeshow kam sehr gut bei den Leuten an – ich freue mich, dass so viele Fans nach Sankt Pölten kamen und auch so viele Zuschauer die Live-Übertragung angesehen haben. Für unsere Sponsoren war das wirklich gut.“
 
Eine weitere Aktion brachte dem UNIOR Rallye Team Austria erhöhte Medienpräsenz: „Wir haben Peter Schöller, der in unserem Langstreckenteam als Pilot an Bord ist, mit unserem UNIOR VW Scirocco als Vorausauto auf die Prüfungen gesandt – er hat verschiedene Promis als Edelrallyetaxi mitgenommen, so auch Christian Mayerhofer, den Reporter der Kronen Zeitung, der einen spannenden Bericht über die Mitfahrt veröffentlicht hat.“
 
Positive Saisonbilanz
 
Wenn Michael Kogler auf die abgeschlossene Saison 2015 zurückblickt, kann er eine positive Schlussbilanz ziehen: „Ich habe heuer neue 2wd-Spuren in mir gefunden und konnte dank unserer Partner meine bereits zehnjährige Erfahrung in einer kompakten Rallyesaison umsetzen. Eine Saison, in der ich das Auto stets ohne einen Kratzer ins Ziel bringen, vier Podiumsplätze und zweimal Gesamtrang drei erringen konnte.“
 
Die Winterpause wird für das Kogler-Team nicht allzu lange andauern, schließlich startet man auch 2016 wieder beim 24 Stunden-Klassiker in Dubai. Michael Kogler nickt: „Die Winterpause verbringen wir ganz nach unserem Geschmack im sonnigen Dubai.“
 
„Werden erneut keine Grenzen scheuen“
 
Michael fügt hinzu: „Wir sind noch am Sortieren für unser Programm im kommenden Jahr, doch wir werden erneut keine Grenzen scheuen und auch das eine oder andere Rennen im Ausland bestreiten. Ich möchte mich noch bei meinem Copiloten Gerald Winter für die erfolgreiche Kärntner-Niederösterreichische ‚Koalition‘ bedanken. Ich schätze seine professionelle Art sehr.“
 
Teamchef Gottfried Kogler bestätigt: „Wir freuen uns sehr, dass wir auch im kommenden Jahr wieder den UNIOR Citroen zünden dürfen – das genaue Rallye-Programm wird noch festgelegt, zur Diskussion stehen Läufe zur ORM, aber auch zum Alpe Adria Cup. In punkto Langstrecke werden wir wie immer die Saison im fernen Dubai eröffnen.“

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