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WRC: Polen-Rallye

„Wir kamen ein bisschen später als geplant ins Bett“

KornelLukacs konnte im Wurmbrand-Citroen DS3 R3 bei der Polen-Rallye wichtige WM-Punkte einheimsen, doch die Mechaniker waren gefordert.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Matthias Österreicher

Kornel Lukacs und sein Copilot Mark Mesterhazi waren für die zur Junior WRC zählende Polen-Rallye optimal vorbereitet, schließlich konnten sie in ihrem Wurmbrand Racing Citroen DS3 R3 bereits die 2wd-Wertung der Bürfürdö-Rallye in ihrer Heimat Ungarn gewinnen, welche im Vorfeld als Testrallye absolviert wurde.

Die gesamte Weltmeisterschaft kehrte erstmals nach 2009 nach Polen zurück, die Sonderprüfungen waren für die Mehrzahl der Piloten völlig neu. Die Mehrzahl der Sonderprüfungen waren Highspeed-Schotterstrecken. Teamchef Manuel Wurmbrand erzählt: „Die Sonderprüfungen an sich waren nicht so hart, sondern eher sandig und eben sehr schnell. Die Streckenführung kann man durchaus mit Finnland vergleichen –vom Härtegrad her war jedoch die Sibiu-Rallye deutlich schwieriger. Was mir aber schon auffiel, waren die wunderschönen Straßen in diesem Land.“ Wurmbrand lacht: “Das war ironisch gemeint – die Verbindungsstrecken waren wirklich in einem schlechten Zustand. Wenn du dort die Hauptstraße verlässt, musst du hart im Nehmen sein.“

Auf Kubicas Spuren

Hart im Nehmen musste am Beginn der Rallye auch das insgesamt fünfköpfige Wurmbrand Racing Team sein, denn es gab viel zu tun. Wurmbrand erzählt: “Kornel hat an jener Stelle, an der sich auch Robert Kubica überschlug, einen kleinen Ausflug unternommen und kam ohne Kühlwasser ins Ziel. Die Öltemperatur stieg bis auf 170 Grad.“ Doch wie durch ein Wunder konnte mit dem Aggregat weitergefahren werden: „Der Motor hat nur ein bisschen mehr Wasser gebraucht. Da haben selbst die Citroen-Techniker, die uns besucht haben, geschaut. Von ihnen erhielten wir auch großes Lob für unseren professionellen Auftritt.“ Der Hintergrund: „Es musste auch der Wagen repariert werden, wir haben in der Nacht gearbeitet und kamen ein bisschen später als geplant ins Bett.“

Wurmbrand-Fan Chris Patterson

Neben den erwähnten Citroen-Ingenieuren gab es noch einen weiteren ständigen Besucher in der Hospitality von Wurmbrand Racing – denn niemand geringerer als Chris Patterson, 2006 mit Nasser Al-Attiyah PWRC-Weltmeister, dann Copilot von Petter Solberg und Chris Atkinson, nunmehr an der Seite von Khalid Al-Quassimi, wurde quasi zum Wurmbrand Racing-Fan. Manuel Wurmbrand erzählt: „Er ist in jedem Service zu uns gekommen und hat uns sehr gelobt. Er sagte, ihm würde so ein junges Team sehr gut gefallen, denn das sei die Zukunft. Er meinte auch, er würde uns immer mit Rat und Tat zur Seite stehen – das ist natürlich eine große Ehre für ein kleines Team wie wir es sind.“

Zunächst jedoch musste das Team erneut zum Werkzeug greifen: “Ein Stein hat die Servo-Leitung durchgeschlagen, Kornel schleppte den Wagen mit Ölverlust ins Ziel, es ging sich gerade noch aus, etwas später wäre die Servolenkung komplett ausgefallen.“

Am Abend krachte Lukacs mit der linken Fahrzeugseite gegen Rundstrohballen – es gab wieder ein wenig Nachtarbeit zu verrichten. Doch der Teamchef nahm es locker – schließlich wurde das Team für die Arbeit fürstlich belohnt…

„Kornel wird mit jeder Prüfung schneller“

Manuel Wurmbrand berichtet: „Kornel wurde mit jeder Sonderprüfung schneller.“ Highlight war der finale Sonntagvormittag, an diesem belegten Kornel Lukacs und Mark Mesterhazi die Plätze vier, vier, drei und schließlich sogar Platz zwei. Wurmbrand erklärt: „Auf der letzten Sonderprüfung fehlten nur noch sieben Zehntelsekunden auf die Bestmarke. Das ist natürlich extrem erfreulich – je länger Kornel im Auto sitzt, desto mehr holt er heraus.“

So konnten Lukacs/Mesterhazi die Polen-Rallye auf Platz sechs der Junior WRC beenden und damit wichtige WM-Punkte einheimsen. Wurmbrand sagt: „Das sind gute Punkte – und wir sind somit bestens auf die nächste Rallye in Finnland vorbereitet.“

Boxenstopps? „Warum nicht?“

Im Servicepark der Polen-Rallye wurde auch viel über eine mögliche Einführung von Boxenstopps in der Rallye-Weltmeisterschaft diskutiert. Während viele prominente Vertreter wie zum Beispiel Walter Röhrl diese Idee gar nicht gutheißen, kann sich Manuel Wurmbrand eine solche Maßnahme durchaus vorstellen.

Wurmbrand erklärt: „Warum nicht? Für die Mechaniker wäre es eine ganz spezielle Action - so kann ein Team auch zeigen, wie gut es ist. Und natürlich wäre es für die Zuschauer ein Spektakel. Zumal ich davon ausgehe, dass so etwas nur auf langen Prüfungen, etwa bei der Rallye Monte Carlo durchgeführt werden würde. Wir sind auf jeden Fall offen für Neues – und wir freuen uns jetzt schon sehr auf die Finnland-Rallye.“

Die nächste Runde der Junior WRC steigt im Rahmen der Finnland-Rallye von 31. Juli bis 3. August.

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