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Rallye-WM: Polen

Jari Matti schockt die Rallyewelt

Jari Matti Latvala wirft auf Superspecial den zweiten Platz und den Ford-Doppelsieg weg! Es siegt Hirvonen vor Sordo und Henning Solberg.

Michael Noir Trawniczek

Großes Drama beim Showdown der Polen-Rallye! Ganz am Ende der abschließenden und 2,5 Kilometer kurzen Superspecial-Prüfung hätten die beiden führenden Ford-Piloten eigentlich ihren Doppelsieg auskosten, ihn kräftig feiern sollen, doch es kam anders…

Jari Matti Latvala, für einen Angriff auf den Sieg aussichtslose 17,8 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen auf dem guten zweiten Platz liegend, passt für einen Moment nicht auf, trifft in einer Rechtskurve ein Blechfass und kracht mit vollem Karacho gegen die Metallbarriere. Die Radaufhängung des Ford Focus bricht, der Wagen bleibt stecken. Verzweifelt versucht Latvala, sich aus der Position zu befreien, er ruckelt auch weiter, doch der Wagen ist zerstört, kurzzeitig setzt sogar ein Feuer ein.

Mit Tränen überströmt läuft Latvala zunächst in Richtung eines Rettungswagens, um dann gemeinsam mit seinem Co-Piloten Miikka Anttila den Wagen weiter zu schieben, Marshalls kommen zur Hilfe, was vom Reglement her erlaubt ist. Weil Sébastien Loeb als Siebter mehr als 19 Minuten Rückstand aufweist, wollen Latvala und Anttila wenigstens noch die zwei Punkte retten, doch dann müssen sie aufgeben…

Hirvonen: „Ich kann es nicht glauben…“

Eine bestürzte Ford-Chefetage konnte es nicht fassen, was da 75 Meter vor ihren Augen ablief. Es wäre ein Doppelsieg gewesen, es wären die maximalen 18 Punkte für die Herstellerwertung gewesen. Sieger Mikko Hirvonen war dermaßen perplex, dass er kein wirkliches Siegerinterview geben konnte. Hirvonen sagte nur: „Das ist unglaublich, ich kann nicht glauben was ich da sehe. Für uns ist es fantastisch, doch das hier ist wirklich unglaublich.“

Nach dem Ausfall von Sébastien Loeb auf der vierten Sonderprüfung war der Weg frei für das Ford-Duo. Auch wenn am Samstag Dani Sordo im zweiten Werks-Citroen mächtig Druck auf Hirvonen und Latvala ausübte – am Sonntagmorgen erledigte sich auch diese Angelegenheit, als Sordo eine Abzweigung versäumte, geradeaus schoss und dabei zu viel Zeit verlor, um die Ford-Jungs noch unter Druck setzen zu können.

Sordo erklärte: „Ich bin sehr froh mit dem Podestplatz – obwohl ich gestern zunächst aufholen konnte, doch dann konnten die anderen schneller fahren. Ich werde versuchen, in Finnland noch schneller zu fahren.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste Sordo noch nicht, dass er die Polen-Rallye als Zweiter und nicht als Dritter beenden wird.

Der große Jubelnde ist damit auch Henning Solberg, der auf Platz drei vorrückte und damit einmal mehr einen Podestplatz feiern darf. Sein Bruder Petter beendet die Rallye damit als Vierter, der Norweger gab zu Protokoll: „Man muss realistisch sein, das war das für mich bestmögliche Resultat. Aber generell bin ich sehr zufrieden.“

Holowczyc erstaunlicher Sechster

Mit Matthew Wilson und dem Polen Krzysztof Holowczyc beendeten sämtliche Stobart Ford-Piloten die Rallye in den Punkterängen, Stobart errang in Polen den 250. WM-Punkt in der Geschichte des Ford-Kundenteams. „Das hätte niemand gedacht, als wir vor ein paar Jahren begonnen haben“, freute sich Matthew Wilson, der Sohn des Ford-Teamchefs.

Besonders beeindruckend ist der sechste Platz des 47-jährigen Polen Krzysztof Holowczyc, der damit auch WM-Geschichte schreibt: Holowczyc ist der erste polnische Pilot, der Punkte für die Fahrer-WM gewinnen konnte. Entsprechend erfreut zeigte sich der EU-Politiker „Es ist fünf Jahre her, dass ich zuletzt in einem World Rally Car gesessen bin, der Ford Focus war wirklich toll und die vielen Zuschauer am Streckenrand waren ein Wahnsinn – ich bin begeistert.“

Citroen opferte Rautenbach und Novikov

Durch den Ausfall von Latvala rückte Sébastien Loeb mit einem Rückstand von mehr als 19 Minuten auf Rang sieben vor. Allerdings konnte das nur aufgrund einer Teamtaktik möglich werden: Citroen wies die Junior-Piloten Conrad Rautenbach und Evgeny Novikov am Vormittag an, auf der Prüfung so lange stehen zu bleiben, bis Loeb im Klassement vor ihnen liegt.

Loeb erklärte noch vor dem Latvala-Crash: „Der eine WM-Punkt könnte am Ende noch wichtig werden und ich bin froh, diesen Punkt mitzunehmen.“ Aus dem einen wurden also zwei Punkte. Dennoch konnte Mikko Hirvonen die WM-Führung übernehmen, der Finne liegt jetzt einen Punkt vor Loeb.

Ein Drama gab es an diesem Sonntagvormittag auch bei den Junioren der JWRC. Lokalmatador Michal Kosciszko flog als Leader von der Strecke, womit Kevin Abring den Sieg erbte, auf Platz zwei Martin Prokop.

Als nächste Rallye steht in der Weltmeisterschaft Finnland auf dem Programm – ob der unglückliche Jari Matti Latvala dort im Werks-Ford sitzen wird, steht derzeit in den Sternen…

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