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"Geschwindigkeiten und Teamgeist beeindrucken mich"

Colin McRae blieb mit einem Getriebeschaden liegen und musste in der Wüste übernachten, im Interview erzählt er interessante Details.

marathonrallye.com

Die Nissan-Odysee in den vergangenen Tagen - beide Autos steckten mit Getriebe- und Kupplungsschaden in der Wüste vor Nema fest und mussten vor Ort übernachten - wurde schon viel geredet - nun sind Colin McRae und Ari Vatanen gerade noch rechtzeitig im Camp Bobo Dioulasso angekommen.

Demnach stellte sich sein Ausflug in die Dünen als wahres Abenteuer heraus: "Tina Thorner und ich sind nur wenige Kilometer neben Ari Vatanen mit einem Getriebeschaden stehen geblieben" berichtet der Ex-Rallyweltmeister. Vatanen hatte derweil mit einem Kupplungsschaden zu kämpfen. "Das Problem: Nur einer unserer Servicetrucks war noch im Rennen und der konnte nicht beide Fahrzeuge gleichzeitig abschleppen", erzählt McRae.

Der verbleibende Servicetruck (in der Rennwertung) wagte das Unmögliche und nahm kurzerhand McRae und Vatanen gleichzeitig an den Haken. "Das ging einige Kilometer gut, dann wurde das Gelände zu schwer. Abwechselnd hat uns der Truck nun 10 Kilometer gezogen, dann gewechselt und Ari 10 Kilometer gezogen" berichtet Colin McRae. Das ging leider auch nicht lange gut, da auch der Servicetruck einen Zeitrahmen einhalten musste und so die Aktion abbrach, um rechtzeitig ins Ziel Bema zu kommen.

"Der Truck liess uns mit Nahrungsmitteln, Wasser und ein wenig Geld zurück und versprach, umgehend Hilfe zu schicken" erzählt McRae weiter. "Mitten in der Nacht dann eine Schrecksekunde: Bewaffnete Touareg sammelten sich um uns und boten uns ihre Hilfe an".

Natürlich ging es um Geld, man wurde sich jedoch schnell einig - und so bewachten mehrere mit Maschinengewehren bewaffnete Wüsten-Touareg die Fahrzeuge, weitere Wüstenbewohner bauten ein Zelt auf und bewirteten die gestrandeten Abenteurer Vatanen, Beifahrer Juha Repo, Colin McRae und Beifahrerin Tina Thorner.

Am Morgen traf dann ein Servicetruck (ausserhalb der Rennwertung) des Nissan-Teams ein und reparierte gemeinsam mit den Piloten das Fahrzeug. Zur Entspannung ging es dann vorerst in ein Hotel, bevor sich beide heute morgen auf den Weg Richtung Bobo Dioulasso machten.

McRae selbst ist von der Dakar und dem Marathon-Rallysport total begeistert: "Hier kann man endlich mal richtig überholen. Wenn man ein Fahrzeug vor einem sieht, packt einen der Ehrgeiz und man wird richtig aggressiv", berichtet er enthusiastisch.

"Vor allem beeindrucken mich die hohen Geschwindigkeiten und der Teamgeist untereinander", erzählt er weiter, "wenn man hier ein Problem hat, halten sogar Privatteams an, um einem zu helfen. Das wäre ja ungefähr so, als wenn in der Formel 1 ein Minardi anhalten würde, wenn ein Ferrari ein Problem hat". Auch die Fitness hat er unterschätzt: "Wenn man mich heute fragt, wann unsere Wüstenübernachtung stattfand, würde ich glatt sagen, vor einem Monat".

Nach dem drohenden Ausfall ist der Ex-Rallyweltmeister nun voller Tatendrang: "Ich will noch mindestens eine Etappe gewinnen", hofft er. Zum Thema Volkswagen-Disqualifikation vermochte er nichts zu berichten, wohl aber über die schnellste Deutsche Andrea Mayer: "Es ist schon faszinierend - diese hübsche blonde Dame lächelt Dich lieb an - und fährt dann im Rennen "scheisse schnell" an Dir vorbei".

McRae und Ari Vatanen können die Rally ab morgen früh wieder fortsetzen, sind aber aufgrund ihres Rückstandes vom Treppchen schon so gut wie ausgeschlossen. An den Fahrzeugen liegt es nur bedingt: "Die Fahrzeuge sind die Schnellsten im Feld, halten aber leider den Dauerbelastungen noch nicht stand", berichtet ein Nissan-Sprecher.

"Alle Fahrer geben 100%, obwohl 80% ausreichen würden. Ausgerechnet der einzige Fahrer, der das Limit nicht angeht, hat bisher problemlos überstanden (Giniel de Villiers, d.Red.)". Selbst unter den Konkurrenten sieht man dies ähnlich: "Die Evo-Nissan sind verdammt schnell", berichtet ein Teammitglied der Mitsubishi-Truppe, "technisch sind sie unseren Evo-Pajeros fast schon überlegen".

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