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Rallye-WM: Finnland

Kimi Räikkönen fasziniert als Allrounder ohne Berührungsängste

Der „Iceman“ kann über fehlende Herausforderungen nicht klagen: Derzeit verblüfft er bei seinem Schotter-Debüt, später kommt Schumacher…

Michael Noir Trawniczek

In den Wäldern rund um die Studentenstadt Jyväskylä erfreut sich Kimi Räikkönen an diesem Wochenende an den superschnellen Schotterprüfungen der Finnland-Rallye – dem Highlight der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft. Räikkönen hat vor Saisonbeginn offiziell bei seinem Arbeitgeber, Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo angefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er 2009 einige Rallyes bestreiten würde, selbstverständlich auf einem Fiat, speziell einem Abarth Grande Punto Super 2000, den sich der Ferrari-Pilot gekauft hat.

Der „Iceman“ erhielt grünes Licht und hat seither bereits an drei lokalen Rallyes in Finnland und Italien teilgenommen – zweimal auf Schnee und einmal auf Asphalt, immer jedoch mit Kaj Lindström auf dem Beifahrersitz, der bereits für den vierfachen Rallye-Weltmeister Tommi Mäkinen aus dem „Gebetsbuch“ gelesen hat. Von dessen Team wird auch der Räikkönen-Bolide betreut und eingesetzt.

Mutiges Ziel

Im Rahmen der WM-Rallye gibt Räikkönen sein Debüt auf Schotter. Gemeinsam mit Lindström hat er im Vorfeld zwei Tests auf losem Untergrund absolviert. Die Umstellung fand er „ganz normal“, wie der Formel 1-Weltmeister des Jahres 2007 auf der Pressekonferenz in Jyväskylä erklärt: „Die Pisten sind ein bisschen schneller als auf Schnee. Der Grip ist gut und die Straßen sind ein bisschen breiter - schauen wir also, was für uns drin ist. Wir versuchen einfach, die Rallye zu beenden. Ich weiß nicht, ob ich sie gewinnen kann oder nicht, aber wir werden auf alle Fälle Spaß haben." Er wolle „genauso schnell sein wie die Jungs in meiner Gruppe“, nennt Räikkönen ein ehrgeiziges und mutiges Ziel.

Um den Gesamtsieg kämpfen natürlich die stärkeren World Rally Cars, die von den Rallyestars wie Sébastien Loeb, Mikko Hirvonen oder Petter Solberg pilotiert werden. 16 WRC sind in Finnland am Start, es sind quasi die Formel 1-Boliden des Rallyesports. Räikkönen tritt in der seriennahen Gruppe N an – sein Grande Punto S2000 zählt in seiner Gruppe zu den stärkeren Boliden, Anton Alen, Sohn des Weltmeisters 1978, Markku Alen, sitzt ebenfalls in einem Grande Punto. Der Skoda Fabia S2000 des aufgehenden finnischen Rallyestars Juho Hänninen ist wohl noch schneller – der Wagen wird übrigens vom österreichischen Baumschlager Rallye Racing-Team eingesetzt. Auf der ersten, rund zwei Kilometer kurzen Zuschauer-Prüfung auf einer Pferderennbahn in Killeri fehlten Räikkönen auf Hänninen lediglich zwei Sekunden. Später verblüffte Räikkönen, als er auf SP 5 nur 1,2 Sekunden langsamer als sein Markenkollege Anton Alen fahren konnte. Zudem konnte er Janne Tuohino schlagen, der entgegen der Nennliste einen Peugeot 207 S2000 pilotiert und vier Sekunden langsamer als Räikkönen war – welch famose Vorstellung bei seinem Schotterdebüt!

“Aufschrieb immens wichtig“

Die wirkliche Rallye hat für Räikkönen und seine Konkurrenten am Freitagmorgen begonnen, am ersten Tag werden zweimal vier Sonderprüfungen absolviert. Die bis zu 29,2 km langen Schotterstrecken dürfen in der WM nur zweimal besichtigt werden, im normalen Verkehrstempo wird der Aufschrieb erstellt. Räikkönen weiß: „Um hier schnell zu sein, ist der Aufschrieb immens wichtig - und das ist etwas völlig anderes, als ich es gewöhnt bin. Sämtliche Topjungs hier fahren einen ähnlichen Speed und da macht der Aufschrieb einen großen Unterschied aus. Es dauert einfach seine Zeit, bis man das gelernt hat. Manchmal liegt man falsch und es ist nicht einfach, genau zu wissen, wie man die Sprünge angehen soll. Hoffentlich haben wir den richtigen Aufschrieb. Dann haben wir Spaß. Aber ich bin dafür zuständig, den Aufschrieb richtig hinzubekommen."

“Wechsel definitiv möglich“

Kimi Räikkönen verleugnet nicht, welch großen Spaß ihm der Rallyesport beschert und schließt auch einen Wechsel nicht aus. Er könne sich „definitiv“ einen Wechsel in den Rallyesport vorstellen, erklärt der im Oktober 30 Jahre alt werdende Finne. Und er fügt hinzu: „Noch bin ich in der Formel 1 und mein Vertrag läuft noch ein Jahr. Aber ansonsten ist alles hoffen und es ist toll, hier dazuzugehören. Ich bin ein bisschen zu jung, um gar nichts mehr zu machen, warten wir es also ab. Es hängt alles davon ab, wo sich die Formel 1 hinentwickelt. Niemand weiß genau, wie es dort sein wird. Ich habe keine Eile."

Auch im kommenden Jahr wolle er die eine oder andere Rallye bestreiten, verrät Räikkönen, der in seiner Heimat offenbar um einen Tick gesprächiger als im Formel 1-Fahrerkager zu sein scheint: „Ich lerne gern Neues. Wenn ich also nicht testen muss und Zeit habe, werde ich mehr Rallyes bestreiten. Es macht mir Spaß und es tut niemandem weh."

“Schumacher als Teamkollege ist sicher nett“

Genauso ruhig respektive „cool“, wie er der Herausforderung WM-Rallye entgegenblickt, scheint Kimi Räikkönen auch der neuen Situation im Ferrari-Team gegenüber zu stehen. Dort sorgte der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher für die große Sensation, als er sich bereit erklärte, den beim Ungarn-Grand Prix verletzten Felipe Massa zu ersetzen. Beim nächsten Grand Prix in Valencia soll Schumacher im Ferrari sitzen – die Motorsportwelt blickt gespannt auf das bevorstehende Teamduell der Scuderia.

Auf der Pressekonferenz in Finnland kommentiert Räikkönen das „Comeback des Jahrhunderts“, wie es einige Medien bereits nennen, wie gewohnt stoisch: „Für mich macht es keinen Unterschied, wer das zweite Auto fährt.“ Immerhin werde es „nett“ sein, Michael Schumacher als Teamkollegen zu haben, fügte Räikkönen an.

Doch zunächst steht die Finnland-Rallye auf dem Programm, Kimi Räikkönen ist bestens aufgelegt und für Räikkönen’sche Verhältnisse beinahe überschwänglich erklärt er: „Es ist definitiv eine tolle Rallye und für mich eine gute Erfahrung. Es sieht auch so aus, als ob das Wetter hält. Also ist alles bereit für eine tolle Veranstaltung.“

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