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ÖRM: Niederösterreich-Rallye

Frischzellenkur in der 2WD-Wertung

Auch in der 2WD-Wertung herrscht diesmal Höchstspannung – knallharte Siegansagen von Staatsmeister Luca Waldherr und Roland Stengg.

Fotos: Daniel Fessl; Harald Illmer

An diesem Wochenende wird bei der zweiten Ausgabe der Niederösterreich-Rallye die Fortsetzung des großen Duells zwischen dem jungen ÖM-Führenden Julian Wagner im Škoda Fabia R5 von BRR und dem Staatsmeister des Jahres 2016, Hermann Neubauer, im Ford Fiesta R5 von ZM Racing erwartet. Zuletzt lieferten sich die beiden bei der Weiz-Rallye einen über die gesamte Rallye andauernden Sekundenkrimi. Beide freuen sich bereits auf das neuerliche Aufeinandertreffen. Die Fans erwartet aber nicht nur in der großen Spielklasse der Rallye-ÖM ein elektrisierendes Wochenende.

Im Feld der Vorausauto sind zwei brandneue Prototypen zu Testzwecken am Start. Auch die 2WD-Wertung ist diesmal erstklassig besetzt, im Titelkampf ist noch vieles möglich. Roland Stengg möchte vom achten Tabellenrang aus sogar noch 2WD-Meister werden, doch der Tabellenführende Enrico Windisch setzt auf die bewährte "Eichhörnchentaktik". In der ARC steht mit Roman Mühlberger der Champion zwar bereits fest, doch dahinter ist noch vieles möglich, ebenso im Alpe Adria Rally Cup. Dazu kommen ein österreischisch-ungarisches Duell in der AART sowie großartige 21 Teams in den historischen Kategorien.

Im Vorjahr krönte sich Lokalmatador Luca Waldherr, Sohn des 2011 bei einem tragischen Arbeitsunfall verstorbenen Andreas Waldherr, zum neuen 2WD-Staatsmeister. Weil Waldherr heuer wie sein Vater ein eigenes Team gegründet hat und als Teamchef diverse Einsätze seines Fahrzeugs zu betreuen hatte – darunter zwei Einsätze des nunmehrigen 2WD-ÖM-Führenden Enrico Windisch –, kam eine Titelverteidigung heuer nicht infrage.

Bei der NÖ-Rallye wird Waldherr jedoch wieder höchstpersönlich in den brandneuen, im Frühjahr angeschafften und von M-Sport verbesserten Ford Fiesta R2T Mk8 steigen. Der amtierende 2WD-Staatsmeister ist naturgemäß höchst motiviert: "Es gibt nur einen Grund, warum ich diese Rallye fahre: Ich will unbedingt den Sieg haben. Es geht mir auch darum, dass ich selbst wieder Erfahrungswerte mit dem Fiesta erhalte, denn das hilft mir als Teamchef. Unser Fiesta ist die nächste Zeit voll ausgebucht."

Stengg: Sieg als klares Ziel

Da gibt es jedoch auch noch Roland Stengg, der den 2WD-Sieg ebenfalls unbedingt will: "Das ist mein klares Ziel. Ich weiß aber auch, dass Luca ein ernsthafter Gegner ist. Er kennt die Rallye aus dem Vorjahr und wird ganz sicher auch auf Sieg fahren. Einfach wird es also nicht." Waldherr nickt: "Ich habe hier im Vorjahr im Titelfight seinen Vater Willi Stengg geschlagen – und ich werde heuer auch Roland bezwingen."

Was nach "psychologischer Kriegsführung" aussieht, muss man sich mit einem Augenzwinkern vorstellen, denn wie in der großen Spielklasse respektieren die beiden Sieganwärter nicht nur einander, wie Waldherr feststellt: "Wir sind gute Freunde, doch auf der Strecke wird es ein knallharter 'Fight' um jede Zehntelsekunde." Stengg bestätigt das: "Auf der Strecke gibt es kein Pardon, doch wenn uns Ersatzteile ausgehen, helfen wir uns gegenseitig."

Titelgewinn vom achten Rang aus?

Stengg hat übrigens noch viel Größeres vor, denn obwohl er in der 2WD-Tabelle zurzeit nur auf Platz acht zu finden ist, sieht er noch eine Chance auf den Titel: "Ich müsste bei der NÖ-Rallye gewinnen, inklusive maximaler Powerstage-Punkte, und Enrico [Windisch; Anm.] dürfte über Platz vier nicht hinauskommen. Mit einem weiteren Sieg im Finale – und wenn dort Enrico nicht über Platz sechs hinauskommen würde – könnte es sich tatsächlich noch ausgehen. Natürlich ist das ziemlich hypothetisch, aber möglich wäre es, zumal Stengg Motorsport im Finale noch ein paar schnelle Fahrer zum Einsatz bringen wird."

Der in der 2WD-ÖM führende Windisch, übrigens sowohl mit Roland Stengg als auch Luca Waldherr gut befreundet, ist ein 48jähriger Quereinsteiger, der erst im September 2016 seine erste Rallye bestritten hat und gleich im Jahr darauf den österreichischen Rallyecup gewinnen konnte. Windisch gibt sich keinen Illusionen hin: "Natürlich versuche ich, so schnell wie möglich zu fahren, doch auf den 2WD-Sieg habe ich es gar nicht abgesehen. Vielmehr möchte ich wie bisher in dieser Saison über das 'Eichhörnchenprinzip' abermals Punkte holen."

Das ist dem Elektrotechniker heuer tatsächlich bei jeder ÖM-Rallye gelungen, doch auch in der 2WD-Wertung gibt es ein Streichresultat, sodass Windisch von seinen 66 Punkten ganze neun abziehen muss; netto kommt er also auf 57 Zähler, sein Verfolger Alois Handler auf 55. Windisch, der in seiner noch jungen Karriere unterschiedlichste Rallyeautos ausprobiert hat, wird am Wochenende erneut eine Fahrzeugpremiere erleben.

Er pilotiert erstmals einen Suzuki Swift S1600 – und zwar ohne jeden Test: "Der wird sich nicht ausgehen, aber ich fuhr die Barum-Rallye mit einem S2000, was vom Fahren her sehr ähnlich ist. Auch die Niederösterreich-Rallye ist für mich komplettes Neuland." So sieht sich Windisch nicht unbedingt auf dem 2WD-Podium: "In der ORM2WD stand für mich heuer immer die Zielankunft an oberster Stelle. Aufgrund meines Alters fällt es mir vielleicht etwas leichter, das Risiko besser einzuteilen."

Im direkten Vergleich mit Verfolger Alois Handler im Peugeot 207 RC R3T des Tasch-Teams sieht sich Windisch leicht im Vorteil, vor allem von der Technik her. Zugleich räumt er ein: "Es kann immer etwas passieren. Es genügt, wenn man einmal einen Fehler macht, neben der Strecke ist, einen Plattfuß hat oder ähnliches." Zu den Plänen von Roland Stengg sagt Windisch: "Wie alle anderen muss auch er beide Male ins Ziel kommen, noch dazu als Sieger."

Alois Handler wiederum verspricht: "Ich werde vom ersten Kilometer an Vollgas geben." Zugleich zeigt sich der 47jährige realistisch: "Ich fahre ein altes Auto und habe normalerweise keine Chance. Allerdings habe ich gegenüber Enrico einen Vorteil: Ich kenne mein Auto wie meine eigene Westentasche." Handler, der nach einem schweren privaten Autounfall fast zwei Jahre pausieren musste und erst heuer ein Comeback wagte, räumt ein: "Ich bin schon verwundert, dass wir überhaupt auf Platz zwei der ORM2WD liegen. Bei der Niederösterreich-Rallye sehe ich uns eher auf Platz fünf oder sechs."

Handler: Waldherr vorne, dann Windisch

Interessant ist seine Einschätzung in Bezug auf den Titelkampf bzw. die Titelchancen von Roland Stengg: "Ich glaube, dass Luca vornewegfahren und gewinnen wird, doch dann sehe ich bereits Enrico Windisch. Ich glaube, dass er schneller als Roland sein wird. Enrico war schon im Citroën C2 R2 schneller als so mancher internationaler 2WD-Pilot. Außerdem glaube ich auch, dass Daniel Mayer stark fahren wird."

Der Sohn von Walter Mayer, der gleich bei seinem Rallyedebüt im damaligen R5 des Vaters eine mehr als beachtliche Leistung bot und in Weiz auch im Opel Adam R2 einen hohen Grundspeed an den Tag legte, steigt in den Citroën DS3 R3 von Wurmbrand Racing. Mayer macht sich bei seiner erst dritten Rallye keinerlei Druck: "Ich war zwar gut unterwegs in Weiz, habe dort aber keine Zielflagge gesehen. Der DS3 R3 ist wieder anders, und ich habe keine wirklichen Erwartungen, außer dass ich die Zweiradler besser kennenlernen und ganz allgemein dazulernen möchte." Nachsatz: "Sicherlich wäre ein Podium in der ORM2WD schön."

Nicht nur an der Spitze erfährt die 2WD-Meisterschaft bei der NÖ-Rallye eine Art Aktualisierung, die zweite "Spielklasse" der Rallye-ÖM erlebt auf den Prüfungen im Most- und Waldviertel eine generelle "Frischzellenkur": Mit Vince Trencsényi, Sohn des im R5-Feld startenden József Trencsényi, kommt ein starker Fahrer hinzu. In seinem Ford Fiesta R2T19 konnte er in der ungarischen 2WD-Meisterschaft zuletzt drei Rallyes in Folge gewinnen, darunter auch die international anerkannte Veszprém-Rallye. In seinem Ford Fiesta ST1.6 M1 bestreitet der junge Österreicher Luca Pröglhöf seine dritte Rallye, unterstützt vom erfahrenen Co-Piloten Peter Medinger.

Rallyecup eine echte Zitta-Partie

Weil in der Junioren-ÖM weder der führende Ungar Martin László noch dessen Verfolger Michael Röck, der den Bachelor macht ("So hole ich ebenfalls einen Titel nachhause.") am Start sind, könnte Volvo-Pilot Martin Ritt die Führung übernehmen. Im Rallyecup ORC ist Subaru-Haudegen Robert Zitta eigentlich nicht mehr zu schlagen, doch Rallye-ABST-Pilot Christian Luif könnte Michael Lengauer noch vom zweiten Platz verdrängen. Im ORC2000 tobt an der Tabellenspitze noch ein knapper Kampf: Martin Pucher führt mit nur zwei Zählern Vorsprung auf Alfred Leitner im zweiten Peugeot des Tasch-Teams.

Mühlberger bereits ARC-Champion

In der Austrian Rallye Challenge ist Roman Mühlberger bereits Champion und auch klarer Führender in der ARC-Kategorie C1, den Start bei der Niederösterreich-Rallye lässt er sich dennoch nicht nehmen. Chancen, neben Mühlberger das Jahrespodium zu erklimmen, haben noch zahlreiche Piloten: Allen voran der C3-Führende Hans Georg Lindner im historischen Ford Escort und der C2-Führende Sebastian Fraissl im BMW E35. Dazu kommen einige mehr, etwa Lukas Schindelegger im historischen Ford Escort oder Martin Attwenger im exotischen Honda Civic.

In der Austrian Rallye Trophy ist Dániel Fischer so gut wie Meister, was auch auf Roland Gündeseder in der neuen "ARC Open" zutrifft. In der Junior-ARC ist noch alles offen, die Tabelle führt Florian Kapplmüller im historischen Ford Escort an. Apropos Junioren: Race Rent bringt wieder Julian Martin an den Start, der bei der Niederösterreich-Rallye im Vorjahr bei seiner allerersten Rallye mit dem dritten Klassenrang eine tolle Leistung bot.

Kogler, Jung kämpfen um den AARC-Vize

Im Alpe Adria Rally Cup ist der Südtiroler Bernd Zanon im Grunde bereits Champion. Spannend ist jedoch der Kampf um den Vizetitel. Der Italiener Fabio Soravito kann wegen eines Motorschadens in einer vorangehenden Rallye nicht bei der Niederösterreich-Rallye starten. So könnten zwei heimische Teams diesen zweiten Platz übernehmen: Zum einen Gottfried Kogler mit Co-Pilotin Sophie Carnu im historischen Ford Escort, der heuer nach 14 Jahren Pause als Pilot zurückgekehrt ist und dabei für Staunen sorgte.

Auch Kogler selbst war überrascht: "Ich habe offenbar nichts von meinem Grundspeed verloren." So zeigt er sich vor seiner Heimrallye in höchstem Maße motiviert: "Ich werde ordentlich Feuer geben. Umgekehrt jedoch denke ich: Du bist ein ziemlicher Idiot, wenn du einen Ausfall riskierst, denn als Fahrer eines dermaßen alten Autos die Chance auf den zweiten Platz im Alpe Adria Rally Cup zu haben, ist natürlich großartig."

Zum anderen gibt es da noch Thomas Jung und René Spielbichler, die in ihrem Honda Civic Type R mit nur drei gefahrenen Rallyes auf dem sensationellen vierten Gesamtrang liegen. Jung kann also seinen 111 Zählern ein Punktemaximum hinzufügen, während Kogler von seinen derzeit 120 Zählern insgesamt zwölf abziehen muss, womit Jung mit 111 zu 108 Punkten virtuell ganz knapp voran liegt.

Spannendes AART-Duell Rigler vs. Fischer

Auf ein ungarisch-österreichisches Duell können sich die Fans in der Alpe Adria Rally Trophy freuen: Gerald Rigler, dieses Mal mit Jürgen Heigl im Ford Fiesta R5 von ZM Racing am Start, führt zwar mit 164 Punkten vor Dániel Fischer (Škoda Fabia R5) mit nur 144, doch Rigler muss sieben abziehen, womit sein Vorsprung exakt 13 Zähler beträgt. Praktisch auf Rang drei "einzementiert" ist Roman Mühlberger, der wie erwähnt schon jetzt ARC-Meister ist.

In der Light-Wertung des AARC führt mit Kurt Jabornig eine Kärntner Legende – da der Vorjahreschampion der "AARC light" die NÖ-Rallye jedoch aus privaten Gründen auslassen muss, könnte Mike König die Führung übernehmen. Alpe-Adria-Rally-Cup-Organisator Wolfgang Troicher arbeitet vor dem vorletzten Lauf seines Cups längst schon am AARC 2020: "Wir planen Neuerungen, die den Teams sehr gut gefallen werden. So kommt die Mühlsteinrallye mit in den Kalender, und es sind auch zwei mögliche weitere Rallyes in Italien im Gespräch."

Historische mit 21 Teams am Start

Unheimlich stark vertreten sind bei der Niederösterreich-Rallye die historischen Rallyeboliden: Sage und schreibe 21 Teams haben sich angekündigt. In der historischen Rallyemeisterschaft HRM startet Richard Ronay als Tabellenführender, im historischen Rallyecup HRC heißt der Führende Mathias Haas (BMW 318is).

Hochspannung auch in der historischen Rallyechallenge ARCH, in der Lukas Schindelegger nur knapp vor Hans Georg Lindner führt. Beide zünden bei der NÖ-Rallye ihre Ford Escort RS2000 – ein wunderbares Auto, das in Österreich zurzeit eine wahre Renaissance erlebt. Bei der Niederösterreich-Rallye starten die legendären historischen Boliden bunt gemischt inmitten des Feldes – insgesamt sind es 85 moderne und historische Rallyeautos.

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