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Deutsche Dominanz

25 Weltpremieren drehen sich auf den Bühnen der Automesse in Detroit. Besonders stark vertreten sind diesmal die deutschen Hersteller.

Michael Specht/mid

Die Autobranche in Amerika boomt. Lehman-Pleite, Immobilien-Blase, Absatzkrise - alles längst vergessen. 15,6 Millionen Neuwagen wurden vergangenes Jahr auf die Highways geschickt. Und ist den Ankündigungen der Vorstandsbosse zu glauben, bleibt auch 2014 der Fuß auf dem Gas. An Modellneuheiten wie sie gerade auf der NAIAS, der North American International Auto Show in Detroit, zu sehen sind, mangelt es nicht. Mehr als 25 Weltpremieren drehen sich auf den Bühnen.

Auch die deutschen Autobauer profitieren kräftig von der Kauflaune der Amis, die die Fahrzeuge "Made in Germany" schätzen. Mercedes fuhr 2013 wieder an die Spitze der Premium-Hersteller und ist damit stärkste Luxusmarke in den USA, wenn auch nur knapp vor BMW.

Ihr Weltdebüt in Detroit feiert die neue Generation der C-Klasse, die in Deutschland im März in den Handel geht. "Die C-Klasse bietet eine Reihe von Bestwerten in ihrem Segment", verspricht Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dazu gehören einzigartige Assistenzsysteme und eine Luftfederung. "Wir werden dieses Modell auch als Plug-in-Hybrid auf den Markt bringen", so Zetsche. In der Luxusklasse fährt Mercedes den S 600 auf, dessen V12-Biturbo nun 390 kW/530 PS leistet. Das Flaggschiff der Marke ist vor allem für Kunden in Nordamerika und Asien gedacht.

Mehr die junge Kundschaft soll der GLA 45 AMG ansprechen. 265 kW/360 PS, Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb bilden eine Kombination, die den kompakten Crossover der Konkurrenz auf und davon fahren lässt. Mit der "45" in der Bezeichnung feiert AMG übrigens sein 45-jähriges Firmenbestehen.

Eine noch längere Tradition kann Porsche mit dem Namen Targa aufweisen. Die moderne Interpretation zeigen die Stuttgarter Sportwagenbauer nun in Detroit - und erhielten den wohl größten Applaus auf der Messe. Denn was die Entwickler sich beim neuen 911er Targa (Bild oben) ausdachten, ist German Engineering in Perfektion.

Nahm der Fahrer früher das Targa-Dach per Hand heraus, regelt dies nun eine aufwändige Elektrohydraulik. Dabei klappt die gesamte Heckpartie inklusive Bügel und Panorama-Scheibe zurück. Dann senkt sich der mittlere Dachteil parallel nach hinten und das Heck fährt wieder in seine alte Position. Fertig ist der Targa. Anfang Mai soll der markante 911er in den Handel gehen. Sein Preis startet in Österreich bei 130.330 Euro (Deutschland: 109.338 Euro).

Ein bisschen Sportcoupé, ein wenig Geländewagen, eine Prise Offroad-Kombi. Dies alles vermischt Audi im Allroad Shooting Brake (Aufmacher-Bild ganz oben). Die 4,20 Meter lange Studie nimmt die Technik der nächsten Generation des TT vorweg, die im Herbst an den Start geht.

"Es ist ein konkreter Ausblick in die Zukunft", sagt Ulrich Hackenberg. Audis Entwicklungschef meint damit in erster Line das neue Cockpit, wie es im TT zum Einsatz kommt, und zum Zweiten den Antrieb. Denn unter der Carbon-Aluminium-Hülle des Zweitürers steckt der Quattro-Antrieb von Morgen.

Heißt: Es gibt keine mechanische Verbindung mehr zwischen Vorder- und Hinterachse. Technisch ist das Konzeptauto ein Plug-in-Hybrid. Vorne teilen sich ein Zweiliter-Vierzylinder-TFSI mit 215 kW/292 PS und ein Elektromotor mit 40 kW/54 PS den Antrieb. Im Heck sitzt eine weitere E-Maschine, hier mit 85 kW/116 PS Leistung, die ihre Kraft auf die Hinterräder schickt. Arbeiten alle zusammen, soll der Audi in 4,6 Sekunden von Null auf 100 km/h sprinten. Den Strom liefert eine Lithium-Ionen-Batterie mit 8,8 kWh Kapazität. Sie stammt aus dem A3 e-tron und ermöglich eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern.

Während Mercedes, Audi und BMW neue Rekordzahlen und teils zweistellige Zuwächse in den USA vermelden, musste Volkswagen of America 2013 einen kleinen Dämpfer einstecken: sieben Prozent Rückgang. Kompensieren wollen die Wolfsburger dies unter anderem mit einem neuen SUV.

Die im vergangenen Jahr gezeigte Studie CrossBlue wird nun in Amerika gebaut, ausschließlich für amerikanische Kunden und soll 2016 auf den Markt kommen. Schneller geht es beim Beetle Dune. Offiziell ist die Studie zwar noch nicht abgesegnet, hat aber beste Chancen, 2015 auf der Straße zu sein. Passend zum winterlichen Detroit ließ VW dem Dünen-Käfer Skier auf den Rücken schnallen. In Kalifornien dürfte der Cross-Beetle wohl eher mit einem Surfbrett unterwegs sein.

Bei BMW feiern drei Modelle Weltpremiere. Gleichzeitig brechen die Bayern mit einer Tradition: Aus dem Einser-Coupé wird das Zweier-Coupé und der sportlichste Dreier heißt nur noch als Viertürer M3, das Coupé nennt sich fortan M4. Wenigstens kehrten die Bayern dabei vom V8 auf den Reihen-Sechszylinder zurück. Unter beiden Hauben sitzt ein Dreiliter-Biturbo mit 317 kW/431 PS; genug, um den Sprint auf 100 km/h in 4,2 Sekunden zu schaffen.

Aber es gibt nicht ausschließlich deutsche Hersteller in Detroit. Toyota hat seine bislang emotionalste Studie auf die Bühne gerollt, den FT-1. Das Sport-Coupé soll die moderne Version des legendären 2000GT des Jahres 1967 darstellen. Serienfertigung: ziemlich unwahrscheinlich. Konkretes dagegen kommt aus Korea. Hyundai präsentiert sein neues Top-Modell Genesis. Zu hören ist, dass die Oberklasse-Limousine auch nach Europa kommen soll.

Und was machen die "Big Three" General Motors, Ford und Chrysler, die Großen Drei aus Detroit? Schließlich ist es ihre Heimatmesse. Chrysler, seit kurzem komplett von Fiat übernommen, stellt die neue Generation des 200 vor.

Die Mittelklasse-Limousine basiert auf der Plattform des Alfa Romeo Giulietta und soll vor allem die Dominanz von Toyota Camry, Honda Accord und Ford Fusion beenden. Gerüchte, dass der 200 gar als Fiat oder Lancia nach Deutschland kommen würde, beendete Konzernchef Sergio Marchionne auf der Messe mit einem klaren Nein.

Für den meisten Gesprächsstoff sorgte in den vergangenen Wochen Mary Barra. Die 51-Jährige führt fortan den mächtigsten Autobauer der USA, General Motors. Im Gepäck hatte Barra den GMC Canyon, ein Schwestermodell des Chevrolet Colorado. Mit beiden Modellen will GM das Midzise-Segment der Pick-ups wiederbeleben.

Ford dagegen zeigt, wo bei den großen Pick-ups der Hammer hängt. Der F-150 ist seit 32 Jahren Amerikas meistverkauftes Auto. Und damit das noch möglichst lange so bleibt, hat Ford seinen Bestseller so grundlegend überarbeitet wie nie zuvor. Erstmals besteht die Karosserie des F-150 aus Aluminium, wurde somit gut 300 Kilo leichter. Verwendet wurde dabei spezialgehärtestes Aluminium aus dem Militärbereich. Die Konkurrenz hat das Nachsehen.

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