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Ennstal-Classic 2018

Interview: VW-Motorsportchef Fritz Enzinger

Der Motorsport-Verantwortliche im VW-Konzern im Gespräch über die Rekordfahrten von Porsche und einen möglichen Formel 1-Einstieg.

Michael Hintermayer / Fabian Bonora

?: Toyota ist als einziger Hersteller in der LMP1 verblieben. Macht es Ihrer Meinung nach noch Sinn, mit Hybrid-Modellen weiterzufahren, oder wäre es Zeit für eine kostengünstige Alternative?

Fritz Enzinger: „Ich glaube mit dem jetzigen Reglement macht es wenig Sinn, weiterzumachen. Das Interesse war einfach zu gering. Wir haben auch lange mit Peugeot verhandelt, ob sie als dritter Hersteller dazukommen, aber die Franzosen haben sich dagegen entschieden. Von dem her muss sich etwas ändern. Man hat in Le Mans ein neues Reglement präsentiert, ob es dann wirklich in diese Richtung geht, wird man sehen. Aber ich kenne es zu wenig, um sagen zu können, ob das Zukunft hat."

?: Wäre es sinnvoll, die Hybrid-Antriebe herauszunehmen?

Enzinger: „Meiner Meinung nach nicht. Von den Bauteilen her ist es nicht mehr so kostenintensiv. Fast jeder Hersteller hat so etwas schon mal entwickelt."

?: Die Rekordfahrt von Porsche war heuer natürlich in aller Munde. Auch wenn sich der Rekord nicht ganz mit der Fabelzeit von Stefan Bellof vergleichen lässt, war es interessant zu sehen, was man aus so einem Boliden ohne Reglementierung herausholen kann. Was halten Sie davon?

Enzinger: „Eines vorweg: Die Bellof-Zeit ist für die Ewigkeit, da diese Zeit während eines Rennwochenendes gefahren wurde. Bei uns war es einfach ein Versuch, ein Auto ohne Reglement zu entfesseln und zu sehen, was mit einem Verbrennungsmotor und einem E-Motor gemeinsam mit über 1.000 PS möglich ist. Die Runde war schon richtig gut, aber wir haben uns auch ausgiebig vorbereitet. Wir sind immer zuerst die Sektoren gefahren und haben Simulationen gemacht, Timo Bernhard war schon richtig gut. Er ist 5:30, dann 5:24 und dann schlussendlich die 5:19 gefahren – das war super."

?: Welche Änderungen gab es am 919 Evo gegenüber dem normalen Le Mans-Wagen 919 Hybrid?

Enzinger: „Die Basis war der 919 Hybrid, aber viele aerodynamische Teile wurden für die Nordschleife angepasst. Es wurde ein komplettes Aeropaket dafür entwickelt, andererseits wurden z.B. die Lichter entfernt."

?: Die Rekordfahrt wurde von Enthusiasten oftmals negativ aufgenommen. Das Budget hätte man vielleicht besser einsetzen können, hieß es mehrmals. Was halten Sie davon?

Enzinger: „Das Wichtigste war, zuerst die Familie Bellof zu kontaktieren. Wir haben ihnen mitgeteilt, dass wir das versuchen und sie hatten nichts dagegen. Wir haben noch einen gewissen Übergang bis 2019 und da entstand die Idee von Sponsoren, solche Events zu fahren, weil die Mannschaft ja vorhanden ist. Das Ganze war dann durchfinanziert. Es endet mit einer Fahrt ins Museum, Rekordrunde wird es definitiv keine mehr geben. Gefahren wird dazwischen noch in Brands Hatch und Laguna Seca."

?: Stichwort Formel 1: Ein Einstieg mit Audi oder Porsche wird irgendwann mal ein Thema sein, oder?

Enzinger: „Wir haben an allen Meetings teilgenommen, die sich mit dem Reglement für 2021 beschäftigt haben. Aber das Reglement gibt es nach wie vor nicht, zumindest ist es nicht verabschiedet. Solang es nicht klar ist, wer ab 2021 dabei ist (das Concorde-Agreement läuft 2020 aus) ist für uns keine Basis da."

?: Also wird die Option eines Einstiegs offen gehalten?

Enzinger: „Nicht nur der Formel 1 gegenüber. Alle Serien die für uns interessant sein könnten, werden von uns beobachtet. Verstärkt liegt bei uns der Fokus auf dem GT-Sport und der Formel E, das hat momentan Priorität."

?: Wird das Thema Rallye für Porsche in Zukunft ein Thema sein?

Enzinger: „Das ist reine Spekulation. Das mit dem Cayman GT4 war ein Versuch, den man eben einmal macht. Aber eine richtige Entscheidung diesbezüglich gibt es definitiv nicht!"

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