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WRC-Protagonisten fordern Regeländerung

Loeb und seine Kollegen schlagen eine Lösung für die Startreihenfolge vor. Auch Ford Europa will das leidige Taktieren endlich beendet wissen.

Michael Noir Trawniczek

Langsam aber sicher wehren sich die WRC-Protagonisten gegen das nicht durchdachte, vordergründig auf mehr Spannung abzielende Reglement in punkto Startreihenfolge, welche den Führenden bestraft, indem er am folgenden Tag als erster Fahrer auf die Wertungsprüfungen und den losen Schotter von den Strecken fegen muss.

Das Taktieren rund um die Startreihenfolge am folgenden Tag nahm in Jordanien neue Züge an: Nicht auf der letzten Freitagsprüfung wurde taktiert (sprich gebremst, um nicht führen zu müssen), sondern diesmal zeitig am Morgen: Citroen Junior Ogier wurde einfach für Loeb geopfert, obschon er auf Podestkurs lag – der Franzose kam erst zu spät zum Service, um Strafzeit zu erhalten, später kam er zu früh zum Start der Sonderprüfung, um vor Loeb starten zu können. Die satte Strafzeit konnte er freilich nicht mehr wettmachen. Ford wiederum ließ Hirvonen zu früh beim Start erscheinen, sodass er vor Latvala starten konnte.

Im Nachhinein starteten die beiden Konzerne einen peinlichen Schlagabtausch, wer mit dem elenden Taktieren begonnen habe: Ford erklärte, man habe nur auf die Taktik mit Ogier reagiert, Citroen wiederum verwies darauf, dass Ford mit Latvala schon am Donnerstagabend zu tricksen begann (der Finne ließ sich auf der letzten SP absichtlich zurückfallen). Wer angefangen hat, ist jedoch sekundär – Tatsache ist: Diese WM hat, wenn sie so praktiziert wird, nur noch wenig mit Sport zu tun…

Ford Europa: „Sind nicht bereit, Integrität einzubüßen!“

Das dämmert jetzt auch Ford. Gerald Quinn, seines Zeichens Motorsport-Chef von Ford Europa, drängt die Verantwortlichen darauf, das leidige Taktieren baldigst zu beenden. Quinn sprach jetzt ein Machtwort: „Ich fürchte, dass so etwas potenzielle neue Hersteller abschrecken könnte. Es wäre gut, einen Weg zu finden, um so etwas künftig zu umgehen, bevor der Sport Schaden nimmt.“ Und: „Wir sind nicht bereit, unsere Integrität einzubüßen oder dem Sport zu schaden. Und das ist mir sehr ernst."

Mehrfachweltmeister Sébastien Loeb hat schon des Öfteren angemerkt, dass ihm das Taktieren unangenehm ist, jetzt platzt ihm und auch seinen Kollegen langsam aber sicher der Kragen – und er kann als erfolgreichster Pilot sehr wohl sagen, was er denkt – und tut es auch. Denn er spürt ganz sicher auch, dass sein Sieg in Jordanien, für den er mit Sicherheit hart gekämpft hat, von dem Taktikgeplänkel entwertet wird. Jetzt sprach Loeb Klartext: „Es ist langweilig für uns, über dieses Thema zu sprechen, aber wir wollen das nicht mehr. Wir müssen eine Möglichkeit finden, das zu ändern!“

Fahrer wollen Shakedown als Qualifying

Loeb und seine Kollegen denken im Gegensatz zu vielen Entscheidungsträgern und „hohen Tieren“ konstruktiv: „Alle Fahrer diskutieren derzeit über eine Möglichkeit, den Shakedown als Qualifying für die Startreihenfolge heranzuziehen. Wir könnten vier Turns fahren in der Startreihenfolge der WM-Tabelle. Die ersten drei Versuche könnten dem Streckenfegen dienen, der vierte wird dann gewertet. Der Fahrer mit der schnellsten Zeit könnte sich für den folgenden Tag eine Startposition aussuchen. Danach könnte der Führende jeweils eine Startposition für den nächsten Tag wählen. Das wäre eine faire Lösung für alle.“

Außerdem würde so mehr mediales Interesse für den Shakedown geweckt werden – was die Verantwortlichen schon vor mehr als einem Jahr überlegt, aber nie zu Ende gedacht haben.

Loeb ist sich völlig bewusst darüber, wie lächerlich die Rallye-Weltmeisterschaft zurzeit bei manchen Schotter-Rallyes wirkt: „Bei manchen Events verbringen wir zwei Tage damit, im Grunde gar nichts zu tun außer Taktik zu spielen – und erst am Sonntag startet dann die echte Rallye.“

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