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Rallye-WM: Wales

Kampf der Giganten – Solberg gegen Loeb

Sébastien Loeb und Petter Solberg kämpfen um den letzten Sieg der aktuellen WRC-Ära. Sébastien Ogier flog auf SP 8 von der Strecke.

Michael Noir Trawniczek

Auch wenn sich Sturm und Regenfälle verflüchtigt haben und die Sonne hervorkam, präsentierten sich an diesem Samstagvormittag die Wertungsprüfungen in den Wäldern rund um die walisische Stadt Wales, wo an diesem Wochenende das Finale der Rallye-Weltmeisterschaft steigt, aufgeweicht und daher äußerst rutschig. Der Tag beginnt mit einem Paukenschlag, doch der Reihe nach:

Zunächst steht die 14,7 Kilometer lange SP „Radnor“ auf dem Programm. Die schnellste Zeit können sich zwei Crews gutschreiben lassen: Citroen-Privatier Petter Solberg und Ford-Werkspilot Jari Matti Latvala beenden die SP in jeweils 7:31.5 Minuten.

Rallyeleader Sébastien Loeb markiert mit 2,1 Sekunden Rückstand die zweitschnellste Zeit – wegen der knappen Zeitabstände der drei in Führung liegenden Piloten übernimmt Petter Solberg die Führung.

Aus dem Führungstrio wird jedoch ein Duo: Sébastien Ogier wirft den zweiten Werks-Citroen C4 rund 500 Meter vor dem Ziel der Sonderprüfung von der Strecke, der Wagen überschlägt sich und weist schwere Schäden am Dach auf. Ogier und sein Co-Pilot Julian Ingrassia entsteigen dem ramponierten Boliden glücklicherweise unverletzt, ob die beiden jedoch am Sonntag unter „Superally“ weiterfahren können, ist fraglich.

Ogier berichtet: „Ich bin einfach zu schnell in die Kurve rein gefahren, das war es dann. Der Wagen hat sich einmal überschlagen, aber sehr langsam. Doch jetzt stecken wir fest und es ist unmöglich, die Fahrt fortzusetzen.“ Der junge Franzose, für viele der Nachfolger seines Namensvetters Loeb, ärgert sich maßlos über sich selbst: „Ich habe erwartet, dass es derartig rutschig sein wird – ich bin wirklich blöd!“

Ogier verliert nämlich mehr als seinen dritten Platz bei der Rallye Wales GB – die Aktion könnte ihn auch den Vizeweltmeistertitel kosten. Latvala und Petter Solberg liegen jeweils elf und 16 Punkte hinter dem WM-Zweiten – jetzt würde Solberg Platz zwei genügen, um Ogier den Vizemeister zu entreißen. Latvala muss Platz vier belegen, um den früheren Citroen Junior in der Tabelle zu überholen. Rein theoretisch könnte Ogier also sogar auf den vierten WM-Rang abrutschen…

Auch auf der rund zehn Kilometer langen SP „Monument Hill“ kann Petter Solberg mit einer weiteren Bestzeit die Führung behalten, Loeb fehlen auf den Norweger jedoch nur 3,6 Sekunden. Der siebenfache Champion berichtet: „Ich habe einen Abzweig verpasst und dann ist mir der Motor abgestorben.“

Auf der nächsten Prüfung jedoch, der rund 25 Kilometer langen SP „Four Ways Crychan“ profitiert Loeb von einem rund elf Kilometer langen Asphalt-Teil. Petter Solberg, der hinter dem die Prüfungen eröffnenden Loeb auf die Strecke ging, erklärt: „Er hat mit voller Absicht die Kurven gecuttet und dabei möglichst viel Schlamm auf die Strecke geschaufelt. Er weiß, was er zu tun hat und ich habe s auch nicht anders erwartet. Das hat es mir jedenfalls nicht gerade leichter gemacht – aber am Nachmittag wird bereits Schlamm auf der Strecke sein, dann ist es ausgeglichener.“ Lobe wiederum gibt zu Protokoll, er habe nach seinen Fehlern auf SP 9 „versucht, wieder in einen Rhythmus zu gelangen, die Zeit sieht gut aus“.

Sogar sehr gut - der Weltmeister im Untertreiben knöpft dem Zweitschnellsten, Jari Matti Latvala 6,4 Sekunden ab, Solberg liegt 8,5 Sekunden zurück. So kann Loeb wieder die Führung übernehmen.

Doch auf der letzten Prüfung vor dem Mittagsservice heißt der schnellste Pilot wieder Petter Solberg – so bleibt Loeb zwar in Führung, doch der Weltmeister des Jahres 2003 liegt nur 2,5 Sekunden hinter ihm. Der Kampf um den Sieg wird also zum großen Duell der beiden Champions Loeb und Solberg.

Denn der Dritte, Ford-Pilot Mikko Hirvonen, liegt bereits mehr als eine Minute zurück, gefolgt von seinem Teamkollegen Latvala, der gestern einen Reifenschaden hinnehmen musste. Rund sechs Sekunden hinter Latvala belegt Dani Sordo im Junioren-Citroen den fünften Gesamtrang.

Mit beinahe vier Minuten Rückstand belegen Henning Solberg und Stephane Prevot im Ford Focus WRC des Stobart-Teams den sechsten Rang, der nächstplatzierte Teamkollege Matthew Wilson liegt über eine Minute hinter dem Norweger, es folgen Mads Östberg, Kimi Räikkönen und Ken Block in den restlichen Punkterängen.

SWRC: Mikkelsen führt – Pons auf Titelkurs

In der SWRC führt weiterhin Andreas Mikkelsen, der diesmal einen von Skoda Italien eingesetzten Fabia S2000 pilotiert. Rund eine halbe Minute hinter ihm liegt Jari Ketomaa auf Platz zwei, Tabellenleader Xavier Pons, wie Ketomaa auf einem Ford Fiesta S2000 unterwegs, belegt Rang drei und würde bei diesem Ergebnis den ersten Titel der neuen SWRC feiern. Red Bull Rallye Team-Pilot Patrik Sandell liegt mit beinahe sechs Minuten Rückstand auf Rang sechs.

In der PWRC konnte Pirelli Star Driver Ott Tänak im Mitsubishi Lancer Evo X die Führung übernehmen, rund 35 Sekunden dahinter liegt Subaru Impreza-Pilot Patrick Flodin auf Platz zwei. Martin Semerad im Evo X des tschechischen Nationalteams belegt Rang drei, der Weltmeister des Vorjahrs und Tabellenleader Armindo Araujo belegt einen einsamen vierten Platz, welcher ihm jedoch genügen würde, um die Krone quasi zu verteidigen.

Am Nachmittag werden die vier Prüfungen ein zweites Mal befahren, danach wird der Tag mit der Asphalt-Superspecial am Cardiff Bay abgeschlossen.

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