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Pirelli Star Driver Shoot Out

War es „nur“ Inkompetenz? Oder steckt mehr dahinter?

Vier Fahrer gestrichen, darunter Aigner. OSK-Sekretär Wagner erklärt gegenüber motorline.cc, man habe vor der Nominierung extra bei der FIA nachgefragt…

Michael Noir Trawniczek

Nur einen Tag nach der offiziellen Bekanntgabe der Teilnehmer an dem Pirelli Star Driver Shootout (24./25. Oktober in Freistadt) hat die Oberste Sportbehörde FIA vier der 19 von ihren Landesorganisationen nominierten Piloten streichen lassen – mit dem Hinweis, ihre Teilnahme würde „nicht dem Geist der Aktion“ entsprechen – dabei handelt es sich um Michal Kosciousko (Polen), Martin Prokop (Tschechien), Patrick Sandell (Schweden) und Andreas Aigner (Österreich) – die allesamt bereits WM-Rallyes absolviert haben.

Als der Reifenhersteller Pirelli und die FIA das ehrgeizige Projekt zur Förderung von jungen Rallyetalenten vorgestellt hatten, erklärte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery, das Projekt solle „jungen Piloten die Zeit verkürzen, die sie dafür benötigen, um zeigen zu können, wozu sie auf der internationalen Rallyebühne in der Lage sind“.

motorline.cc hat von Beginn an auf die Diskrepanz hingewiesen: Einerseits der Wunsch, weltweit junge Piloten „auf die WM-Bühne zu bringen“, andererseits gab es als Auswahlkriterium lediglich ein Höchstalter von 27 Jahren. Finnland hätte demnach auch den jüngsten WRC-Sieger aller Zeiten, Ford-Werkspilot Jari Matti Latvala entsenden können. Auch wenn dieses Beispiel übertrieben war – die Sportbehörden einiger Länder wollten ihre Chancen optimieren, indem sie den ihrer Meinung nach schnellsten Piloten nominiert haben…

So auch die heimische OSK. Dass bei dem nationalen Auswahlverfahren lediglich ein Hearing durchgeführt wurde und man auf einen praktischen Teil verzichtet hatte, sorgte für Unmut bei einigen Fans und Aktiven. [Siehe auch das Interview mit den OSK-Granden Dr. Hinteregger und Heribert Werginz]

OSK-Wagner: „Haben extra bei der FIA nachgefragt!“

Auch bei der OSK war man anfangs wegen der nicht vorhandenen Teilnahmekriterien verunsichert – Kurt Wagner, als OSK-Sekretär für das Shootout zuständig, erklärt dazu im Gespräch mit motorline.cc: „Wir haben extra noch einmal bei der FIA nachgefragt: ‚Gibt es neben dem Alterslimit noch weitere Teilnahmekriterien?’ Die Antwort aus Paris lautete: ‚Nein’.“

Jüngsten Gerüchten zufolge soll bereits bei der Erstausschreibung der Pirelli Driver Search darauf hingewiesen worden sein, dass Piloten mit WM-Erfahrung (also WRC, PWRC oder JWRC) keine Teilnahmeberechtigung haben. Wagner sagt dazu: „Das stimmt nicht. Wir haben in einem Erstentwurf reklamiert, dass auch das Veranstalterland einen Fahrer entsenden kann, es also eine Wildcard erhält.“ In dem motorline.cc in Form einer Kopie vorliegenden, mit 4. Juni 2008 datierten Schriftstück ist lediglich der Hinweis zu finden: „Bitte vergessen Sie nicht, dass der Fahrer am 1. Jänner 2009 unter 27 Jahre alt sein muss.“

Ein weiteres Dokument, welches motorline.cc vorliegt, ist am 17. Juni 2008 erstellt worden und trägt den Titel „Pirelli Star Driver competition in Europe“. Darin werden die Details für die Driver Search in der europäischen Region definiert. Hier wird im allgemeinen Teil erklärt, die Driver Search solle „jungen Fahrern dabei helfen, WM-Level zu erreichen“. Zudem heißt es: „Das Pirelli Star Driver Schema ist eine weltweite Suche nach fünf jungen Piloten aus den FIA Regional Championships der Jahre 2008 und 2009…“ Diese Ausschreibung wurde im Sommer publiziert – einige Experten erkennen darin Hinweise auf eine Einschränkung bei den Teilnahmekriterien.

Widersprüche der peinlichsten Art

OSK-Sekretär Wagner sagt dazu: „Wie gesagt haben wir uns extra noch einmal bei der FIA erkundigt – und beispielsweise hat auch Polen in Paris nachgefragt.“ Nicht zu vergessen sind die Statements von Jan Olaf Sandström (FIA) und Mario Isola (Pirelli) im Rahmen der Pressekonferenz am Dienstag – beide erklärten, dass auch ein regierender PWRC-Weltmeister im geförderten „Nachwuchsboliden“ kein Problem darstellen würde. Im Gegenteil: „Wir fühlen uns geehrt, dass so viele anerkannt gute Piloten an dem Shootout teilnehmen…“

Interessant ist dabei: Das Schreiben der FIA an die OSK, wonach man einen anderen Teilnehmer nominieren solle, wurde von einer Arbeitsgruppe der FIA unterschrieben, darunter Hans Christian Mehmel (Vorsitzender der FIA Rallye Kommission), Radovan Novak (European Rally Championship-Koordinator) und Jan Olaf Sandström als Shootout-Koordinator.

Die Arbeitsgruppe soll im Rahmen des FIA World Council die Teilnehmer des Shootouts überprüft haben, heißt es – doch die Sitzung des World Council fand ausgerechnet am 7. Oktober statt – jenem Tag, an dem Jan Olaf Sandström nicht in Paris gewesen sein kann, weil er sich den ganzen Tag in Österreich aufhielt, um in den beiden Pressekonferenzen zu erklären, er habe nichts gegen Andi Aigner als Teilnehmer. Jener Jan Olaf Sandström auch, der im Rahmen der Arbeitsgruppe auch seinen eigenen Landsmann Patrick Sandell von der Liste streichen ließ.

Angeblich soll keiner der auf dem Papier aufscheinenden FIA-Granden besonders glücklich mit der aktuellen Situation sein. Speziell Sandström und Mario Isola wurden mehr als nur in Verlegenheit gebracht.

[Update] Campedelli - keine WM-Punkte?

OSK-Sekretär Wagner machte auch darauf aufmerksam, dass Simone Campedelli weiter im Bewerb bleiben würde: „Wir haben bei der FIA nachgefragt – es wurde uns mitgeteilt, Campedelli sei deshalb weiter im Bewerb vertreten, weil er heuer noch keine WM-Punkte geholt habe. Laut FIA-Informationsblatt hat Campedelli bereits an 49 WM-Rallyes teilgenommen – meiner Meinung nach ist er derjenige Bewerber, der die größte Erfahrung aufweist.“

Das Problem bei dieser Aussage: Wagner erhielt von der FIA eine falsche Auskunft - denn Campedelli fuhr erst neun WM-Rallyes, davon fünf im Jahr 2008. Und: Er hat 2008 drei WM-Punkte an Land geholt.

“Driver Search“ war Teil des Monopol-Vertrags

Nicht unerheblich ist auch die Entstehensgeschichte der „Pirelli Star Driver Search“. Als Pirelli mit der FIA den Vertrag als Alleinausrüster der Rallye-WM erhielt, war in dem Abkommen auch jener Punkt inkludiert, wonach sich der Reifenhersteller zu einer solchen Nachwuchsaktion verpflichte. Die „Driver Search“ war also ein Teil des Abkommens und musste von Pirelli im Rahmen des Alleinausrüstervertrags quasi mit akzeptiert werden.

Das Geld musste also ohnehin investiert werden – dass Pirelli bis zuletzt nichts dagegen hatte, den schnellstmöglichen Piloten zu erhalten, erscheint da nur logisch. Damit wären gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag getroffen worden. Jetzt wurde offenbar „von oben“ die Reißleine gezogen.

Fazit: Es bleibt die Frage offen, ob es sich bei dieser Farce rund um die Nominierung von Jungpiloten für eine Nachwuchsförderung „nur“ um Inkompetenz handelt – oder ob tatsächlich unter dem Deckmäntelchen „Nachwuchsarbeit“ eine mehr als fragwürdige Politik betrieben wird?

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