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Rallye-WM: Interview

Ogier kritisiert Ford und Citroën

Weil Ford Sébastien Ogiers Ultimatum verstreichen ließ, ging er zu Citroën zurück – doch auch die Franzosen kriegen ihr Fett weg.

Sébastien Ogier hat bekannt gegeben, dass er Ford ein Ultimatum gestellt habe, das Werksengagement bei M-Sport zu vertiefen, doch der US-Konzern ließ dieses verstreichen und veranlasste dadurch den Franzosen dazu, per Saisonende zu Citroën zurückzuwechseln.

Gleichsam als Privatteam hatte M-Sport mit Ogier 2017 beide WM-Titel gewonnen, woraufhin Ford eine substantiell größere Unterstützung für die nächste, nun laufende Saison versprochen haben soll, doch Ogier meinte, der Umstand, dass Ford nicht mit den Ansprüchen des Teams Schritt gehalten habe, sei frustrierend gewesen und habe seinen Weggang verursacht.

"Ford schien motiviert zu sein, uns weitergehend zu helfen, um uns zu erlauben, heuer unser Niveau zu steigern, doch leider wurde ich diesbezüglich ein bisschen enttäuscht," so der Franzose gegenüber L'Equipe. "Ich habe Ford ein Ultimatum gestellt: Entweder wir erhalten Werksunterstützung – oder die Chancen, dass ich mich anderswo umsehe, würden steigen."

Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, sagte er zu Autosport: "I hatte zwei wirklich gute Jahre mit M-Sport und Ford, wir haben gemeinsam große Dinge erreicht. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich in diesem Team wohlgefühlt habe und gerne mit Malcolm [Wilson, Teamchef; Anm.] und seinen Burschen gearbeitet habe. Es ist mir nicht leicht gefallen, sie zu verlassen, doch andererseits wurde es ohne mehr Unterstützung durch Ford immer schwieriger weiterzumachen. Am Ende war es meine Entscheidung, aber eine, die ich gemeinsam mit Malcolm getroffen habe, eben weil es schwierig war fortzufahren."

Seine Entscheidung, M-Sport zu verlassen und für die Rallye-WM 2019 zu seinem früheren Arbeitgeber Citroën zurückzukehren, kam für viele Beobachter dennoch überraschend, denn anstatt seine Karriere in einem etablierten Umfeld langsam (wie angekündigt) ausklingen zu lassen, erwartet die neue französische Verbindung einiges an Aufbauarbeit, weil sich Citroën spätestens seit Anfang 2017 in einer sportlichen Krise befindet.

Der fünffache Weltmeister hat jedoch Lust, sein früheres Team wieder zu alter Stärke zurückzuführen. "Citroën kommt aus einer schwierigen Zeit im Rallyesport, und ich habe in diesem Jahr mehr als in den Vorjahren den Wunsch verspürt, wirklich die Mittel in die Hand zu nehmen, um das Niveau zu erreichen, das Citroën vor einigen Jahren hatte: Dinge entweder ganz oder gar nicht zu tun", fuhr Ogier gegenüber L'Equipe fort.

"Wir hatten in den letzten Jahren den Eindruck, dass sie nur halbe Sachen machen", meinte Ogier. Allerdings will er nicht versprechen, dass es ihm auf Anhieb gelingt, aus dem Citroën C3 WRC ein Auto zu machen, das bei allen WM-Rallyes ein Siegkandidat ist. "Ich kann nicht garantieren, dass alles so wird, wie ich es will, aber Pierre [Budar, Teamchef; Anm.] hat es geschafft, mich zu überzeugen, und ich habe das Gefühl, dass wir ein großes Abenteuer beginnen."

Immerhin weiß Ogier, auf was er sich bei Citroën einlässt, denn mit Erlaubnis seines jetzigen Teams M-Sport hat er den C3 WRC bereits getestet. "Das Auto an der Spitze einiger Rallyes zu sehen, hatte mir schon eine gute Vorstellung von seinem Potenzial gegeben", sagte er, "aber mir selbst einen Eindruck zu verschaffen, war sehr wichtig. Das wollte ich tun, bevor ich mich verpflichte."

"Das haben wir gemacht, und ich konnte bestimmte Dinge realisieren. Dieses Kennenlernen hat mich darin bestärkt, dieses Abenteuer auszuprobieren", so Ogier weiter. "Wir haben es geschafft, ich konnte bestimmte Elemente realisieren, und dieser Kontakt hat mich in meiner Idee bestärkt, dieses Abenteuer ausprobieren zu wollen."

Dabei hat Ogiers erste Zeit bei Citroën 2011 nach teaminternen Spannungen im Unfrieden geendet, doch das lag laut Ogier vor allem am damaligen Teamchef Yves Matton. "Die Probleme hatte ich mit der damaligen Teamführung, und die ist nicht mehr da", sagte er.

Noch ein weiteres Mal teilte Ogier gegen Matton aus, der mittlerweile Rallyedirektor das Automobilweltverbandes FIA ist: "Ich habe das Gefühl, dass bei Citroën neuer Schwung ins Management gekommen ist. Der Kontakt zu Pierre hat sich sehr schnell entwickelt. Es war viel einfacher mit ihm zu reden als mit seinem Vorgänger. Das war einer der Punkte, die mich überzeugt haben, diesen Schritt zu machen."

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