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Rallye-ÖM: Steiermark-Rallye

Am Limit und drüber

Die Latte, die Alois Nothdurfter gelegt wurde, war immens hoch, aber er fuhr auch diesmal wieder so, wie man es von ihm erwartete.

Mit diesem Fahrstil wäre er vor 28 Jahren sicher Rallye-Weltmeister geworden (eine Fahrerwertung der Rallye-WM gibt es ja bekanntlich erst seit 1979). Das war klassisches historisches Rallye-Kino, so stellt man sich den Geist der frühen Jahre vor. Und weil heute wie damals ohne einen guten Copiloten nichts geht, soll auch der Einsatz von Christoph Friesenegger nicht ungedankt bleiben. Alois Nothdurfter im Originalton: „Der beste Beifahrer der Welt“.

Das sagt schon einiges über die Qualität der Zusammenarbeit zwischen dem Grenzgänger aus Tirol und dem im höchsten Maß professionell agierenden Mostviertler, der nichtsdestoweniger seinen Job mit sehr viel Leidenschaft ausführt. Es macht eben Spaß, mit einem so alten Fahrzeug wesentlich modernere Wagen zu jagen – oder denen sogar davonzufahren. Entstanden ist der Ford-Lotus Cortina ja exakt zur Mitte der Sechziger Jahre.

Dass dieser Wagen auch nach der Jahrtausendwende noch so großartig wettbewerbsfähig ist, erstaunt immer wieder, es ist aber natürlich auch ein großer Verdienst des übernatürlichen fahrerischen Einsatzes von Alois Nothdurfter. Ganz und gar relevant ist mit Sicherheit die Tatsache, dass Alois Nothdurfter seit 1996 jede Steiermark-Rallye mitgemacht hat, was bei der stetig wachsenden Konkurrenz bei den Historischen, speziell in Admont, sicher nicht schaden kann.

Wie zu erwarten war, war das Match der alten Rallyewagen vom Beginn an ziemlich furios, und auch Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger befanden sich innerhalb der Spitzengruppe. Auf der ersten Prüfung waren lediglich Hans-Georg Lindner/Josef Entfellner (Ford Escort RS 2000) sowie die Porsche-Teams Johannes Huber/Wolfgang Viakowsky und Christian Rosner/Harald Gottlieb schneller, und das war ja nun wirklich kein Beinbruch.

Auch hinter ihnen befanden sich einige Stars und solche, die auf dem Weg sind, welche zu werden. Die zweite Prüfung über den Rundkurs Treglwang brachte eine Verbesserung auf den dritten Platz bei den Historischen, mit guten Chancen, noch weiter nach vorne zu kommen. Offensichtlich wirkten sich die schlechten Witterungs- und Streckenverhältnisse günstig für Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger aus, denn hier konnten sie fehlende PS durch Einsatz besonders effektiv wettmachen. Die sportliche Dramatik, die hier drinnensteckte, wurde auf der dritten Prüfung (Bärndorf II) besonders deutlich sichtbar.

Als es bergab plötzlich zu schnell wurde, drohte ein Überschlag, der knapp verhindert werden konnte. Dennoch schaffte Alois Nothdurfter noch knapp die viertschnellste Zeit bei den Historischen, fast ex aequo mit Konrad Friesenegger, dem Bruder des Beifahrers, der mit einem Opel Kadett den zweiten Platz schaffen sollte.

Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger blieben jedoch Dritte in der Historischen-Wertung und kamen am Ende der Freitages-Etappe sogar noch auf den zweiten Platz, nachdem Christian Rosner mit dem Porsche ausgefallen war. Der im hinteren Bereich unübersehbar beschädigte Ford-Lotus Cortina wurde im Service bei Gaishorn nothdürftig repariert, also in Anbetracht der kurzen Zeit nahezu perfekt.

Der wesentlich trockenere, fast sommerliche Samstag stand im Zeichen einer beherzten Jagd nach Hans-Georg Lindner, der bekanntlich vor allem in Admont eine Klasse für sich ist, aber starke Gegner sind für echte Kenner eine umso größere Motivation. Gewinnen konnten Alois Nothdurfter und Christoph Friesenegger noch immer, mit einer Bestzeit auf der Prüfung Hall machten sie ihre Absicht deutlich. Zumindest der zweite Platz wäre ihnen fast sicher gewesen, denn auch wenn der Vorsprung auf Johannes Huber und Konrad Friesenegger am Ende dahinzuschmelzen drohte – bis über die letzten beiden Prüfungen wäre er vielleicht bei beiden Konkurrenten noch zu retten gewesen.

Als dann aber der Schalthebel abgebrochen war, war nichts mehr zu retten, zumindest bei diesen beiden nicht: Mit lediglich dem dritten Gang – Gangwechsel war ja keiner möglich – mußte Alois Nothdurfter sich noch einmal über die Prüfung Hall und über Kaiserau Nord quälen. So wurde er mit Christoph Friesenegger immerhin noch Vierter bei den Historischen, was auch noch eine ganz anständige Leistung war.

Insgesamt betrachtet war es eine weitere Rallye, die das Leistungspotential von Alois Nothdurfter vom MSC Kitzbühel und dessen Beifahrer Christoph Friesenegger sehr deutlich erkennen ließ. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der „Junior-Chef“ Markus Nothdurfter, der sich als Mechaniker extrem nützlich gemacht hatte, durchaus in sehr professioneller Manier, und die Familienbande auch schon sehr bald an der Fahrerfront verstärken könnte. Rallyesport ist eben doch auch ein Mannschaftssport.

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