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Rallye-WM: Argentinien

Der Rallyetross wieder im Land der Gauchos

Geht es nach Topfavorit Loeb, so wird der neue Rallyestar Latvala auch in Argentinien ein harter Gegner für den Weltmeister sein. Aigner will PWRC-Topergebnis.

Michael Noir Trawniczek

Weltmeister Loeb auf den Flughafensitzen - Argentinien geriet im Vorjahr zur Chaos-Rallye.
Der neue Star am Rallye-Himmel - Jari-Matti Latvala wird von Loeb als neuer Grönholm-Nachfolger betrachtet.

Die weltbesten Rallyepiloten, wie sie auf den Plastikstühlen des Flughafens schlafen, mit dem Sombrero über dem müden Gesicht - mit solchen Bildern machten die Veranstalter der Argentinien-Rallye im Vorjahr Schlagzeilen. Die Argentinien-Rallye 2007 stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Der Plan, die Piloten mittels Luftbrücke ins 700 Kilometer entfernte River Plate Stadion von Buenos Aires zu transportieren, scheiterte am schlechten Wetter. So mussten am Freitag sämtliche Wertungsprüfungen bis auf die abendliche Superspecial im Cordoba Stadion gestrichen werden. Am Samstag kam es schließlich noch schlimmer, als auf der 14. Prüfung eine Zuseherin vor den Augen ihrer Kinder von einem etwas später anbrausenden Rallyefahrzeug erfasst und getötet wurde.

Heuer wollen die Veranstalter ein neuerliches Chaos schon im Keim ersticken. Es gibt keinen Gastauftritt in Buenos Aires, der Rallye-Tross bleibt in Villa Carlos Pace nahe Cordoba. Auch die Superspecial im Cordoba Stadion wird es nicht mehr geben, stattdessen wurde rund um das Stadion eine Zuschauerprüfung errichtet.

Geblieben sind die völlig unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen an den drei Etappentagen - bei Subaru behandelt man die drei Tage der Argentinien-Rallye "beinahe wir drei völlig unabhängige Rallyes", verrät Subaru-Einsatzleiter Paul Howarth. Kurvige Pisten am ersten Tag, am Samstag ein schneller, aber tückischer Untergrund und der abschließende Sonntag in den Bergen. Ähnlich wie in Mexiko wird auch in Argentinien zum Teil in hoher Meereshöhe gefahren, was erneut die Leistung der Motoren beeinträchtigt. Hinzu kommen auch Wasserdurchfahrten und ein oftmals völlig unberechenbares Wetter.

Eine weitere Sorge der WRC-Piloten ist der Einheitsreifen von Pirelli - denn die Italiener haben schon vor der neuen Saison bestimmt, dass in Argentinien nur mit der harten Mischung gefahren werden darf. Weltmeister Sébastien Loeb gab zu bedenken: "In Mexiko haben die harten Reifen gepasst. In Argentinien ist es jedoch kühler und der Untergrund ist weicher - mit harten Pneus kann es problematisch werden."

Topfavorit Loeb! Neue Latvala-Show?

Loeb und sein Co-Pilot Daniel Elena haben die letzten drei Argentinien-Rallyes gewonnen - weshalb das Citroen-Duo, das schon am kommenden Wochenende mit dem Red Bull-Logo am C4 antreten wird, als Topfavoriten in diesen Event gehen.

Doch Loeb rechnet auch in Argentinien mit dem neuen Superstar der Rallye-Weltmeisterschaft: Jari-Matti Latvala. In einem Interview mit Motorsport News erklärte der Franzose: "Ich musste in Mexiko alles geben, um Jari-Matti zu schlagen - das erinnert mich sehr an die Zweikämpfe mit Marcus Grönholm. Jari-Matti hat gezeigt, dass er schneller ist als Mikko Hirvonen und genauso schnell wie Marcus - wenn nicht sogar schneller." Hirvonen scheint Loeb bereits abgeschrieben zu haben: "Bei ihm hat sich nichts geändert. Er war schon im letzten Jahr nicht so schnell wie Marcus und jetzt hinkt er hinter Jari-Matti her."

Eines ist klar: Nicht nur Sébastien Loeb erwartet in Argentinien eine weitere tolle Vorstellung des Rallye-Aufsteigers. "Ich hoffe, in Argentinien den gleichen Speed zu finden wie in Mexiko", verspricht Latvala. Und Mikko Hirvonen hat seine Zuversicht wieder zurück gewonnen: "Ich denke, das es in Argentinien nicht so ein großer Nachteil ist, wenn man als Erster auf die Strecke muss." Schließlich führt Hirvonen mit 21 Punkten einen Zähler vor Loeb die Fahrer-Weltmeisterschaft an.
Sordo muss Punkte bringen

Bei den Marken liegt Citroen bereits 12 Punkte zurück - was wohl auch an der mageren Ausbeute von Dani Sordo liegen mag. Der Spanier konnte in drei Rallyes nur drei WM-Punkte an Land ziehen und verspürt bereits den heißen Atem des Teamchefs...

Chris Atkinson, der in Mexiko den tollen zweiten Platz belegen konnte, gibt sich im Vorfeld der Argentinien-Rallye noch ein wenig vorsichtig - bei der Rallye in Südamerika würde es sehr auf die Erfahrung ankommen, verweist der Australier. Petter Solberg hingegen will das Hoch im Subaru-Werksteam nützen und von Beginn an puschen.

Im Suzuki-Werksteam will man nun dem Motorenproblem auf die Schliche gekommen sein - Teamchef Tajima verlangt daher klipp und klar Punkteränge von seinen Piloten Toni Gardemeister und Per-Gunnar Andersson - so wie dies am Saisonbeginn der Fall war. Mit dabei werden auch wieder die Stobart Ford-Piloten Gigi Galli, Henning Solberg sowie Matthew Wilson sein, und auch das Munchi's Ford-Team nimmt natürlich an der Rallye teil. Außerdem wird der Südafrikaner Conrad Rautenbach einen privaten Citroen C4 pilotieren.

PWRC: Aigner soll Topergebnis einfahren

Die Argentinien-Rallye zählt auch zur Weltmeisterschaft der seriennahen Produktionswagen PWRC - dort wird wieder das Red Bull Rallye Team rund um Mastermind Raimund Baumschlager um WM-Punkte kämpfen.

Den Einstieg des Energy Drink-Hersteller bei Citroen hat Baumschlager begrüßt - mit dem Hinweis, dass ja auch Andreas Aigner von diesem Engagement profitieren könne. Daher müsse Aigner nun "taktisch noch klüger fahren", Baumschlager erwartet von dem Steirer ein Spitzenergebnis.

In der PWRC werden jedoch wieder einige starke Piloten antreten, darunter der regierende Weltmeister Toshihiro Arai, Martin Prokop, Nasser al-Attiyah, Jari Keetoma, Gabriel Pozzo, Ricardo Trivino, Fumio Nutahara, Travis Pastrana und Mirco Baldacci, um nur einige zu nennen.

Im Vorjahr belegte Aigner in der PWRC Rang sieben - und Manfred Stohl holte als Achter immerhin einen WM-Punkt in der großen Spielklasse. Immer noch gibt es keine einzige bestätigte WM-Rallye, an der Stohl heuer teilnehmen wird. Es ist beschämend, dass ein derart guter Fahrer immer noch ohne Cockpit dasteht.

In Argentinien wird nach dem zeremoniellen Start am Donnerstagabend in Cordoba die Rallye am Freitagmorgen um 7.45 Uhr Ortszeit mit der 18,7 Kilometer langen SP 1 "La Cumbre - Agua de Ora" eröffnet.

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