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Taktisches Bremsen – so macht man den Sport lächerlich

Tagsüber kämpfen sie um Sekunden, abends steigen sie in die Eisen – denn niemand will der „Staubsauger“ sein. Nur Latvala durfte nicht, er führt.

Michael Noir Trawniczek

Da will man, so sagt man, die Rallye-Weltmeisterschaft verbessern – doch die dümmste aller Regeln, dass nämlich der Rallyeleader am nächsten Tag als erster Wagen auf die Strecke muss, belässt man Jahr für Jahr unverändert.

Was bei Schotter-Rallyes in aller Regelmäßigkeit dazu führt, dass der Sport mit Füßen getreten wird.

So spannend die Kämpfe tagsüber auch sein mögen – wenn am Ende des Tages nur noch zählt, wer am besten bremst, führt sich dieser Sport ad absurdum.

Immer noch wird also der Führende bestraft, in dem er den gesamten nächsten Tag den losen Schotter von den Pisten fegen muss – und wenn dann, was prinzipiell erfreulich wäre – um Sekunden gekämpft wird, halten die weltbesten Automobilpiloten am Ende des Tages einen lächerlichen Bremswettbewerb ab.

So wollte auch an diesem Freitag bei der Portugal-Rallye keiner die Führung haben – auf der letzten Sonderprüfung des Tages haben die Spitzenpiloten wieder einmal vor dem Ziel abgebremst – völlig ungeniert wird das getan. Kurz vor der Ziellinie wird kräftig in die Eisen gestiegen…

Verlegen wie kleine Kinder, die etwas angestellt haben, winden sich Loeb, Hirvonen und Ogier beim Interview mit dem WRC-Radio im Zielraum der letzten SP. Loeb antwortet auf die Frage, ob er runtergebremst habe mit den Worten: „Die Ford waren sehr schnell am Nachmittag, schneller als wir. Da müssen wir eine Lösung finden.“ Ogier negiert die Frage nach dem Runterbremsen ebenfalls und stammelt: „Wir werden sehen, was morgen passiert. Niemand weiß, was morgen geschehen wird…“

Freilich sind nicht die Fahrer die Schuldigen – sie müssen ausbaden, was die Regelschreiber ihnen Jahr für Jahr einbrocken. Der Sport kostet zu viel Geld, sodass man jede Möglichkeit nützen muss – auch wenn das bedeutet, dass man am Ende auf die tagsüber erkämpften Sekunden pfeift und in die Eisen steigt…

Von den vier Spitzenpiloten hat einzig Jari Matti Latvala nicht gebremst – und es passt in das lächerliche Bild, dass sich der Führende eben ganz und gar nicht freut. Kryptisch sagt Latvala in einem gedämpften Tonfall: „Es wäre wahrscheinlich am besten gewesen, das Tempo zu reduzieren – aber ich habe halt ein bisschen Gas gegeben.“ Zwischen den Zeilen heißt das: Latvala erhielt wohl den Befehl, die ungeliebte Führung an sich zu reißen und als „Staubsauger“ zu fungieren…

Gedämpft, sehr gedämpft war wohl auch die Stimmung von Petter Solberg – er wurde gleich auf der ersten Nachmittags-SP erneut von einem Reifenschaden heimgesucht. Auf der letzten SP sollen es gleich zwei Patschen gewesen sein, sodass der private Citroen-Pilot bislang noch keine Zielflagge sah.

Solberg/Minor bestes Nicht-Werksteam

Davon profitieren konnte Bruder Henning Solberg, der wieder von der in Wien lebenden Kärntnerin Ilka Minor über die Schotterstraßen navigiert wird. Das Stobart Ford-Duo beendet den ersten Tag auf dem guten fünften Gesamtrang – womit man der selbst gesetzten Zielsetzung exakt entspricht.

Allerdings lauert nur 4,7 Sekunden dahinter der Teamchefsohn Matthew Wilson im zweiten Stobart Ford Fiesta RS World Rally Car.

Toller Einstand des Mini S2000

Auf einen sensationellen ersten Rallyetag kann Armindo Araujo im neuen Mini Countryman S2000 zurückblicken. Der zweifache PWRC-Weltmeister belegt Gesamtrang sieben – womit er nicht nur der mit Abstand beste Super 2000-Pilot ist, er konnte auch die WRC-Piloten Villagra, Räikkönen, Al-Quassimi, Kuipers, Van Merksteijn oder den unglücklichen Mads Östberg (musste am Morgen mit Getriebeschaden abstellen) hinter sich lassen.

Schade nur, dass solche sportlichen Leistungen im Schatten eines lächerlichen Wettbremsens stattfinden müssen. Abhängig von den Zeitabständen, die sich tagsüber ergeben, könnte auch am Samstagabend wieder kräftig in die Eisen gestiegen werden. Die eigentliche Rallye würde dann am Sonntagvormittag starten…



Nach Tag 1 (SP 7)

 1.  Jari Matti Latvala  Ford            1:23:31.4
 2.  Mikko Hirvonen      Ford               + 11.5
 3.  Sébastien Loeb      Citroen            + 13.7
 4.  Sébastien Ogier     Citroen            + 16.7
 5.  H.Solberg/I.Minor   Stobart Ford     + 2:06.5
 6.  Matthew Wilson      Stobart Ford     + 2:11.2
 7.  Armindo Araujo      Mini S2000       + 3:43.7
 8.  Federico Villagra   Munchi's Ford    + 4:31.9
 9.  Kimi Räikkönen      Ice 1 Citroen    + 4:33.1
10.  Khalid Al Qassimi   Abu Dhabi Ford   + 4:35.2

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