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"Die Privaten sind Citroen komplett egal!"

Kurier-Reporter Wolfgang Nowak ist im motorline.cc-Talk davon überzeugt, dass Manfred Stohl von Citroen gebremst wird.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Wolfgang Nowak privat, Photo 4

Manfred Stohl und Ilka Minor fuhren im Vorjahr mit dem Peugeot 307 WRC regelmäßig auf's Treppchen, errangen am Ende den hervorragenden vierten Platz in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Heuer, mit dem vom Weltmeisterteam, dem privaten Kronos Racing-Team, eingesetzten Citroen Xsara WRC kommt "Stohlito" nicht über Rang sechs hinaus.

Immer öfter kann man hören, dass der Xsara, den Kronos für diese Saison erhielt, nahezu nichts mit jenem Xsara gemein hat, mit dem Sébastien Loeb im Vorjahr Champion wurde, dass der Stohl-Xsara von den Bauteilen her bestenfalls dem Stand von 2005 entspricht.

Kurier-Reporter Wolfgang Nowak hat seine eigenen Gedanken zu dieser Angelegenheit, diese wollten wir Ihnen nicht vorenthalten...

Wolfgang, du hast dir deine eigenen Gedanken zu Manfred Stohl und dem 'Weltmeisterboliden' gemacht....

Das sind nicht meine eigenen Gedanken - jeder, der die Rallye-WM genauer verfolgt, wird erkennen, dass das Problem von Manfred Stohl Dani Sordo heißt. Citroen wird nie im Leben zulassen, dass ein Xsara vor einem C4 platziert ist. Es wurden Millionen von Euro in die Entwicklung des C4 investiert - würde Manfred mit dem Xsara den C4 von Sordo schlagen, wäre das eine Bankrotterklärung für die Designabteilung von Citroen. Der Xsara ist ein Auslaufmodell, der C4 ist die Zukunft.

So gesehen wäre es gut, wenn der Sordo schneller wäre...

Sordo ist auf Asphalt sehr gut, aber auf Schotter läuft es nicht hundertprozentig. Wenn Sordo Siebenter wird, dann wird Manfred Zehnter. Wenn Sordo Vierter wird, darf der Manfred Siebenter werden. Man kann bei jedem Service beobachten, wie ein Citroen-Techniker mit Laptop vor dem Motor des Stohl-Xsara steht

Du meinst explizit, dass man Manfred je nach Lage bewusst verlangsamt, indem man den Motor elektronisch zurecht stutzt?

Das kann ich nicht beweisen, aber ich kann es mir sehr gut vorstellen. Selbst wenn das Auto einmal gut liegt, der Manfred sich wohl fühlt und sich die Seele aus dem Leib fährt, ist das Auto dann einfach zu langsam.

Wobei ja auch noch hinzukommt, dass der Xsara 2007 nur wenig mit dem Xsara von 2006 zu tun hat, was das Innenleben anbelangt.

Wer kann schon sagen, ob nicht in dem 2006er-Xsara von Loeb bereits die Teile des C4 verbaut waren.

Es gibt Gerüchte, die OMV könnte aus dem Vertrag mit Citroen aussteigen. Wie schätzt du die Lage ein?

Einen solchen Ausstieg kann ich mir gut vorstellen, allerdings fehlen im Moment die Alternativen. Sollte es der OMV gelingen, dem Manfred zum Beispiel einen Mitsubishi hinzustellen, würde dieser wohl dankend annehmen. Citroen ist der Xsara egal, sonst würden sie ihm nicht so eine Kraxn hinstellen. Es gibt für Citroen nur noch den C4, die Privaten sind den Franzosen komplett egal.

Manfred läuft in dieser Situation Gefahr, seinen guten Ruf zu beschädigen - obwohl er um nichts schlechter fährt als im Vorjahr...

Das Schlimmste, das dem Manfred passieren kann ist, dass sie ihm im Herbst einen C4 hinstellen - mit den Teilen des alten Xsara. Nach dem Motto: 'Jetzt hast du die ganze Zeit über das Auto gejammert, jetzt zeig was du kannst!'. Nur, dass der C4 dann eben alles andere als ein C4 wäre.

Das wäre wahrlich eine Katastrophe, weil viele Leute dann glauben könnten, es würde am Fahrer liegen.

Genau. Ich sage immer: Kronos Racing wird schon lange nicht mehr von Belgien aus gesteuert, die Hebel werden in Paris bedient.

Dabei hat Kronos am Ende der letzten Saison noch ganz brav die Autos im roten Citroen-Design antreten lassen - das ist jetzt der Dank dafür - ein beinhartes Business...

Im Vorjahr durfte man die Weltmeisterschaft gewinnen, Marc van Dalen wurde zum Teamchef des Jahres gewählt. Heute darf er bestenfalls die Heckscheibe des Xsara putzen, so schaut's aus. Zumindest schätze ich die Lage so ein.

Zusatzfrage: Du hast in Monaco eine interessante Lektüre gefunden?

Ich habe die neue Autohebdo gelesen, Frankreichs größte Motorsportzeitschrift. Dort gibt es eine Rückbetrachtung zur Sardinien-Rallye, in der die einzelnen Fahrer bewertet werden. Dort steht geschrieben: 'Manfred Stohl immer schwächer. Es ist völlig unverständlich, warum Manfred Stohl mit den neuen Ideen und neuen Lösungsvorschlägen, die ihm Citroen immer wieder zuliefert, nicht zurechtkommt'. Was soll man dazu noch sagen? Da geht es scheinbar um hohe Politik.

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