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WEC: Le Mans

Toyota-Albtraum: "Keine verdammte Power"

Kazuki Nakajima verlor fünf Minuten vor Schluss den sicher geglaubten Sieg in Le Mans - Anthony Davidson erläutert, wie die Minuten des Grauens bei Toyota abliefen.

Niederlagen mit Würde hinzunehmen gilt als eine der wichtigsten japanischen Tugenden. Das Toyota-Team bewies Würde im Angesicht des wohl schlimmsten sportlichsten Albtraum, den sich der Motorsport nur ausdenken kann: Eine Runde vor Schluss verlor Toyota erneut den so herbeigesehnten ersten Le-Mans-Sieg. Trotzdem stand Anthony Davidson Motorsport-Total.com Rede und Antwort und schildert die vielleicht schlimmsten Minuten seines Lebens aus erster Hand.

Vorweg: Was genau am Toyota TS050 Hybrid von Anthony Davidson, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima schiefgelaufen ist, weiß das Team selbst noch nicht. Es steht nur fest: Es war ein Problem mit dem Verbrennungsmotor. Eine Laune des Schicksals, wie sie schlimmer nicht hätte ausfallen können.

Anthony Davidson erläutert detailliert, wie die Horror-Minuten abliefen: "Ich war in der Box noch in meinen zivilen Klamotten, weil ich nicht mehr fahren musste." Andere Fahrer sitzen zu diesem Zeitpunkt bereits in voller Renn-Montur, die sie bei der Siegerehrung würde tragen müssen. "Aber ich bin da etwas abergläubisch", so der 37-Jährige. Zehn Minuten vor Schluss musste er dann aber doch los. "Ich stieg also in meinen Rennanzug und hörte mit Kopfhörern den Funk ab. Ich wollte mir die Teamfeier im Funk anhören und was sie sich gegenseitig sagen." Doch dazu sollte es nicht kommen.

Erster beunruhigender Funkspruch

Zunächst lief noch alles nach Plan: Der Porsche #2 von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb kam noch einmal an die Box, um Reifen zu wechseln. Toyota schien das Rennen endgültig in der Tasche zu haben. "Sie wiesen Kazuki an, langsamer zu machen und es locker angehen zu lassen. Danach herrschte einige Zeit Stille, es lief alles normal." Es waren noch zwei Runden zu fahren und Nakajima rollte die Hunaudieres-Gerade herunter.

Davidson beschreibt, was dann geschah: "Dann sagte Kazuki plötzlich: 'Ich verliere Leistung.' Wenn ein Fahrer das meldet, denkt man normalerweise an nichts zu Schlimmes. Es kann ja nicht zu viel Leistung sein. Wie viel hat er wirklich verloren? Vielleicht fühlt er etwas, weil er in einer solchen Situation in alles im Auto genau rein hört." Natürlich wurde Davidson trotzdem hellhörig, schließlich war der Porsche #2 nur 90 Sekunden nach seinem Stopp zurück. Und würde mit Mehr-Leistung womöglich noch zur Gefahr werden. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.

Panik an allen Fronten

Nakajima meldete sich erneut. "Er funkte wieder mit völlig verzweifelter Stimme: 'Ich habe keine verdamme Power (äußerst defensiv übersetzt; Anm. d. Red.)!' Wegen der Panik in seiner Stimme war mir sofort klar, dass es etwas Schlimmes sein musste." Panik im Cockpit, Panik bei den Ingenieuren. Etwas war am Verbrennungsmotor nicht in Ordnung. Der Toyota 6 arrangiert wird. Doch Stephane Sarrazin fuhr vorbei - von da an war klar, dass etwas gar nicht stimmte.

"Ich sah die Fernsehbilder und wusste sofort, dass es ein Riesenproblem war", erinnert sich Davidson weiter. "Ihm wurde gesagt, das Auto anzuhalten und einen Reset durchzuführen. Es war ein verzweifelter Versuch, das Fahrzeug wieder in Gang zu bringen. Sie gingen panisch alles Erdenkliche durch. Aber er sprang einfach nicht mehr an." Millionen von Zuschauern am Fernseher und an der Rennstrecke konnten nicht glauben, was sich dort abspielte.

Grausamkeit in nie gekannter Dimension

Für das gesamte Toyota-Team spielte sich eine Katastrophe ab. "Ich bin am Boden zerstört wegen unserer Teamkollegen", sagt Mike Conway, der gemeinsam mit Stephane Sarrazin und Kamui Kobayashi zum dritten Mal einen zweiten Platz für die Toyota Motorsport GmbH bei den 24 Stunden von Le Mans einfuhr. "Sie haben so ein tolles Rennen gefahren und alles kontrolliert. Es ist so grausam."

Auch Anthony Davidson kann es nicht glauben: "Le Mans ist schon öfters grausam zu mir gewesen. Ich habe es so viele Male angeführt, aber nie das Privileg gehabt, auf der obersten Stufe des Podiums zu stehen. Aber das heute war einfach eine andere Dimension. Selbst wenn wir erfahren, was es war, wird es den Schmerz nicht lindern können." Für Toyota wird eine bittere Analyse in Köln und Japan anstehen. Sie werden es mit Haltung tun - wie in den Minuten nach der Tragödie.

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