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Rallye-WM: Neuseeland

Hirvonen und Latvala im Pech

Die Neuseeland-Rallye endete nach einem Reifenschaden mit einem enttäuschenden Podestplatz für Mikko Hirvonen, zuvor lag der Finne in Führung...

Foto: Ford

Dramatischer kann Motorsport kaum sein: Die Ford Focus RS WRC-Besatzung Mikko Hirvonen und Jarmo Lehtinen beendete die Rallye Neuseeland, elfter von 15 Läufen zur diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft, mit Rang drei zwar auf einem Podestplatz – vor Beginn der letzten „echten“ Wertungsprüfung allerdings hielt das BP Ford Abu Dhabi-Werksteam noch einen Doppelsieg in den Händen. Doch auf dem mit 29,72 Kilometer langen Schotter-Klassiker „Whaanga Coast“ überschlugen sich die Ereignisse und warfen den amtierenden Konstrukteurs-Weltmeister buchstäblich in letzter Sekunde zurück.

Als erstes erwischte es Jari-Matti Latvala und Miika Anttila im zweiten Werks-Ford Focus RS WRC rund 3,5 Kilometer nach dem Start in die 15. von 16 Wertungsprüfungen über insgesamt 353,04 Kilometer: „Ich habe in einer langgezogenen Linkskurve – in der die letzten Fahrzeuge während des ersten Durchgangs nur noch eine sehr schmale Spur sauber gelassen haben – an der Hinterachse den Grip verloren, das Auto kam sehr quer“, rapportierte das 23-jährige Nachwuchstalent, der die dritte Etappe als Gesamtführender in Angriff genommen hatte, niedergeschlagen. „Obwohl ich noch versuchte, den Wagen durch Vollgas zu stabilisieren, drehten wir uns und touchierten die Böschung auf der Kurveninnenseite. Dabei wurden die Kühler zerstört. Als die Warnlampen für die Öl- und Wassertemperatur aufleuchteten, hatte unsere Rallye ein Ende gefunden.“

Seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen erging es nicht besser. Er profitierte auf der morgendlichen Schleife des Sonntags zunächst von der ersten Startposition Latvalas, der die oberste Staubschicht von den schnellen und geschwungenen Schotterpisten „gefegt“ hatte, und übernahm bereits nach zwei Prüfungen die Führung. Zeitgleich war Hirvonens Titelrivale Sébastien Loeb durch einen Dreher um zehn Sekunden auf Rang vier hinter Dani Sordo zurückgefallen. „Als ich Jari-Matti am Streckenrand stehen sah, wusste ich, dass ich eigentlich nur noch ankommen muss, um zu gewinnen“, ärgerte sich der 28-jährige Finne später. „Neun Kilometer vor dem Ziel stellte ich jedoch einen schleichenden Plattfuß hinten rechts fest – keine Ahnung, wo und wann wir den Reifen beschädigt haben sollen. Kurz vor Prüfungs-Ende drehten wir uns auch noch und verloren zusätzliche Zeit – es sollte einfach nicht sein …“

Während Hirvonen auf Rang drei zurück fiel und Latvala ganz aufstecken musste, rückte Titelverteidiger Loeb auf Platz eins vor seinem Teamkollegen Sordo vor. In der Fahrerwertung liegt der Franzose (86 Punkte) damit acht Zähler vor seinem Herausforderer. Vier WM-Läufe vor Saisonende trennen Ford in der Konstrukteurswertung 20 Punkte vom Tabellenersten. „Der Ausgang dieser Rallye gehört zu den größten Enttäuschungen meiner bisherigen Karriere“, gestand Hirvonen im Ziel. „Aber so ist es im Sport manchmal. Unsere Titelchancen haben sich damit natürlich nicht verbessert, noch jedoch ist nichts verloren, wir geben nicht auf. Ich für meinen Teil weiß, dass ich hier hätte gewinnen können. Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter …“

„Mit diesem Resultat haben wir nach dem Zwischenstand vor der letzten echten WP nicht gerechnet“, räumte auch Malcolm Wilson ein, der Direktor des Teams BP Ford Abu Dhabi. „Platz drei bei dieser Rallye zählt zu den größten Enttäuschungen, die wir je hinnehmen mussten. Ich kann mir vorstellen, wie bitter sich Mikko Hirvonen fühlen muss. Ebenso wie Jari-Matti Latvala lieferte er bei dieser anspruchsvollen Rallye eine fantastische Vorstellung ab. Beide haben bewiesen, dass sie den Kampf mit Sébastien Loeb aufnehmen können. Wir lassen den Kopf jetzt nicht hängen sondern kämpfen weiter.“

„Vielleicht sind es Tage wie dieser und Rallyes wie der diesjährige WM-Lauf in Neuseeland, die diesen Sport so attraktiv und faszinierend machen“, resümmiert Mark Deans, Motorsportdirektor von Ford Europa. „Wir mussten zwar einen Rückschlag hinnehmen, geben unsere Ambitionen auf eine dritte Konstrukteurs-Weltmeisterschaft in Folge deswegen aber nicht auf – noch stehen vier WM-Läufe aus. Und dass im Rallye-Sport alles möglich ist, haben wir erst heute am eigenen Leib erlebt.“

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