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WRC: Deutschland-Rallye

„Soooo viel Dreck“

In den Weinbergen rund um Trier profitieren die VW—Piloten von der Startreihenfolge, der Rest beklagt verdreckte Kurven. Kogler auf Platz 12 der RC4.

Michael Noir Trawniczek

Bei Trockenheit wurden am Freitagvormittag die ersten drei Sonderprüfungen der Deutschland-Rallye in Angriff genommen – allerdings waren die Wiesen am Streckenrand nass, die Rallyeboliden haben beim Schneiden der Kurven also recht bald rutschigen, heimtückischen Schlamm auf die Fahrbahn befördert…

Die drei in der WM führenden Volkswagen-Piloten haben diesmal von der Startreihenfolge nach WM-Stand profitiert, da die Streckenverhältnisse mit jedem Auto schlechter wurden…

Weltmeister Sebastien Ogier und sein Teamkollege Jari-Matti Latvala teilten sich die Bestzeiten auf – Ogier, auf den Prüfungen SP 1 und SP 2 jeweils der Schnellste, führt nach dem ersten Durchgang 1,9 Sekunden vor Latvala. „Im Augenblick scheint es ein Duell zwischen mir und Jari-Matti zu sein“, stellte der Franzose trocken fest. Sein finnischer Kontrahent reklamierte nach SP 2, dass ihm „noch etwas Vertrauen fehlen“ würde…

Mit bereits 24 Sekunden Rückstand belegt Kris Meeke trotz eines Drehers auf SP 1 den dritten Platz. Der Citroen-Pilot erklärte leicht säuerlich: „Haben sich die WM-Führenden auch hier über die Startreihenfolge aufgeregt? Ich denke nicht – denn die Strecke ist dermaßen verdreckt, dass wir Zeit verloren haben. Wenn das nicht der Fall wäre, könnten wir mit ihnen mithalten.“

Ein wütender, ein furioser Dani Sordo liegt mit 28,6 Sekunden auf Platz vier. Der Hyundai-Pilot ärgerte sich maßlos über die Startreihenfolge, denn er musste auf Startposition 14 noch hinter den Privatiers losfahren: „Es ist unglaublich, da ist so viel Dreck in den Kurven, es ist dort dermaßen rutschig. Ich kann unter diesen f*****g Bedingungen nicht starten. Wir sollen hier etwas Gutes zusammenbringen - aber das können wir nicht, wenn wir hinter diesen Autos starten müssen.“

Andreas Mikkelsen, bei Volkswagen der „dritte Mann“, hätte wohl auch als Dritter in die Mittagspause gehen können, hätte er nicht auf SP 3 eine Felge beschädigt, sodass er die letzten vier Kilometer mit einem Plattfuß bestreiten musste, was ihn laut eigenen Angaben 14 Sekunden gekostet habe. Wie auch immer: Mit 31,4 Sekunden Gesamtrückstand liegt der Norweger nun auf Platz fünf.

Nur wenige Zehntelsekunden dahinter belegt Mads Östberg im zweiten Citroen Platz sechs, dicht dahinter rangiert Mikko Hirvonen als bester M-Sport-Pilot auf Rang sieben. Der Finne hat auf SP 1 einen Abzweig überschossen und nützte einmal mehr die Gelegenheit, die „Qualitäten“ seines Ford Fiesta WRC herauszustreichen. Süffisant bemerkte er: „Es ist, als würden wir in einer anderen Meisterschaft fahren…“

Thierry Neuville, dessen Hyundai-Mechaniker am Morgen von einigen VW-Mechanikern Applaus erhielten, nachdem diese über Nacht sein auf dem Shakedown ramponiertes i20 WRC wieder fahrtauglich machen konnten, haderte mit Problemen mit der Handbremse. „Das ist vielleicht noch eine Folgewirkung des Unfalls“, vermutete der Belgier, der nach SP 2 zugab, man habe sich auch „ein wenig im Aufschrieb verloren“.

Ein braver Elfyn Evans (M-Sport) belegt mit 40,5 Sekunden Rückstand Platz neun, gefolgt von Bryan Bouffier im dritten Hyundai. Der Franzose gab ganz offen zu: „Die rutschigen Bedingungen haben mich etwas überrascht, ich musste ein wenig zurückstecken.“

Mit bereits etwas mehr als einer Minute Rückstand belegt Martin Prokop im Ford Fiesta WRC des Czech Rallye Teams Platz elf – der tschechische Privatier war ob seines fahrbaren Untersatzes absolut „not amused“. Unverblümt erklärte er: „Das Auto ist ein Horror, ich mag es nicht und ich kann damit nicht fahren. Wirklich seltsam, das ist gar nicht gut.“

Stichwort „gar nicht gut“: Robert Kubica kam nach zwei neuntschnellsten Zeiten auf der SP „Moselland“ einmal mehr von der Strecke ab, konnte sich aber mit einem Zeitverlust von etwas mehr als vier Minuten ins Ziel retten. Reumütig erklärte der Pole: „Wir sind in einer Kurve, die zumacht, von der Strecke abgekommen – mein Fehler, ich bin von der Linie abgekommen.“

WRC2: Sousa führt – Kremer im BRR-Skoda auf Platz sechs

In der WRC2 lag zunächst Citroen-„Ziehsohn“ Sebastien Chardonnet im Citroen DS3 R5 in Führung, doch vor der letzten Sonderprüfung meldete sich die Servolenkung ab. Der Franzose klagte: „Ich musste die ganzen 21 Kilometer ohne Servo fahren – es ist unmöglich, so zu fahren.“ Die Konsequenz: Chardonnet verlor etwas mehr als zwei Minuten und liegt nun auf dem achten und damit vorletzten Rang der WRC2.

In Führung liegt somit der Portugiese Bernardo Sousa auf einem Ford Fiesta S2000, doch nur knapp dahinter folgt der Stiefsohn von Henning Solberg, Pontius Tidemand auf einem Fiesta R5. Nasser Al-Attiyah liegt im Fiesta S2000 mit 11,5 Sekunden Rückstand auf Platz drei, wenige Sekunden dahinter folgt Ott Tänak im Fiesta R5 auf Platz vier. Lokalmatador Armin Kremer belegt im Baumschlager Rallye Racing Skoda Fabia S2000 mit 19,3 Sekunden Platz sechs der WRC2.

WRC3: Lukacs im Wurmbrand-DS3 Letzter

In der WRC3 respektive der Junior WRC, in der sämtliche Teilnehmer einen Citroen DS3 R3 pilotieren, führt Lokalmatador Christian Riedemann 5,4 Sekunden vor dem Franzosen Eric Camilli sowie 8,9 Sekunden vor Stefan Lefebvre.

Der Ungar Kornel Lukacs belegt im DS3 des Waldviertler Wurmbrand Racing Teams den neunten und letzten Platz der WRC3 sowie den achten und letzten Platz der Junior WRC. Ob es technische Probleme gab, ist derzeit nicht bekannt.

RC4: Kogler auf Platz zwölf

Michael Kogler und Jürgen Heigl konnten in der Klasse RC4 für R2-Fahrzeuge auf der ersten Prüfung mit der zehntschnellsten Zeit von 24 Teilnehmern eine respektable Leistung bieten, zumal Kogler heuer noch wenige Rallyes absolviert hat. Nach SP 3 lagen die beiden Österreicher im von Peugeot Slowakei eingesetzten Peugeot 208 R2 auf Platz zwölf in der Klasse RC4 sowie auf Gesamtrang 57.

Am Nachmittag werden die drei Kult-Sonderprüfungen „Sauertal“, „Waxweiler“ und „Moselland“ ein zweites Mal absolviert – die Streckenkonditionen werden dann, konträr zu gutem Wein, noch schlechter sein. Doch das ist Rallye, so darf es sein…

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