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Grönholm führt 26,1 Sekunden vor Petter Solberg

Viel Schlamm, wenige Kilometer am ersten Tag der Türkei-Rallye. Marcus Grönholm (Ford) führt 26,1 Sekunden vor Petter Solberg (Subaru), rund 22 Sekunden dahinter kämpfen Mikko Hirvonen (Ford) und Henning Solberg um Platz drei. Manfred Stohl (Peugeot)Neunter, Andreas Aigner (Skoda) auf Rang 13.

Michael Noir Trawniczek

Die erste Etappe der Türkei-Rallye wurde stark von dem bereits gestern heftig wütenden Unwetter beeinflusst. Nachdem ein Sturm am Vorabend für fliegende Zelte und Chaos im Servicepark gesorgt hatte, mussten am Freitagmorgen gleich einmal die ersten Wertungsprüfungen abgesagt werden - weil der Rettungshubschrauber im heftigen Regen und bei schlechten Sichtverhältnissen eine Bergelandung nicht hatte garantieren können. Die Prüfungen wurden im Etappentempo durchfahren.

Für heftiges, aber auch ehrfürchtiges Kopfschütteln sorgte Topfavorit Marcus Grönholm, als er auf der lediglich zehn Kilometer langen dritten Wertungsprüfung bei widrigsten Strecken- und Wetterkonditionen dem Rest des Feldes sagenhafte 24 Sekunden abknöpfen konnte. Ford-Stallkollege Mikko Hirvonen schnaubte: "Er muss verrückt sein - bei diesen Bedingungen, das ist einfach unglaublich!"

Schlammhölle

Weil die vierte Prüfung durch den Dauerregen und das Befahren am Morgen eine einzige Schlammhölle darstellte, musste auch sie gestrichen werden. In der Folge wurde auch SP 5 von 24 auf rund 10 Kilometer zurückgestutzt. Die Rallyepiloten, die Autos und Mechaniker sowie Ingenieure wurden mit Unmengen von Schlamm konfrontiert - die Türkei-Rallye geriet zumindest am ersten Tag im wahrsten Sinne des Wortes zu einer "Schlammschlacht".

Nach der Mittagspause führte Grönholm rund 37 Sekunden vor Petter Solberg, dahinter Mikko Hirvonen und Colin McRae. Manfred Stohl und Andreas Aigner belegten die Ränge 10 und 12.

Solberg dominierte am Nachmittag

Vor der letzten "echten" Wertungsprüfung konnte Petter Solberg mit einer Bestzeit auf SP 7 den Rückstand auf rund 30 Sekunden minimieren. Und auch in der rund 30 Kilometer langen achten Wertungsprüfung "Phaselis" war Solberg mit seinen 24:17.1 Minuten am schnellsten unterwegs, womit er den Rückstand auf exakt 28 Sekunden reduzieren konnte. Im Rahmen der abschließenden Superspecial-Zuschauerprüfung auf dem Gelände der Akdeniz-Universität, welche der Norweger ebenfalls gewinnen konnte, verkürzte Solberg den Rückstand auf 26,1 Sekunden.

Ein sichtlich zufriedener Petter Solberg jubelte: "Das ist ein sehr guter Tag für uns. Mein Auto hat über lange Zeit gehalten, ich lag auf SP 8 bereits mit zwölf Sekunden in Führung - doch dann stellten sich abermals die Traktionsprobleme ein." Der Norweger hatte bereits am Vormittag über eine mangelhafte Traktion geklagt, räumte jedoch ein: "Es ist zumindest weitaus besser als es noch auf Zypern war."

Rallye-Leader Marcus Grönholm beendete die achte Prüfung auf Rang drei, belegte auf der Superspecial Rang fünf und gab zu Protokoll: "Dass wir jetzt als erste auf die Strecke müssen, ist nicht allzu gut für uns. Wir haben am Nachmittag ganz schön viel Zeit auf Petter verloren. Hoffentlich trocknen die Strecken für morgen ab." Gegenüber Autosport verriet er seine Taktik für die zweite Etappe: "ich werde tun, was ich tu muss, auf jeden Fall werde ich nicht so aggressiv fahren, wie ich das in einem Kampf gegen Sébastien [Loeb, d. Red.] tun müsste - aber es ist trotzdem nicht leicht."

Die zweite Speerspitze des Ford-Rennstalls, Mikko Hirvonen, liegt 22,7 Sekunden hinter Solberg auf dem dritten Zwischenrang. Nach der achten Prüfung schwärmte der 24-jährige Finne: "Ich kämpfe und es ist ein wirklich fantastisches Gefühl."

Kampf um Platz 3

Jubeln durfte auch der Bruder von Petter Solberg - Peugeot-Pilot Henning Solberg sorgte auf SP 8 mit der zweitschnellsten Zeit für einen Doppelsieg der Solberg-Brüder und sicherte damit seinen vierten Gesamtrang ab. Besser noch: Am Ende des ersten Tages liegt Solberg nur noch sieben Zehntelsekunden hinter Hirvonen. Für morgen Samstag zeichnet sich also ein harter Kampf um den dritten Platz ab - Henning Solberg ist weniger als eine Sekunde vom Siegerpodest entfernt.

Kosti fühlt sich gut

Schon am Morgen ließ Stobart-Pilot Kosti Katajamaki in seinem Ford Focus RS 2004 WRC mit dem dritten Platz aufhorchen - mit der sechsten Zeit auf SP 8 rückte der Finne auf den fünften Gesamtrang vor. Auf Henning Solberg fehlen ihm 22,7 Sekunden - auf den Sechsten, Colin McRae, weist er einen Vorsprung von 13,7 Sekunden auf. Katajamaki kommentierte seine beachtliche Performance mit den Worten: "Ich fühlte mich einfach gut, beinahe könnte ich sagen, dass ich nicht besser hätte fahren können."

Colin McRae ist not amused

Weitaus weniger erfreulich verlief der erste Tag für den Rallye-"Heimkehrer" und Ersatzfahrer für den verletzten Sébastien Loeb, Colin McRae. Schon am Vormittag bezeichnete er die Bedingungen als "scheußlich" und fügte an, dass unter diesen Voraussetzungen der Spaß verloren ginge. Während McRae am Vormittag mit seinem nagelneuen Citroen Xsara noch den vierten Rang belegen konnte, rutschte der Schotte am Nachmittag auf den siebenten Rang ab, konnte jedoch in der Superspecial jene Zehntelsekunden gutmachen, die ihm auf Subaru-Pilot Chris Atkinson fehlten. Atkinson liegt nun sechs Zehntel hinter McRae auf Rang sieben.

Colin McRae erklärte: "Das war heute ein wirklich harter erster Tag. Wir konnten hier nichts ausrichten - es war einfach fürchterlich." Colin McRae ist dennoch der bestplatzierte Kronos-Pilot - Xavier Pons reiht sich 7,7 Sekunden hinter Atkinson auf Rang 7 ein, Dani Sordo belegt nur den elften Gesamtrang.

Stohl "nicht auf Pace"

Mit seltsamen Problemen mussten sich die beiden im Rallye-Tross vertretenen Österreicher herumschlagen. Manfred Stohl beklagte am Vormittag eine mangelnde Beschleunigung aus den Kurven heraus. Nach der Mittagspause erklärte er in Anspielung an die harten Bedingungen: "Die Safari-Rallye lebt!" Nach der achten Prüfung erklärte der Wiener: "Wir hatten einen sicheren und guten Lauf, es gab keine Probleme."

Am Ende fanden sich "Stohlito" und seine Co-Pilotin Ilka Minor auf dem neunten Zwischenrang wieder. Stohl: "Ich denke, dass die Strecke mit jedem Auto immer schneller wurde. Wir fahren derzeit nicht die Pace, die wir fahren wollen." Auf den achtplatzierten Pons fehlen exakt 22 Sekunden - 3,6 Sekunden hinter Stohl lauert Francois Duval, der die erste Etappe als bester Skoda-Pilot abschließen konnte.

Aigner von seltsamen Aufhängungsproblemen geplagt

Nach einem tollen siebenten Platz am Morgen wurde es für Andreas Aigner knifflig und rätselhaft. Ein seltsames Problem plagte den Österreicher. Aigner erklärte nach SP 8: "Es fühlt sich an, als ob ich auf der Felge fahren würde, es ist seltsam - dabei haben wir beim Service die gesamte Aufhängung ausgetauscht." So konnte Aigner in der letzten echten Prüfung nur die 13. Zeit fahren und rutschte in der Gesamtwertung auf den 13. Platz ab - direkt hinter seinen Teamkollegen Harri Rovanperä, der SP 8 als Siebentschnellster beenden konnte.

Hoffen auf Trockenheit

Morgen Samstag wird um 8.33 Uhr Ortszeit (7.33 Uhr MEZ) die rund 20 Kilometer lange SP 10 "Kemer" gestartet. Die Prüfungen, welche im Anschluss absolviert werden, weisen bis auf SP 14 und die abendliche Zuschauerprüfung durch die Bank mehr als 20 Kilometer Länge auf. Auf die Rallye-Protagonisten wartet also ein nicht minder harter zweiter Tag. Die meisten Piloten werden wohl inständig auf trockene Pisten hoffen - und von "schlammigen" Träumen heimgesucht werden...

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