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WEC: 24 Stunden von Le Mans Dolan, Evans, Turvey, Jota, Gibson, Le-Mans-Testtag 2015

Vorschau auf die LMP2-Klasse

Die neuen Coupés von Ligier und Oreca gegen die bewährten offenen Fahrzeuge: Ein echter LMP2-Favorit ist in Le Mans kaum auszumachen.

Wenn sich am 13./14. Juni die Werksteams von Audi, Porsche und Toyota um den Gesamtsieg bei der 83. Auflage der 24 Stunden von Le Mans bekämpfen, tobt in der "zweiten Liga" ein wohl ebenso harter Fight. Die LMP2-Klasse ist mit 19 Fahrzeugen stark besetzt, mindestens zehn dieser Autos kommen für den Klassensieg in Betracht. Die Kategorie der kleineren Prototypen bietet große Vielfalt bezüglich der Chassis, entschieden wird das Rennen aber wohl über die Qualität der Piloten und Motoren.

Beim Vortest in Le Mans drehte Laurens Vanthoor im Ligier-HPD in 3:41,919 die schnellste Runde des Tages. Der Belgier mit GT-Background fand sich im LMP2 extrem schnell und gut zurecht, aber macht dies das Auto mit der Startnummer 34 zum Favoriten? Eher nicht, denn Vanthoor ist natürlich nicht allein am Steuer. Sein erfahrener Kollege Kevin Estre dürfte auf ähnlichem Niveau agieren, aber Gentleman-Fahrer Chris Cumming ist schlichtweg zu langsam. Der Kanadier verlor beim Test zehn Sekunden pro Runde und parkte überdies das Auto zwischenzeitlich im Kiesbett.

Baugleiche Fahrzeuge haben sicherlich bessere Chancen im Wettbewerb. Immerhin gehen sechs weitere Ligier JS P2 in den Wettbewerb, wovon allerdings nur zwei ganz oben auf der Favoritenliste auftauchen. Neben dem Oak #34 sind auch die beiden Ligiers von Extreme Speed mit dem HPD-Motor am Start, der bislang nicht durch allzu viel Power oder hohe Zuverlässigkeit geglänzt hat. Da hilft es den US-Amerikanern kaum, dass man im Auto mit der Nummer 30 mit Dalziel, Heinemeier-Hansson und Sharp die vielleicht stärkste Fahrerbesatzung hat.

G-Drive bestens aufgestellt

Der zweite Ligier von Oak mit Erik Maris, Jean-Marc Merlin und Jacques Nicolet dürfte aufgrund mangelnder fahrerischen Stärken ebenso chancenlos sein wie das baugleiche Auto von Krohn (Barbosa, Jönsson und Krohn) mit dem Judd-Antrieb – bleiben also die Fahrzeuge von G-Drive. Das russische Team um Roman Russinow ist bestens besetzt und hat mit dem bewährten Nissan-Motor starke Schubkraft im Heck. Beide Fahrzeuge des Teams sind fahrerisch stark aufgestellt.

Bird, Canal und Rusinov sowie Derani, Gonzalez und Yacaman bilden in den Ligier-Nissans jeweils homogene Trios. "Unser Auto ist konkurrenzfähig. Das haben wir in Silverstone und Spa gezeigt. Da interessiert es uns nur wenig, dass wir beim Test kaum gefahren sind", sagt Canal voller Selbstbewusstsein. Beim WEC-Saisonauftakt in Silverstone hatte das Team einen Doppelerfolg gefeiert, anschließend in Spa-Francorchamps holte man trotz des Pechs mit der Startnummer 26 immerhin noch Rang zwei.

Im Kampf der neuen, geschlossenen LMP2-Coupés bekommen es die beiden Ligiers von G-Drive mit zwei Oreca-05-Nissan von KCMG und TDS zu tun. Das Coupé aus der Oreca-Schmiede erinnert auffällig stark an das LMP1-Auto von Rebellion, aerodynamisch weit entwickelt und vor allem für die Topspeedjagd in Le Mans bestens geeignet. Besonders das Fahrzeug der Mannschaft aus Hongkong wird stark eingeschätzt.

Schneller neuer Oreca für KCMG

Weil KCMG-Stammpilot Nick Tandy in Le Mans im dritten Porsche 919 sitzt, wird der erfahrene Nicolas Lapierre die beiden Briten Richard Bradley und Matt Howson unterstützen. Der Franzose zeigte bei seinen bisherigen Einsätzen im Oreca-Nissan, dass er auch nach seinem Abschied aus dem Toyota-LMP1-Cockpit nichts an Tempo verloren hat. Man gehe mit großer Zuversicht in das Rennen, beteuern alle KCMG-Piloten; das spezielle Le-Mans-Aeropaket von Oreca brachte die gewünschten Ergebnisse.

TDS kommt aus der ELMS nach Le Mans. Bisher fehlen direkte Vergleiche im Wettbewerb, denn das Team um Pierre Thiriet hat an keinem der beiden WEC-Läufe 2015 teilgenommen. Neben Thiriet sitzen Ludovic Badey und Tristan Gommendy im Auto mit der Startnummer 46. Fahrerisch ist man also zwar nicht ganz so gut besetzt wie das baugleiche Fahrzeug mit der Nummer 47 von KCMG, dennoch hat TDS durchaus Chancen.

Aus der langen Reihe von Teams mit betagteren LMP2-Fahrzeugen ragen einige als mögliche Siegkandidaten heraus, z.B. der ehemalige Zytek, der nun nach einer erheblichen Überarbeitung Gibson 015S genannt wird und ausreichend Qualitäten hat, um im harten Wettbewerb in Le Mans ganz vorne mitzumischen.

Die britischen Teams Greaves und Jota setzen das Gibson-Chassis jeweils mit dem Nissan-Antrieb ein. Beide Autos sind sehr gut besetzt. Bei Jota hat Geldgeber Simon Dolan die beiden schnelleren Fahrer Mitch Evans und Oliver Turvey an seiner Seite, im Auto von Greaves kann sich Gentleman-Pilot Gary Hirsch auf die Qualitäten von Jon Lancaster und Björn Wirdheim verlassen. Dem Auto fehlt es etwas an Topspeed, was im Rennen aber über Konstanz und Zuverlässigkeit wettgemacht werden kann.

Murphy: Patterson als Bremsklotz?

Man wird es im Hause Oreca nicht allzu gerne hören, aber die alten 03er-Chassis sind in Le Mans ebenso siegfähig wie das neue 05er-Coupé. Murphy konnte beim Vortest deutlich zeigen, dass man mit dem offenen Auto und dem Nissan-Antrieb sehr wohl vorne mitmischen kann. "Das Ergebnis des Tests sagt nicht viel aus, aber es ist immer schön, wenn man gut unterwegs ist", meint Karun Chandhok, dem am Nachmittag die schnellste LMP2-Runde gelang.

Der Inder will sich mit starken Leistungen für einen möglichen Einsatz in der LMP1-Klasse empfehlen. "Das wäre ein Traum", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot. Allerdings ist Chandhok bezüglich eines möglichen Erfolgs in Le Mans klarerweise von anderen abhängig: Teamkollege Nathanael Berthon ist gut unterwegs, aber man hat auch noch Mark Patterson an Bord – nur wenn es gelingt, den US-Amerikaner in den Tagen vor dem Rennen auf ein halbwegs gutes Tempo zu bringen, hat man eine Chance.

Etwas homogener ist das Fahrertrio im Auto #36 von Signatech. Der Alpine A450B, der eigentlich ein offener Oreca 03 ist, hat seine Stärken schon oft im Wettbewerb bewiesen. Nelson Panciatici hat sich als schneller Prototypenpilot etabliert, Paul-Loup Chatin ist mittlerweile ein beständiger Fahrer, und Vincent Capillaire einer der schnelleren aus der Silberkategorie. Der weniger gut besetzte Oreca-Nissan von Ibanez dürfte kaum eine große Rolle spielen.

Große Auferstehung von SARD Morand?

Aber es gibt auf der Starterliste noch den überarbeiteten Morgan. Das Team SARD Morand hat sich nach einigen Turbulenzen zu Jahresbeginn wieder stabilisiert. Mit dem jungen Schweizer Zoel Amberg sowie Pierre Ragues und Oliver Webb hat man eine vergleichsweise solide Cockpitbesetzung. Der Morgan Evo zeigte beim Vortest den besten Topspeed in der LMP2-Klasse; ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es darum geht, sich bei Überrundungen den Weg an den GTE-Autos vorbei zu bahnen.

Der alte Morgan-Nissan von Pegasus (#42) hat sicherlich Außenseiterchancen. Wenn man nach einem kurzfristigen Markenwechsel die neuen Reifen schnell in den Griff bekommt, eröffnen sich für Jonny Kane, Nick Leventis und Danny Watts als eingespieltes Trio bestimmt einige Möglichkeiten. "Wenn man bedenkt, dass wir kaum Erfahrung mit den neuen Reifen und dem Le-Mans-Paket haben, sind die Plätze fünf und sechs in den Vortests nicht übel", meint Teamchef Dan Walmsley. "Wir sind gut in Form, alle im Team sind richtig angespornt."

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