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Rallye-WM 2008: Monte Carlo

Wird die WM 2008 ein Loeb-Durchmarsch?

Mit der klassischen Rallye Monte Carlo wird am Wochenende die neue WM-Saison eröffnet. Doch wer soll Weltmeister Sébastien Loeb schlagen?

Michael Noir Trawniczek

Schon am letzten Sonntag herrschte in Monte Carlo beim offiziellen Launch der Rallye-WM ein Blitzlichtgewitter - ab Donnerstag wird in der Gegend rund um das Fürstentum die erste Rallye der neuen Saison abgehalten. Sogar FIA-Präsident Max Mosley war vor Ort, um zu erklären, wie stolz er sei, mit Suzuki einen weiteren Hersteller in der Weltmeisterschaft begrüßen zu dürfen. Er würde sich auf eine "faszinierende und aufregende Saison der Rallye-Weltmeisterschaft" freuen, erklärte Mosley.

Weniger optimistische Seelen befürchten das glatte Gegenteil: Sébastien Loeb, der zuletzt vier WM-Titel in Folge gewinnen konnte, könnte heuer nämlich gänzlich ohne Gegner dastehen...

Mit Marcus Grönholm hat der einzige Pilot das Handtuch geworfen, der den Citroen-Schüler Loeb in den letzten Jahren herausfordern konnte. Dass sein Nachfolger im Ford-Werksteam, Mikko Hirvonen, ein ernsthafter Kandidat auf den WM-Titel sein könnte, glaubt selbst Marcus Grönholm nicht. Dem 28-jährigen Finnen werden einzelne Siege zugetraut - dass er jedoch "Super-Séb" im Titelkampf bezwingen kann, glaubt die Expertenwelt nicht.

Hirvonen bereit für den WM-Kampf?

Hirvonen kann die erste Saisonrallye "gar nicht mehr erwarten" und erklärte auch, er sei "bereit, um den WM-Titel zu kämpfen". In Wahrheit gibt es nur zwei mögliche Schwachpunkte im Gefüge rund um den übermächtigen Sébastien Loeb: Der Weggang seines "Ziehvaters" Guy Fréquelin als Citroen-Sportchef, in dessen Gefolge noch einige weitere Mitarbeiter des Werksteams gekündigt haben - womit Loeb also ein neues Umfeld vorfindet.

Zugleich muss auch Citroen, wie alle anderen Teams, auf die Einheitsreifen von Pirelli umsteigen. Mit BFGoodrich gab es einen bestmöglichen Datenaustausch, Citroen-Konzernmutter PSA gehören immerhin 20 Prozent an der BFGoodrich-Mutterfirma Michelin. Diese Verbindung gibt es nun nicht mehr.

Aber selbst diese Einschränkungen werden Loeb wohl nicht daran hindern, Seriensiege zu holen. Schon in Monte Carlo strebt Loeb "einen positiven Saisonbeginn" an, soll heißen: "Natürlich werden wir den Sieg anstreben!"

Hirvonen hingegen erklärte bereits im Vorfeld: "Wir werden bei jeder Rallye zunächst den Sieg anstreben - sollte das jedoch nicht möglich sein, werden wir eben Platz zwei anvisieren."

Gemeinsam mit Marcus Grönholm konnte Hirvonen in den letzten beiden Jahren den Markentitel für Ford erobern. An der Seite des vierfachen Rallyesiegers wird ab sofort sein junger Landsmann Jari Matti Latvala im Werks-Ford antreten. Der 22-jährige empfahl sich mit seinen tollen Leistungen im Stobart Ford.


Bei der Monte wird Latvala seinen ersten Werkseinsatz absolvieren. Der Druck ist groß - alles andere als eine erfolgreiche Titelverteidigung würde einer Niederlage gleich kommen.

Im Kampf um den Markentitel muss daher auch Dani Sordo im zweiten Citroen Gas geben - der frühere Juniorenweltmeister steht bei den Franzosen auf dem Prüfstand und muss heuer regelmäßige Podestplätze einfahren. Schon bei der Monte möchte Sordo daher das Podest besteigen.

Kein Mousse

Weil die Piloten dank das schaumartigen Mousse, welches die Reifen im Schadensfall von innen her ausschäumte und so eine Weiterfahrt ermöglichte, gnadenlos gecuttet, also die Kurven möglichst geschnitten haben, wird im Zuge der Einführung der Einheitsreifen dieses Mousse verboten.

Einige Piloten haben bereits anklingen lassen, dass sie deshalb ihre Boliden vorsichtiger in die Kurven werfen werden - ob dies zum Vorteil des Publikums ist, muss sich erst herausstellen.

Bei der Monte wird heuer Schnee und Eis erwartet - die Piloten bekommen drei Reifentypen zur Verfügung gestellt: Den DS Soft Slick für trockene Verhältnisse sowie den Snow WX, jeweils mit und ohne Spikes.

Suzuki erstmals vor voller WM-Saison

Neben den beiden Werksteams Citroen und Ford werden bei der Monte auch Subaru und Suzuki um WM-Punkte kämpfen. Wobei Subaru abermals mit dem modifizierten Vorjahrsboliden antreten wird - Subaru hofft auf möglichst unterschiedliche Wetter- und Streckenkonditionen, Prodrive-Boss David Richards hält dann sogar einen Podiumsplatz von Petter Solberg oder auch Chris Atkinson für möglich.

Die Punkteträume von Suzuki-Pilot Toni Gardemeister dürften sich jedoch nur dann verwirklichen, wenn ein großer Teil des WRC-Feldes vorzeitig ausfallen sollte. Suzuki wird bei der Monte erstmals mit zwei SX4-Boliden antreten, den zweiten Wagen pilotiert Juniorenchampion Per-Gunnar Andersson. Die Experten rechnen mit großen Rückständen - der Wagen wird sich seit den vernichtenden Testläufen auf Korsika und in Wales kaum derart verbessert haben...

Stobart mit Galli & Duval

Stark aufgestellt ist das Stobart Ford-Team - dort wurden für die Rallye Monte Carlo der belgische Asphaltspezialist Francois Duval und WM-Heimkehrer Gigi Galli für die Markenpunkte nominiert, zudem werden auch wieder Henning Solberg und Matthew Wilson, der Sohn von Ford-Teamchef Malcolm Wilson am Steuer eines Ford Focus RS WRC 07 sitzen.

Während sich Duval bei der Monte für weitere Einsätze empfehlen möchte, kann Galli auf einen vollen WM-Kalender blicken, der Italiener wird sämtliche WM-Läufe für Stobart bestreiten.

Rückkehr des 'Col de Turini'

Ein Comeback feiert auch der "Col de Turini" - eine Anhäufung klassischer Prüfungen über den Pass der französischen Hochalpen. Die vier Prüfungen werden am Sonntag, quasi als krönender Abschluss der ersten Saisonrallye absolviert.

Schon am Donnerstagabend wird die Kult-Rallye in Angriff genommen - mit zwei Nachtprüfungen, wobei die erste "St. Jean en Royans - Col de la Chau" mit ihren 28 Kilometern auch gleich die längste der gesamten Rallye darstellt. Die Rallye-WM wird also zumindest in Sachen Wertungsprüfungen rasant und anspruchsvoll eingeläutet.

Monte ohne Österreicher

Insgesamt weist die Nennliste der Monte Carlo-Rallye 19 WRC-Boliden auf, darunter auch drei Peugeot 307 WRC - das erklärte Lieblingsauto von Manfred Stohl. Der Österreicher wird heuer leider nicht an der Monte teilnehmen - bislang konnte "Stohlito" noch kein WM-Projekt für 2008 auf die Beine stellen - ein Trauerspiel, wenn man bedenkt, dass Stohl und seine Copilotin Ilka Minor 2006 den tollen vierten WM-Rang erzielen konnten. Weil auch Andreas Aigner erst in Schweden in die Rallye-WM einsteigt, wird die Monte erstmals seit 2004 wieder ohne österreichische Piloten über die Bühne gehen.

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