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ORM: Waldviertel-Rallye

Hauptsache Vortrieb

Trotz eines dauerhaften Defektes an ihrem Saab 96 konnten Andreas Fojtik und Thomas Polehnia einige wesentlich modernere Fahrzeuge hinter sich lassen.

Foto: Christa Feichtner

Es liegt in der Tradition der Saab-Tiefflieger, daß sie erst dann aufgeben, wenn nichts mehr geht, sprich: Wenn entweder der Motor oder die Kraftübertragung ihren Dienst völlig versagt. Altgediente Rallye-Hasen wissen Legenden zu erzählen von Einsätzen, wo auch nach mehreren Überschlägen noch weitergefahren wurde. Oder von Stig Blomqvist, der selbst auf drei Rädern noch wahre Kunststücke vollbracht hat. Bei Andreas Fojtik war es nicht ganz so schlimm: Der blieb immer sicher auf der Strecke, und auch alle vier Räder blieben an seinem Saab 96 V4 Baujahr 1967 dran. Dennoch absolvierte er die Waldviertel-Rallye unter erschwerten Umständen: Mancher Andere hätte das Feld geräumt.

Die besagten erschwerten Umstände lagen in einem Schaden am Differential der angetriebenen Vorderachse begründet, das offenbar bei der Mitnattssolsrallyt in Schweden, wo Andreas Fojtik von der Strecke abgekommen war, im Innenteil kaputtgegangen war. In der Folge haben sich die Kegelzahnräder, die für den Ausgleich zwischen den Halbachsen sorgen sollen, ineinander verkeilt, sodaß nur mehr ein starrer Antrieb vorhanden war. Somit neigte der Saab noch mehr zum Untersteuern als sonst, und auch die Lenkarbeit, die in Ermangelung einer Servo-Unterstützung ohnehin schon äußerst anstrengend ist, wurde deutlich mühsamer. Doch wie gesagt: Andreas Fojtik ließ sich auch durch solche Unpäßlichkeiten nicht von seinem Vorhaben abbringen, sich selbst und seinen Saab 96 bei der Waldviertel-Rallye einem gründlichen Härte- und Zuverlässigkeitstest zu unterziehen, und fuhr, wie es seiner Natur entspricht.

Dies reichte schon auf der Freitagesetappe, sich vor einigen deutlich moderneren Rallyewagen zu platzieren, obwohl sich hier aufgrund des hohen Asphaltanteiles die Stärken des Saab 96 nicht so sehr ausspielen ließen. Vor allem die Positionierung vor der Volvo-Gegnerschaft – quasi das Prestigeduell der beiden schwedischen Marken – war ermutigend. Am Samstag ging es dann noch ein wenig nach vorne, wobei leider die Prüfung Eggendorf – Burgstall – Schönberg beide Male aufgrund von Unfällen abgebrochen werden mußte. Dieser äußerst selektive Schotter-Rundkurs hätte wohl noch mehr zugunsten des Wiener Saab-Teams entschieden. Immerhin bot der abschließende Rundkurs Wolfhartsberg – Manhartsberg ein hervorragendes Erfolgserlebnis, denn hier konnten Andreas Fojtik und Thomas Polehnia eine 20. Gesamt-Zeit von 33 noch übrig gebliebenen Teilnehmer-Wagen in der internationalen Wertung herausfahren. Gewiß ein Meisterstück für das mit Sicherheit älteste Fahrzeug der gesamten Rallye, das sich noch dazu mit dem Handicap der starren Vorderachse durchschlagen mußte.

Mit Platz 24 in der Endwertung – und Platz Drei bei den Historischen bis Baujahr 1981 – hat das Team von Fojtik-Motors sicher einen guten Dienst getan, der einige ermutigende Erkenntnisse für den geplanten Start bei der Schweden-Rallye gebracht hat.

Bis dahin werden am Saab 96 noch ein paar kleine Vorbereitungsarbeiten erledigt werden, der im Übrigen außerordentlich servicefreundlich ist: Zwischen der Midnattssolsrallyt und der Waldviertel-Rallye wurden keinerlei Reparaturarbeiten am Wagen getätigt. Man kann sagen: Ein Idealfall für bestmögliche Kostengünstigkeit bei trotzdem maximalem Spaß. Eine Qualität, die bei modernen Rallyewagen leider sehr selten geworden ist.

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