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Rallye-WM: Interview

Nandan: Werden um den Titel kämpfen

Trotz 17 Punkten Rückstand will Hyundai den WM-Titel noch nicht abhaken – Teamchef Nandan über Stärken und Schwächen des i20 WRC.

Bei Hyundai gibt man sich trotz der verlorenen WM-Führung kämpferisch. Der Ausfall von Thierry Neuville bei der Deutschland-Rallye sorgte dafür, dass der Belgier nun 17 Punkte Rückstand auf M-Sport-Pilot Sébastien Ogier hat. "Wir haben momentan ein paar Schwierigkeiten, aber das Spiel ist noch nicht vorbei – und wir werden kämpfen", hielt Hyundai-Teamchef Michel Nandan im Gespräch fest. Drei WM-Rallyes sind noch zu fahren, allerdings konnte Neuville in Katalonien, Wales oder Australien noch nie gewinnen.

Zuversicht schöpft Hyundai vor allem aus der Konkurrenzfähigkeit des i20 WRC. Mit 41 Prüfungsbestzeiten und 29 Powerstagepunkten ist Neuville der schnellste Mann dieser Saison. "Das Auto war von Anfang an schnell", lobte Nandan das Fahrzeug. "Wenn man sich die Zeiten auf den Prüfungen anschaut, war unser Auto bei den meisten Rallyes das schnellste. Ein schnelles Auto alleine reicht aber nicht. Unsere Fahrer hatten zu Saisonbeginn ein wenig Pech. Die Ergebnisse wurden dann besser."

Ogier und Neuville haben jeweils eine Nullrunde hingelegt, insgesamt sammelte Ogier aber konstanter Spitzenergebnisse. "Er ist immer da und hatte bisher nur einen Ausfall. Thierry hatte hingegen eine ganze Reihe von Problemen", verwies Nandan auf die Fahrfehler zu Saisonbeginn. "Das macht am Ende den Unterschied. Wir haben drei Rallyes gewonnen und sind einige Male aufs Podium gefahren; es hat allerdings auch einige technische Probleme gegeben."

"Auf Sardinen hat ein kleines Bremsproblem einen möglichen Sieg von Thierry verhindert. In Mexiko haben technische Probleme an allen drei Autos ein Spitzenergebnis unterbunden. Um die Meisterschaft zu gewinnen, muss alles perfekt laufen, und das war bisher nicht der Fall", sprach der Hyundai-Teamchef Klartext. "Es ist immer noch möglich, wir werden um beide Meisterschaften kämpfen. Hoffentlich gewinnen wir zumindest eine, aber es wird immer schwieriger, denn unsere Gegner sind sehr gut."

In der Marken-WM hat Hyundai 64 Punkte Rückstand auf M-Sport. Die Zahlen belegen einerseits, dass Hyundai das schnellste Auto hat, andererseits sorgt die Erfahrung von M-Sport und Ogier dafür, dass beide die WM-Wertungen anführen. "Selbst wenn ihr Auto nicht das schnellste ist, finden sie immer einen guten Kompromiss" sagte Nandan über die Konkurrenz. "Unser Auto ist auf Asphalt wirklich gut, wenn vielleicht auch nicht das Beste. Das ist für mich der Citroën [C3 WRC; Anm.], auch wenn sie derzeit Rückstand haben."

Die verbleibenden drei WM-Rallyes werden auf Schotter ausgetragen, wobei in Spanien zwei Tage auf Asphalt über die Bühne gehen. "Auf Schotter funktioniert unsere Auto dann gut, wenn es ein gewisses Gripniveau gibt. Auf wirklich rutschigem Untergrund haben wir noch einen Rückstand", schilderte Nandan die Ausgangslage und ging ins Detail: "Wenn der Untergrund weich ist, und die Räder sich eingraben können, ist es okay, aber bei einem rutschigen Belag auf hartem Untergrund fehlt unserem Auto ein wenig Traktion. Das ist kein großer Unterschied, aber genau der, der darüber entscheidet, ob du Erster oder Dritter, Vierter bist."

Der i20 WRC ist insgesamt einfacher ins Arbeitsfenster zu bekommen als beispielsweise der C3 WRC. "Unser Auto ist auf verschiedenen Untergründen gut, vor allem bei engen und langsamen Rallyes", verwies Nandan auf die starken Prüfungszeiten bei den beiden WM-Läufen auf französischem Boden. "Bei den schnellen Rallyes, die ein gewisses Gripniveau bieten, liegt noch Arbeit vor uns. In Polen war das Auto beispielsweise sehr gut. Das ist zwar auch eine schnelle Rallye, aber mit einem besonderen Untergrund. Finnland ist genauso schnell, aber da ist der Untergrund ganz anders. Da braucht man eine Menge Abtrieb, um den nötigen Grip zu entwickeln." Für das nächste Jahr liegt das Hauptaugenmerk darauf, im aerodynamischen Bereich zuzulegen.

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