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Rallye-WM: Norwegen

Aufwachen, Mikko!

Loeb führt rund zehn Sekunden vor Hirvonen, der selbstkritische Finne möchte Gas geben. Aus für Super-Hero Andersson, Petter Solberg auf Platz 6.

Michael Noir Trawniczek

„Das Fahren macht Spaß und der Wagen hat gut funktioniert – aber ich habe keine perfekte Linie zusammengebracht und manchmal habe ich an Stellen gebremst, wo ich eigentlich gar nicht bremsen hätte müssen, vielleicht bin ich einfach noch nicht richtig wach…“ – diese Worte aus dem Munde des Ford-Titelkandidaten sagen im Grunde alles. Erstaunlich selbstkritisch für die heutige Zeit, begrüßenswert offen und recht gelassen, offenbar – doch der Finne steht eigentlich mächtig unter Druck: Wenn er sich auch in Norwegen Serienweltmeister Loeb geschlagen geben muss, wo sonst sollte der 28-jährige dann noch zuschlagen?

Auf der morgendlichen, rund 24 km langen SP 10 „Mountain1“ verlor der „verschlafene Mikko“ lediglich 0,7 Sekunden auf Bestzeithalter Loeb. Auf der nur 6,6 km langen SP 11 „Lillehammer1“ waren es schon 2,8 Sekunden, auf der rund 27 km langen SP 12 „Ringsaker1“ kamen weitere 3,3 Sekunden dazu – und sogar auf der nur 1,15 km langen Zuschauerprüfung von Hamar verlor Hirvonen weitere 1,3 Sekunden auf den allmächtigen Franzosen.

Vor dem Mittagsservice liegt Hirvonen insgesamt 10,7 Sekunden hinter Loeb zurück – nicht viel, einerseits. Andererseits könnte man auch sagen: Jede einzelne Sekunde ist zu viel, will Hirvonen den Sieg holen und heuer ernsthaft um den Titel fighten. Nach der 12. Prüfung gestand Hirvonen auch: „Ich habe keinen Fehler gemacht und ich kann nicht verstehen, wo Sébastien schneller fahren konnte. Es ist ein wunderbarer Kampf, aber ich kann ihn nicht ziehen lassen, ich muss einfach mehr Gas geben.“

“Séb und Mikko fliegen…“

Auch Ford-Jungstar Jari Matti Latvala gab nach der ersten SP des Tages an, „nicht das richtige Feeling gefunden zu haben“. Nach SP 12 konnte auch der 24-jährige nur mit dem Kopf schütteln: „Ich fuhr so schnell ich konnte – aber Séb und Mikko fliegen über die Prüfungen – ich habe ihre Spuren in den Schneewänden gesehen, ich weiß nicht, wie lange sie dieses Tempo beibehalten können. Alles ist möglich“ Nach SP 13 liegt Latvala als Dritter 49,9 Sekunden zurück. Von hinten droht dem Finnen keine Gefahr – der Vierte, Dani Sordo im zweiten Werks-Citroen, liegt bereits 2:26 Minuten zurück.

Unbelohnter Held Andersson

Eine weitere Galavorstellung gab Per Gunnar Andersson im Skoda Fabia WRC – wenngleich er auf SP12 seinen beeindruckenden fünften Rang an Henning Solberg abtreten musste. Andersson konnte as aber auch begründen: „Ich hatte keine Kupplung – ich bin hart gegen eine Schneebank gekracht, vielleicht ist das Getriebe mit Schnee voll gestopft. Aber für die nächste Prüfung sollte es okay sein.“ Leider sollte Andersson irren – vermutlich wegen massiver Kupplungsprobleme kam er nicht rechtzeitig zur Zeitkontrolle vor der Zuschauerprüfung in Hamar, an der er nicht mehr teilnahm. Per Gunnar Andersson – der unbelohnte Held dieser Norwegen-Rallye…

Petter gibt Gas

Ein Held ist auch Petter Solberg in seinem Citroen Xsara WRC. Als ob er noch im Werks-Subaru sitzen würde, tummelt sich der norwegische Lokalmatador munter als Sechster in den Punkterängen – aber auch er kämpft mit der Technik. Nach den Prüfungen 11 und 12 vermeldete Solberg Probleme mit dem Gaspedal. Noch dazu recht unangenehme: „Als ich vom Gas ging, blieb es bei halber Stellung stecken – wir hatten ein paar haarige Momente.“ Petter, der von seinen Landsleuten kräftig angefeuert wird, liegt 22,6 Sekunden hinter seinem Bruder Henning (Stobart Ford) auf Rang 6 – auf den Siebten, Stobart Ford-Pilot Matthew Wilson, weist er einen Vorsprung von fast einer Minute auf.

Auf Platz 8 der Este Urmo Aava im dritten Stobart Ford – der sich nach SP 11 unzufrieden zeigte: „Ich kam in keinen vernünftigen Rhythmus, ich kann nichts tun, der Wagen fühlt sich nicht gut an.“ Hinter Aava liegen Mads Östberg im Adapta-Subaru WRC2008 sowie Conrad Rautenbach und Sébastien Ogier in den Junioren-C4 sowie der überlegen Führende der PWRC, Patrick Sandell im Skoda Fabia Super 2000-Boliden.

„Ich habe noch nicht aufgegeben!“, sagt Mikko Hirvonen. Der Nachmittag könnte also noch spannend werden, ab 13.15 Uhr Ortszeit werden die vier Prüfungen vom Vormittag ein zweites Mal befahren.



Stand nach SP 13

 1.  Sebastien Loeb      Citroen  1:47:12.4
 2.  Mikko Hirvonen      Ford      +   10.7
 3.  Jari-Matti Latvala  Ford      +   49.9
 4.  Dani Sordo          Citroen   + 2:26.8
 5.  Henning Solberg     Ford      + 2:39.0
 6.  Petter Solberg      Citroen   + 3:01.1
 7.  Matthew Wilson      Ford      + 3:58.1
 8.  Urmo Aava           Ford      + 4:45.0
 9.  Mads Östberg        Subaru    + 5:59.8
10.  Conrad Rautenbach   Citroen   + 6:42.8

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