RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Rallye-WM: News

„Ohne Benzinmotoren funktioniert Rallye nicht"

Volkswagen-Technikchef Francois-Xavier Demaison spricht im Interview über alternative Antriebe im Rallyesport und das WRC-Reglement für die Saison 2017.

Fotos: VW, FIA World RX

Genau wie die Formel 1 erhält auch die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) im kommenden Jahr ein neues Technisches Reglement, mit dem die Autos schneller und spektakulärer werden sollen. Damit schlägt der Motorsport aus Sicht von Francois-Xavier (auch genannte FX) Demaison nach Jahren der Abrüstung genau den richtigen Weg ein.

Im Interview mit Motorsport-Total.com stellt sich der Technische Direktor des Rallyeteams von Volkswagen aber an die Seite seines Starfahrers Sebastien Ogier und findet, man hätte lieber das Drehmoment und nicht die Leistung der Motoren erhöhen sollen.

Demaison erklärt auch, warum Simulatoren im Rallyesport keine so große Rolle wie beispielsweise in der Formel 1 spielen. Außerdem beleuchtet er das Trendthema alternative Antriebe und legt dar, warum im Rallysport auf konventionelle Verbrennungsmotoren noch nicht verzichtet werden kann.

Frage: "Francois-Xavier, im nächsten Jahr ändern sich die Regeln sowohl in der Formel 1 als auch in der WRC grundlegend. Bewegt sich der Motorsport damit generell in die richtige Richtung?"
Francois-Xavier Demaison: "Im Rallyesport haben sich die Fans immer darüber beklagt, dass die Autos nicht spektakulär genug sind. Sie wollten größere Flügel, breitere Autos, mehr Lärm und Flammen. Das war in der Formel 1 genau so. Dort waren sie von diesen schmalen Reifen gelangweilt, wollten breite Walzen und große Flügel. Es ist eine Frage des Geldes, denn die Regeln zu ändern kostet immer Geld. Aber ich denke, das ist richtig investiert."

Reglement 2017 aus Ingenieurssicht nicht ganz perfekt

Frage: "Warum wurde der Motorsport immer 'zahmer'? Weshalb hat man diesen Weg eingeschlagen, der in vielen Kategorien zu beobachten war?"
Demaison: "Im Rallyesport hat man das vor allem gemacht, um die Kosten zu senken. Man wollte die Entwicklungsarbeit einschränken und hat die Anzahl der Motoren reduziert, um dort Kosten zu sparen. Aber das hat letztlich dazu geführt, dass die Autos alle gleich aussahen. Es gab beim Design keine richtigen Unterschiede. Ich glaube, das war nicht die richtige Richtung, auch wenn es den Herstellern bei der Fortführung ihrer Programme geholfen hat."

Frage: "Was wäre für Sie das perfekte Reglement in der WRC? Ist das von 2017 das richtige?"
Demaison: "Uns wäre es lieber gewesen, wenn man nicht die Motorleistung, sondern das eher Drehmoment erhöht hätte. Aktuell ist der Ladedruck begrenzt und wir haben einen Luftmengenbegrenzer. Es wurde entschieden, den Ladedruck beizubehalten, aber den Begrenzer zu vergrößern. Dadurch steigt die Höchstgeschwindigkeit."

"Volkswagen und einige andere Hersteller hätten lieber den Ladedruck erhöht, damit man mehr Drehmoment hat und die Autos schwieriger zu fahren sind. Die Kurvengeschwindigkeiten werden zwar auch jetzt etwas ansteigen, aber die Autos wären noch spektakulärer geworden. Dieses Reglement mit den größeren Flügeln und breiten Autos, aber mehr Ladedruck statt eines größeren Begrenzers wäre für mich perfekt gewesen."

Frage: "Sebastien Ogier meinte, dass die neuen Autos etwas schwieriger zu fahren seien, vor allem in engen Weinbergen."
Demaison: "Ja, denn das Auto ist breiter. In verwinkelten Abschnitten ist das (neue; Anm. d. Red.) Auto nicht schneller als das aktuelle."

Rallyeprüfungen für Simulatoren zu lang

Frage: "Einer der großen Unterschiede zwischen der Formel 1 und der WRC sind die Simulatoren. Es ist offenkundig sehr schwierig, alle Wertungsprüfungen zu simulieren, während man eine Rundstrecke vergleichsweise einfach abbilden kann. Sehen Sie in dieser Richtung eine Entwicklung oder nicht?"
Demaison: "Vielleicht nicht aus dem selben Grund wie in der Formel 1, wo im Simulator die Abstimmung verfeinert wird. Das wird im Rallyesport nicht möglich sein, denn wir werden die kompletten 300 Kilometer abbilden können. Konkret an der Abstimmung arbeiten können wir damit also nicht."

"Wir nutzen Simulationen heute, um bei einem Konzept die Entwicklungsrichtung zu bestimmen. Dazu scannen wir einzelne Straßenabschnitte ab. Wir könnten sie auch für das Training der Fahrer nutzen. Heutzutage machen sie bei der Besichtigung zwei Durchgänge. Man könnte sich einen Simulator mit einem Basisauto vorstellen, mit einem Basisreifen und konstantem Grip, mit dem sie die Prüfungen lernen können. Wenn man beispielsweise die 'Ouninpohja' nimmt, die in diesem Jahr in umgekehrter Richtung gefahren wurde. Das wäre denkbar."

Frage: "Der grundlegende Unterschied liegt wohl darin, dass die Prüfungen im Rallyesport viel zu lang sind?"
Demaison: "Genau. Außerdem ändern sich die Straßenverhältnisse von einem Auto zum anderen. Daher wäre es heute zu kompliziert, das zu simulieren. Die Hersteller sind bereit, eine Menge Geld zu investieren um zu gewinnen, aber das ist nicht möglich."

Weshalb Elektroantrieb in Rallyesport nicht in Frage kommt

Frage: "Eine generelle Entwicklung im Motorsport geht in Richtung von Formaten wie der Formel E. Sehen Sie im Offroadsport Einsatzmöglichkeiten für Hybrid- oder Elektroantriebe oder alternative Kraftstoffe?"
Demaison: "Im Rallyesport sind reine Elektroantriebe wegen der langen Distanzen derzeit nicht möglich. Im Rallycross ist es etwas anderes. Dort könnte ich mir reine Elektroautos vorstellen. Sie könnten genau so leistungsfähig wie ein Benzinauto sein. Natürlich würde der Lärm fehlen. Ich war vor kurzem beim Rallycross, das war richtig laut und spektakulär.

"Rein elektrische Antriebe kann ich mir im Rallyesport wie gesagt noch nicht vorstellen, aber vielleicht Hybrid. Wir haben Anti-Lag-Systeme und Allradantrieb und verbrauchen eine Menge Sprit. Man könnte sich daher vorstellen, dafür solche Lösungen einzusetzen. Aber ohne Benzinmotoren funktioniert Rallye nicht."

Frage: "Fast alle Hersteller produzieren mittlerweile Straßenautos mit Hybrid- oder Elektroantrieb. Könnte ein Einsatz im Rallyesport diese Entwicklung vorantreiben?"
Demaison:"Ich persönlich als Ingenieur schon, denn das wäre eine Herausforderung. Wir lieben Neuerungen. Was das Marketing betrifft, müssen meine Kollegen bei Volkswagen sagen, aber ich wäre dafür."

Frage: "Bräuchte es vielleicht einen Anstoß durch die FIA wie mit der Formel E?"
Demaison: "Sie wollten Hybridsysteme (in der WRC; Anm. d. Red.) schon 2017 einführen, aber alle haben gesagt, dass das zu früh kommt. Aber 2020 vielleicht."

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Rallye-WM: News

Weitere Artikel:

AARC, Rally Zelezniki: Vorschau

Regner kann Führung im Alpe Adria Cup erobern!

3 Teams aus Österreich, 3 Teams aus Italien, 3 Teams aus Ungarn und 2 Teams aus Tschechien werden am kommenden Wochenende nördlich von Laibach bei der vierten AARC/AART Rallye in Slowenien erwartet.

Im Gespräch mit Georg Höfer & Martin Dohr

Seltener Einblick in die ORM-Rallyeleitung

Was macht ein Rallyeleiter? Welche Aufgaben hat er/sie zu bewerkstelligen? Welches Grundwissen ist nötig? Und: Warum der Einsatz von GPS das Leben der Rallyeleitung entschieden verbessert hat…

ORM, Rallye Weiz: Vorschau

Tage der Wahrheit beim Rallye-Feuerwerk

Während Staatsmeister Simon Wagner nächste Woche seinen sechsten Titel in Serie fixieren könnte, geht es auch in den weiteren TEC7 ORM-Formaten in die heiße, weil entscheidende Phase

ORM/ARC, Rallye Weiz: Wetter

Hitze als Kraftnahrung für Gewitter

Auf Grund der angesagten hochsommerlichen Temperaturen könnte die heurige Rallye Weiz besonders an den Nachmittagen kräftige Unwetter auf Lager haben / Ein Blick nach oben sollte immer dabei sein

ERC, Rally di Roma Capitale: Bericht

Lernrallye im ERC-Lernjahr

Österreichs Nachwuchs-Hoffnungen Maximilian Lichtenegger und Marcel Neulinger haben in Rom eines ganz sicher: Dazugelernt.

ARC, Mühlstein Rallye: Startklar!

SG Toolbox Mühlstein Rallye startet durch!

Am 7. und 8. August steigt die SG Toolbox Mühlstein Rallye 2026 mit Zentrum in Schwertberg / Novum ist ein spektakulärer Shakedown am Freitagabend / Der neue Namens-Sponsor SG Toolbox ist ein oberösterreichisches Unternehmen mit hoher Motorsport-Affinität.