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WRC: Rallye Monte-Carlo

Elfyn Evans – das nächste Opfer?

Kommentar: Der blutjunge Elfyn Evans sei viel zu früh in ein WRC gesetzt worden, sagen kritische Beobachter. Doch das Wohl seiner „Kinder“ war „Papa“ Wilson schon immer egal…

Michael Noir Trawniczek

„Oje, das nächste Opfer…“ Elfyn Evans ist der jüngste Stolz von Malcolm Wilson, dem Betreiber der Rallyeschmiede M-Sport. Vielleicht so etwas wie ein Ersatzsohn, da der eigene einfach nicht schnell genug war. Kritiker sagen: Evans hätte langsamer aufgebaut werden müssen, der WRC-Einstieg sei zu früh. Doch für Wilson zählt in erster Linie das Eigeninteresse. Hier ist jemand, der jemanden gefunden hat, der verlässlich einzahlt – langfristiges Denken zählt für Wilson längst nicht mehr.

„Seit dem Ausstieg von Ford sind wir ein rein kommerzielles Unternehmen“, hat Wilson im vergangenen Sommer im Gespräch mit motorline.cc ganz offen zugegeben. Die Frage, ob Evgeny Novikov für 2014 „eine Chance“ haben würde, war vom Grundgedanken her schon völlig falsch gedacht, denn im britischen Cumbria, wo M-Sport zuhause ist, geht es längst nicht mehr um Chancen - es geht ausschließlich um das Geld. Wilson sagte: „Natürlich kann Evgeny fahren - wenn ein entsprechendes kommerzielles Angebot vorliegt…“

Ein fetter Geldkoffer kann selbst die schlimmsten Misserfolge kaschieren: Natürlich wurde Mikko Hirvonen mit offenen Armen empfangen, der „verlorene Sohn“ kehrt zurück in den Schoß seines Ziehvaters. Der Hintergrund: Manager Timo Jouhki bringt solides, verlässliches Geld. Und Hirvonen muss nicht mehr gebrieft oder vielmehr erzogen werden. Der Finne hat sich die Wilsonschen Spielregeln längst einverleibt.

Oberstes Gesetz: Niemals ist das Auto schuld! Wilsons „Kinder“ beherrschen es perfekt, die Schuld auf sich zu nehmen. Und sie tun das auch noch, wenn sie woanders fahren. Jari-Matti Latvala und Mikko Hirvonen beherrschen die mediale Selbstgeißelung am allesbesten. „Ich bin noch nicht wach“, „Ich habe noch keinen Rhythmus gefunden“, „Ich bin mit meiner Fahrweise noch unzufrieden“ – diese Erklärungen aus den verschiedenen M-Sport-Cockpits hört man immer wieder. Nie aber hört man: „Das Auto funktioniert noch nicht, wie es sein soll“ - ein maximales Zugeständnis wäre „Ich habe noch kein Setup gefunden“…

Hat ein Fahrer die Stirn, die Wahrheit über das Auto zu sagen, wird er bestraft: Teaminterne Intrigen kombiniert mit dem altbekannten „Mann mit dem Laptop“ und natürlich das Ausspielen von Fahrer und Beifahrer. Dass sich Wilson damit selbst Schaden zufügt, kommt ihm nicht in den Sinn. Wie auch? Als er für Ford die Siegesserie von Citroen brechen sollte, sagte er einmal: „Für mich ist ein zweiter Platz hinter Loeb wie ein Sieg!“ Nein, Wilson hat keine sportlichen Ansprüche oder gar Träume: Der Sinn des Lebens besteht in Cumbria aus möglichst vielen R5-Verkäufen, weshalb auch schnell noch ein R5+ nachgelegt wurde.

In der WRC ist keiner seiner Vorjahrespiloten an Bord geblieben. Den, den er bevorzugt und umschmeichelt hat, hat er an Hyundai verloren - die anderen, die er maßlos enttäuscht hat, haben das Weite gesucht. Jetzt sitzt Elfyn Evans auf der knochenharten M-Sport-Schulbank - noch wird er geliebt, doch das kann sich von heute auf morgen ändern…

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