RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

"Doktor" Rossi attestiert:
Die wahren Lenkradakrobaten sitzen im WRC

Motorrad-Champion Valentino Rossi zog einen Vergleich zwischen F1- und Rallye-Boliden. Das World Rally Car sei eindeutig schwieriger zu fahren, befand der Allrounder.

Michael Noir Trawniczek

Wahrscheinlich ist er der einzige Mensch, der sowohl mit einem aktuellen Formel 1-, einem aktuellen DTM- als auch einem aktuellen Rallye-Boliden fahren durfte, fahren darf - und Motorrad-Mehrfachweltmeister Valentino Rossi fährt bei seinen Erkundungsausflügen mehr als nur Showrunden, beschäftigt sich ausgiebig mit dem jeweiligen Fahrzeug. Wer also wäre besser geeignet, einen Vergleich zwischen den Vierradserien zu ziehen, als Valentino Rossi?

Da es sich bei den genannten Rennserien um, mehr oder weniger, "Königsklassen" handelt, ist es logisch, dass die Automobilhersteller den Rahmen des vom Reglement her technisch Möglichen bis hin zur Grenze zur Illegalität ausnützen - weshalb die Boliden mehr oder weniger mit Elektronik und Hightech gespickt sind. In der Formel 1, die für sich ganz besonders gerne den Begriff "Königsklasse" in Anspruch nimmt, wurden in letzter Zeit mehrfach kritische Stimmen laut, die aktuellen Fahrzeuge seien fahrerisch zu wenig anspruchsvoll.

Valentino Rossi konnte sich bei ausgiebigen Ferrari-Testfahrten in sehr genaues Bild von der aktuellen Königsklasse machen. "Bei einem großartigen Test im letzten November lag ich nur rund eine Sekunde über dem Rundenrekord der Fiorano-Hausstrecke - dadurch fiel mir die Entscheidung, ob ich weiter Moto GP fahren oder in die Formel 1 wechseln solle, ganz besonders schwer", erklärte Rossi im Juni. Freilich konnte Rossi zuvor schon viele Testrunden mit dem roten Boliden drehen.

Zum Vergleich: Im Rahmen seines WRC-Gastspiels bei der zurzeit laufenden Neuseeland-Rallye konnte sich Rossi kontinuierlich steigern. Am Samstag, auf der rund drei Kilometer langen Superspecial-Prüfung konnte Rossi erstmals aufzeigen und die siebente Zeit markieren - auf Bestzeithalter Marcus Grönholm fehlten ihm 3,6 Sekunden. Insgesamt belegt Rossi zurzeit Rang 13, derzeit liegen auch noch Fahrzeuge der weniger starken Gruppe N-Klasse vor ihm, der "Doktor" liegt bereits über 16 Minuten zurück, bis auf einen Dreher gab es keine Zwischenfälle zu verzeichnen.

Gegenüber AFP wagte Rossi nun einen Vergleich zwischen den Vierradserien: "Was die Bremspunkte und die Ideallinien durch die Kurven anbelangt, gibt es keine allzu großen Unterschiede zwischen der Formel 1 und dem Rallyesport. Aber ein Rallyeauto verhält sich komplett anders auf Schotter. Du brauchst eine Menge an Erfahrung, um schneller zu fahren. Meiner Meinung nach ist Rallye der härteste Weg, vom Motorrad auf eine Automobilrennserie zu wechseln. Es ist sehr schwierig, von der Rundstrecke in den Rallyesport zu wechseln."

Mehr kämpfen in der Formel 3

Wobei mit Fahrkönnen nicht die körperliche Beanspruchung gemeint ist, welche auf die hohen Flieh- und Bremskräfte der Formel 1 zurückzuführen ist. BMW Sauber-Testpilot Sebastian Vettel, derzeit beim F3-Klassiker in Macau im Renneinsatz, erklärte dort in einem Gespräch mit Pitpass: "Am schwierigsten ist es, sich auf die hohe Bremskraft einzustellen - du näherst dich einer Kurve mit über 300 km/h und bremst unglaublich spät." Die hohen Brems- und Fliehkräfte beanspruchen die Nackenmuskulatur, der gesamte Körper muss topfit sein, um diese starken Kräfte auszuhalten. Fit muss aber auch der Rallyepilot sein, der wiederum harte Schläge, Sprünge und ebenfalls Fliehkräfte auszuhalten hat.

Vettel wurde um einen Vergleich zwischen Formel 1 und Formel 3 gebeten. Der Deutsche antwortete: "Es ist ein großer Unterschied, es sind ja auch zwei komplett unterschiedliche Fahrzeuge. In der Formel 3 musst du ein bisschen mehr kämpfen. Das bedeutet nicht, dass die Formel 1 leichter zu fahren ist - aber du musst einfach sauberer fahren, wenn du auch nur ganz wenig ins Driften gerätst, verlierst du viel Zeit. In der F3 kann man mehr mit dem Gefühl arbeiten und man muss mehr am Lenkrad drehen."

Formel 1 zu leicht?

All diese Aussagen bestätigen jene Stimmen, die für die Formel 1 eine starke Abrüstung von Aerodynamik und Elektronik fordern. Der Fahrer muss wieder mehr in den Vordergrund rücken - und wenn die F1 die "Königsklasse" sein möchte, dann müssten die F1-Boliden weitaus schwieriger zu fahren sein, als dies derzeit der Fall ist.

Ein Neueinsteiger müsste sich ähnlich schwer tun, wie dies bei Valentino Rossi in Neuseeland der Fall ist (dabei bestreitet Rossi nicht einmal seine erste Rallye, fuhr bereits 2002 in Wales und bei lokalen Rallyes in Italien). Auch wenn in der F1 der Freitagspilot mit leeren Tanks und frischen Pneus auf die Strecke geschickt wird - ein F3-Pilot, wie zum Beispiel Sebastian Vettel, mit gerade einmal rund 400 F1-Kilometern Erfahrung auf dem Buckel, sollte nicht in der Lage sein, bei seinem ersten Einsatz als Freitagsfahrer überlegene Bestzeit zu fahren.

Gerhard Berger sagte einmal: "Die F1-Boliden müssen wieder PS-Monster werden, mit mehr als 1000 PS, wenig Aerodynamik und dicken, fetten Slicks..."

PS: Unter "leicht" sollte man jedoch keinesfalls verstehen, dass "jeder" mit einem F1-Boliden fahren könne - selbstverständlich geht es hier um, letztlich aber nicht unwichtige, Nuancen im Bereich des Spitzensports. Ein Freizeithallenkartsuperstar würde sich auch mit der heutigen Formel 1 mehr als nur schwer tun...

News aus anderen Motorline-Channels:

Rallye-WM: Neuseeland

- special features -

Weitere Artikel:

ET König Rallye: Bericht TEC7 ORM2

Hochspannung im Titelkampf

Jubeln durfte dieses Mal Christoph Zellhofer, der gemeinsam mit seiner deutschen Co-Pilotin Anna Maria Seidl im Suzuki Swift ZMX erstmals in dieser Saison die Nase vorne hatte. Günther Knobloch/Erik Fürst (Renault Clio Rally3) behielten mit Platz zwei die Meisterschaftsführung, während Roland Stengg/Rebeka Kobal (Renault Clio Rally3) nach starkem ersten Tag im Regen des zweiten Tages den Anschluss an die Spitze verloren, aber dennoch starke Dritte wurden.

ERC, Rom: Vorschau Opel Junior Team

Junioren gehen als Mitfavoriten in die Hitzeschlacht

Zweiter Lauf der Rallye-Junior-Europameisterschaft 2026 bei der Rally di Roma Capitale. Doppelführung für das ADAC Opel Rally Junior Team mit Timo Schulz und Tom Heindrichs. Claire Schönborn möchte vor historischer Kulisse das Momentum aus den Vogesen nutzen.

ET König Rallye: Bericht TEC7 HRM & ORC

Wagner siegt - Karlhofer mit Sensations-Comeback

Karl Wagner und Gerda Zauner gewinnen eine turbulent-großartige ET König Judenburg-Rallye - für Aufsehen sorgte Lancia-Spezialist Martin Karlhofer, der erstmals seit 2004 wieder bei einer Rallye an den Start ging und prompt mit einigen Bestzeiten aufhorchen ließ. Bei den Österreichischen Rallye Classics gewannen Alex Strobl und Cathy Schmidt.

ET König Judenburg Rallye: Bericht ARC

Gaubinger gewinnt - Lindner baut Vorsprung aus!

Patrik und Verena Gaubinger feiern bei der ET König Judenburg Rallye im Audi Quattro den ARC-Sieg. In der Clubmeisterschaft konnte Hans Georg Lindner im historischen Escort seinen Vorsprung ausbauen - auf Platz zwei lauert nun der junge Subaru-Pilot Jan Dolzer. In der ARCP triumphiert Christoph Zellhofer, Raimund Baumschlager siegt beim Comeback in der ART.

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Rally Akropolis erzählt unser Kolumnist Peter Klein aus jener Zeit, in der schon die Anreise zu dieser Kult-Rallye ein wahres Abenteuer war...

ET König Judenburg Rallye: Bericht AARC

Steinbock/Bachmayer übernehmen AART-Führung

Steinbock/Bachmayer übernehmen die Führung in der AART Zwischenwertung und Max & Ben Maier sind nach der „ET-König Rallye powered by Peter Hopf“ die neuen Leader in der AARC!