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WEC: 24 Stunden von Le Mans

Le Mans – Die Anfangsjahre

Das 24 Stunden-Rennen in Le Mans feiert seinen 90. Geburtstag. Ein Rückblick auf die abwechslungsreichen Anfangsjahre an der Sarthe.

Mit umfangreichen Aktionen feiert der Le-Mans-Ausrichter Automobile Club de l'Ouest (ACO) in der kommenden Woche ein großes Jubiläum. Die 24 Stunden von Le Mans werden 90 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund wird beispielsweise die ehemalige Spitzkehre in der der südlichen Innenstadt genauso geschmückt, wie es beim ersten Rennen im Jahr 1923 dort aussah: wenige Werbeplakate, einige Strohballen, ein Rundenzähler und Fotos aus jenen Tagen des motorsportlichen Pioniergeistes.

Die Wurzeln des berühmtesten Langstreckenrennens und "besten Sportevents der Welt" (National Geographic) gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Die Verantwortlichen der örtlichen Radsport- und Motor-Radsportvereine im Departement Sarthe setzen sich an einen Tisch, um zu fusionieren. Nach dem gleichen Prinzip hatten die Kollegen in Monaco großen Erfolg gehabt. Die "Union Velocipedique" (UV) wurde damit zum Vorläufer des späteren ACO.

Dass der Club den Schwenk vom Radsport zum Motorsport schaffte, war vor allem einem Mann zu verdanken: Georges Duand. Der Journalist und Techniker hatte 1897 das einzige von einem Verbrennungsmotor angetriebene Dreirad vom Typ De Dion in der gesamten Sarthe. Er steckte die Herren der UV mit seiner Leidenschaft für Motoren an und ebnete den Weg zur heutigen Großveranstaltung in Frankreich.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden in Europa erste Motorsportveranstaltungen statt - darunter das berühmte Gordon-Bennett-Rennen. Bei einem Besuch dieses Events im Jahr 1904 in den Ardennen, reift in Durand die Idee für ein großes Rennen im Departement Sarthe. Nur ein Jahr später sind die Pläne konkret. Durand und seine leidenschaftlichen Mitstreiter haben eine Strecke entworfen: Circuit de la Sarthe - ein Dreieck westlich von Le Mans mit einer Gesamtlänge von 103 Kilometern.

Der französische Automobilclub (ACF) plant zu jener Zeit die Austragung des ersten Grand Prix. Man fordert die einzelnen Automobilclubs in ganz Frankreich auf, Vorschläge für Streckenverlauf und Durchführung einzureichen. Insgesamt gehen 17 Bewerbungen aus allen Landesteilen ein, darunter auch jene des ACS (Automobile Club de la Sarthe), der kurzfristig ins Leben gerufen wurde. Durand wird Generalsektretär des ACO-Vorläufers, Gustave Singher erster Vorsitzender.

In den Statuten des neuen Vereins, der bei seiner Gründung knapp 100 Mitglieder hat, werden Werte wie Freundschaft und Solidarität niedergeschrieben. In Punkt drei der Vereinbarung heißt es damals schon, dass der ACS "die Förderung der mechanischen Fortbewegung" und "die Weiterentwicklung der Automobilindustrie und der damit verbundenen Unternehmen" zum Ziel hat. Dies kann nur dann gelingen, wenn der ACS den Zuschlag für die Durchführung des Grand Prix bekommt.

Erster Grand Prix

Geschafft: Am Abend des 16. Januars verkündet der französische Automobilverband, dass sich die Sarthe gegen die 16 Mitbewerber durchsetzen konnte. Der große Motorsport ist in Le Mans und Umgebung angekommen. "Es gilt nun, nicht die Touristen abzuschrecken, sondern ihnen das Gegenteil zu beweisen, dass die Sarthe nicht nur eines der schönsten Departements ist, sondern auch eines der gastfreundlichsten", appelliert Durand im Frühjahr 1906 an alle Beteiligten. Durand hat Großes vor. Er will den Grand Prix dauerhaft in der Sarthe halten - nicht nur ein Jahr.

Die Veranstaltung auf dem 103 Kilometer langen Circuit de la Sarthe am 26. und 27. Juni 1906 wird zum sportlich bahnbrechenden Erfolg. Der erste Grand Prix geht mit 32 Startern über die Bühne, beteiligt sind unter anderem die Hersteller Renault, FIAT, Lorraine-Dietrich, Hotchkiss, Panhard und Mercedes mit jeweils drei Fahrzeugen. An beiden Tagen wurden jeweils sechs Runden absolviert. Der Ungar Ferenc Szisz (Renault) sicherte sich souverän den Sieg im ersten Grand Prix der Motorsportgeschichte.

So erfolgreich der Grand Prix - unzählige Zuschauer auf Tribünen und am Streckenrand, spektakuläres Teilnehmerfeld - auch war, unter dem Strich blieb ein herber Verlust. "Unter finanziellen Aspekten war es ein Fiasko", berichteten damals die Beteiligten. Kein Wunder: Die ortskundigen Zuschauer aus dem umliegenden Gemeinden suchen sich kostenlose Plätze. Den offiziellen Eintrittspreis von 30 Francs (für beide Tage) zahlen nur die wenigsten. Gerüchten zufolge kann der ACS das Preisgeld in Höhe von sagenhaften 100.000 Francs nur mühsam über Monate abstottern.


Dies alles hat zur Konsequenz, dass sich die Vision von Durand, den Grand Prix über Jahre an der Sarthe zu veranstalten, nicht umsetzen lässt. Zwischen 1907 und 1910 macht der französische Automobilverband einen Bogen um die Region. 1911 kommen Durand und seine Kollegen allerdings wie Phoenix aus der Asche: Sie veranstalten den ersten Grand Prix von Frankreich. Gefahren wird erstmals auf einer 54,6 Kilometer langen Strecke, die in Teilen noch heute genutzt wird. Die lange Hunaudieres-Gerade - ein Teil der Hauptstraße von Le Mans nach Tours - wird damals schon genutzt.

Der Grand Prix etabliert sich über Jahre und wird zum Erfolg, diesmal auch wirtschaftlich. 100.000 Zuschauer säumen in jener Zeit die Strecke, die ab 1921 auf 17,262 Kilometer verkürzt wird. Allerdings folgt auch wieder der Absturz. Zu viele Motorsportveranstalungen gibt es, die Teilnehmerliste wird wieder kürzer. Durand erkennt sofort, woran es hakt: Nicht das Tempo übt die Faszination aus, sondern die Darstellung von Alltagstauglichkeit und Fortschritt.

In einer Umfrage der Zeitschrift 'La Vie Automobile' werden Durands Thesen belegt. Die Leser nennen mangelnde Zuverlässigkeit als größtes Thema, dahinter geringe Wirtschaftlichkeit, schlechten Komfort und hohe Preise. Die Faszination für Geschwindigkeit wird als letztes genannt - sie spielt zu jener Zeit schlichtweg überhaupt keine Rolle. Der ACO reagiert: Gemeinsam mit dem damaligen Radhersteller Rudge-Whitworth ruft man einen Cup ins Leben.

Zuverlässigkeitsprüfung Le Mans

"Warum eigentlich kein 24-Stunden-Rennen?", stellt Durand eine entscheidende Frage in den Raum. Der Ur-Vater des Langstreckenklassikers erntet zunächst ungläubiges Kopfschütteln, dann jedoch Zustimmung. "Dieser bemerkenswerte Beweis für Ausdauer würde auch die ungenehmigten Ausdauertests beenden, die ohnehin von den Gewerkschaften verboten sind", sagt er. Die Automobilhersteller jubeln. Einen solchen Wettbewerb sehen sie als großes Schaufenster vor Publikum und als perfekten Test ihrer Produkte.

Am 26. und 27. Mai 1923 erleben die zahlreichen Fans bei Regen und Hagel ein erfolgreiches Debüt des 24-Stunden-Rennens. 18 Marken sind vertreten, die Autos müssen "im Kern den Serienfahrzeugen" gleichen, über Trittbretter, Kotflügel, Scheinwerfer, Hupe und Rückspiegel verfügen. Die großen Autos mit über 1,1 Liter Hubraum müssen über insgesamt vier, die kleineren über zwei Sitze verfügen. Die leeren Sitze neben und hinter dem Piloten werden mit Sandsäcken von jeweils 60 Kilogramm beschwert.

Der Wettbewerb wird als Parade der Zuverlässigkeit ausgelegt. Alle Autos müssen Mindestdistanzen zurücklegen, Abwarten an der Box ist somit nicht möglich. Die Sieger Andre Lagache und Rene Leonard schaffen mit ihrem Chenard-et-Walcker sagenhafte 2.209 Kilometer. Und - wer hätte das gedacht: Von 33 gestarteten Fahrzeugen kommen 30 ins Ziel und in die Wertung. Eine solch geringe Ausfallquote hat das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans seither nie wieder erlebt!
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