MOTORSPORT

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
WEC: 24 Stunden von Le Mans

Intensive Vorbereitung auf allen Gebieten

Intensives Fitnesstraining für Mechaniker, akribische Vorbereitung von Teilen und Werkzeugen, hundertfach eingeübte Abläufe.

Die 24 Stunden von Le Mans am 14./15. Juni sind für das Audi-Team Joest jedes Jahr aufs Neue der Saisonhöhepunkt. Denn zum einen ist es das größte Langstrecken-Rennen der Welt mit den meisten Fans und der doppelten WEC-Punktzahl. Zum anderen ist die Vorbereitung darauf intensiver als bei jedem anderen Rennen.

Wenn die Mechaniker die drei Audi R18 e-tron quattro auf den Wettkampf vorbereiten oder im Rennen die Boxenstopps absolvieren, erkennt der interessierte Beobachter vor allem eines: Routine. Die Abläufe sitzen, die Radwechsel passen, das Betanken und die Fahrerwechsel sind punktgenau getaktet. Der Grund: Die Mechaniker haben diese Choreografie bereits hunderte Male einstudiert. Zudem werden die Abläufe Jahr für Jahr verbessert.

Im Vergleich zur DTM werden bei einem Boxenstopp in Le Mans nicht nur die Reifen getauscht: In einem ersten Schritt wird der Rennwagen betankt, erst danach werden die Räder gewechselt - falls überhaupt erforderlich. Dabei dürfen höchstens vier Mechaniker an einem Auto in der Boxengasse arbeiten, so schreibt es das Reglement vor. Zwei von ihnen dürfen die Reifen wechseln. Umso wichtiger sind daher auch hier präzise Abläufe. Dies beginnt bei der physischen Fitness der Mechaniker und reicht über die Vorbereitung des Materials bis hin zu blind beherrschten Handgriffen.

"Seit Januar trainieren unsere Jungs zweimal pro Woche je zwei Stunden im Fitnessstudio", erklärt Joest-Teamdirektor Ralf Jüttner. Dabei hat ein Fitnesstrainer eigens ein spezielles Programm für die Motorsport-Mannschaft zusammengestellt. "Ausdauer und Kraft sind nur zwei Aspekte", erklärt Stefan Grimm, der im Joest-Team als Crewchief für die Boxenmannschaft zuständig ist. "Ziel ist es, sich nicht zu verletzen, während man beispielsweise mit Rädern und Schlagschrauber hantiert." Christian John, seit 1983 Teamarzt bei Audi Sport, hat deshalb spezielle Übungen für besonders belastete Muskelpartien der Mechaniker-Mannschaft entwickelt. Auch bei der Ernährung gibt der Arzt am Rennwochenende praktische Ratschläge.

Bereits frühzeitig arbeitet sich das Team in die Technik der Rennwagen ein, die Jahr für Jahr weiterentwickelt werden. So sind die Chefmechaniker des Joest-Teams stets dabei, wenn eine neue Rennwagen-Generation im Winter von der Audi-Test-Mannschaft erprobt wird, um Instruktionen für die gesamte Crew zu erstellen. In Ingolstadt baut das Einsatzteam vor Saisonbeginn die Rennwagen erstmals selbst auf. "Dabei üben wir den Austausch aller Teile und bereiten spezielle Werkzeuge vor. Zudem dokumentieren wir einzelne technische Aufgaben präzise", sagt Grimm.

Beispielsweise sind Fahrwerkselemente wie die sogenannten Viertelfahrwerke - die Aufhängungen jedes einzelnen Rades - an der Rennstrecke bereits vormontiert verfügbar und entsprechen der jeweils aktuellen Fahrwerkseinstellung. Touchiert ein Rennfahrer bei einem Unfall die Streckenbegrenzung und verbiegt sich die Aufhängung, kann das Team die ganze Baugruppe austauschen. "Das dauert etwa vier bis fünf Minuten", rechnet der Joest-Mitarbeiter vor.

Zeitlich noch eindrucksvoller ist der Wechsel von Karosserieteilen, die im Zweikampf mit dem Gegner beschädigt werden können. Den Wechsel eines Heckelements mitsamt Flügel und Diffusor sowie der Motorabdeckung in der Box verrichten die flinken Hände in 60 bis 70 Sekunden. "Je ruhiger man arbeitet, desto schneller ist man. Über viele Schritte müssen wir gar nicht mehr nachdenken. Das geht dann so automatisch wie Zähneputzen", analysiert der Mechaniker. Voraussetzung ist, dass zuvor alle Ersatzteile auf Passgenauigkeit geprüft und adaptiert sind. Es ist viel Arbeit, die in diese detailreiche Vorbereitung fließt, denn für die 24 Stunden von Le Mans muss eine ausreichende Menge an Ersatzteilgruppen vormontiert sein.

Die größte Herausforderung folgt am Schluss. "Rund um das Rennen herum sind wir nonstop wach", so Grimm. "Ernährung und Fitness sind deshalb besonders wichtig. Selbst zwischen den Boxenstopps schlafen wir kaum, denn der Funkverkehr hält uns wach." Über die Sprechfunkverbindung erhält die Mannschaft vom Renningenieur an der Boxenmauer alle Einsatzkommandos.

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

WEC: 24 Stunden von Le Mans

- special features -

Weitere Artikel:

Offiziell: Hadjar bleibt

Isack Hadjar verlängert bei Red Bull

Red Bull schafft Klarheit für 2027: Isack Hadjar bleibt Teamkollege von Max Verstappen - Teamchef Laurent Mekies erklärt die Entscheidung

Formel-1-Kalender 2027

Zehn Sprints - davon einer in Monaco!

Der Formel-1-Kalender für die Saison 2027 umfasst erwartungsgemäß 24 Rennen - Die Anzahl der Sprints wird auf zehn erhöht und umfasst eine interessante Auswahl

GP von Aserbaidschan: Qualifying

Nach Antonelli-Crash: Russell holt Baku-Pole

Während Max Verstappen und Kimi Antonelli auslassen, nutzt George Russell im Qualifying zum Grand Prix von Aserbaidschan 2026 die Gunst der Stunde

GP von Italien: Qualifying

Sensation: Gasly erobert Windschatten-Pole!

Das hatte beim Grand Prix von Italien keiner auf dem Zettel: Während Mercedes und Ferrari strauchelten, wurde Alpine zur großen Überraschung

Kimi Räikkönens Sohn Robin wird Red-Bull-Junior - Über den Nachwuchs der Bullen schafften es bereits Fahrer wie Max Verstappen oder Sebastian Vettel in die Formel 1

DTM erwägt große Format-Revolution

2027 Shootout-Qualifying in zwei Teilen?

Wird für 2027 in der DTM das Qualifying- und das Rennformat sowie der Ablauf geändert? Am Sachsenring gab es intensive Gespräche mit den Teams