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Rallye-WM: Türkei

Ford feiert Doppelsieg - Aigner siegt überlegen in der PWRC

Die "Ford-Boys" Hirvonen und Latvala feiern einen Doppelsieg, Loeb bleibt nur Platz drei. PWRC: Andreas Aigner feiert dritten Saisonsieg in Folge!

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Red Bull Rallye Team, Photo4

In der Türkei kam am Sonntagvormittag noch einmal Dramatik auf - es ging um die Fragen: Kann Sébastien Loeb, nachdem er aufgrund der Ford-Taktik gleich zwei volle Tage als "Staubsauger" fungieren musste, seinen Rückstand von 34,3 Sekunden gutmachen? Kann der führende Mikko Hirvonen seinen Vorsprung auch als "Staubsauger" verteidigen? Könnte der zweite Ford-Werkspilot, Jari Matti Latvala, der 16,2 Sekunden zurücklag, noch eine Gefahr für Hirvonen darstellen? Und: Kann Stobart Ford-Pilot Henning Solberg seinen vierten Platz gegen den aufstürmenden Citroen-Piloten Dani Sordo verteidigen?

Insgesamt 67,56 Wertungskilometer standen auf dem Programm, um Antworten auf all diese Fragen zu erhalten: Zweimal wurde die 31,03 Kilometer lange Prüfung "Olympos" absolviert - dazwischen gab es noch die 5,5 Kilometer kurze SP "Camyuva".

Nach der ersten Durchfahrt der "Olympos"-Prüfung lag Latvala nur noch 7,5 Sekunden hinter Hirvonen, Loeb konnte seinen Rückstand auf 26,4 Sekunden verkürzen. Und Dani Sordo konnte Henning Solberg den vierten Platz abknöpfen, der Norweger lag jedoch nur 8,1 Sekunden hinter dem Spanier.

Freie Fahrt für die Ford-Boys

Vor den letzten beiden Prüfungen erklärte Ford-Teamchef Malcolm Wilson, dass er seinen beiden Piloten freie Fahrt gegeben hat: "Die Situation ist nicht ideal - ich hätte es lieber gesehen, wenn meine beiden Fahrer nicht Vollgas geben müssten, aber es ist notwendig. Sie müssen den Druck auf Loeb aufrecht erhalten - er ist einfach zu nahe dran. Wenn irgendetwas passiert, dann ist er zur Stelle."

Auf der kurzen "Camyuva"-Prüfung markierte Loeb die Bestzeit, er reduzierte seinen Rückstand auf 25,5 Sekunden, während Hirvonen seinen Vorsprung auf 12,7 Sekunden erhöhen konnte. Henning Solberg lag nur mehr 7,1 Sekunden hinter Sordo auf Rang fünf.

Reifensorgen vor der letzten SP

So stand nur noch die zweite Durchfahrt der 31,03 km langen "Olympos"-Prüfung auf dem Programm. Die große Sorge der Protagonisten galt deren Reifen - denn bei der zweiten Durchfahrt werden diese von den ausgegrabenen Felsbrocken auf das Härteste belastet. In weiser Voraussicht hat Wilson noch erklärt: "Ich halte es durchaus für möglich, dass einige Piloten auf den letzten fünf Kilometern der letzten Prüfung Probleme haben könnten."

Und so kam es dann auch. Als "Staubsauger" Mikko Hirvonen den Zielraum der letzten Prüfung erreichte, wies sein Ford Focus rechts vorne einen Reifenschaden auf - tatsächlich musste der Finne die letzten Kilometer langsamer fahren. Ein abgekämpfter Mikko Hirvonen erklärte: "Unsere Vorderreifen waren komplett hinüber, wir hatten vorne rechts einen Reifenschaden, ich konnte am Ende nicht mehr attackieren." Jetzt begann das große Zittern - wird es sich ausgehen?

Doch Latvala kam ebenfalls mit einem Reifenschaden ins Ziel - zwar konnte er Hirvonen 4,8 Sekunden abknöpfen - doch am Ende lag er doch 7,9 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Latvala erklärte: "Es war ein unglaublicher Kampf - ich habe alles gegeben - und wenn es nicht genug ist, dann ist es eben nicht genug. Ich habe einen Fehler gemacht, der mich zirka vier Sekunden gekostet hat."

Jetzt kam das große Zittern, ob Loeb noch Pfeile im Köcher haben könnte - seine Splitzeiten waren anfangs erfolgversprechend, er lag bereits zehn Sekunden voran. Doch dann musste auch er auf den letzten Kilometern das Tempo herausnehmen. Am Ende lag er dann wieder 25,7 Sekunden zurück.

Ford-Piloten durften endlich jubeln

So konnten die vier Ford-Piloten und Co-Piloten ihren Doppelsieg bejubeln. Mikko Hirvonen gewann die Rallye 7,9 Sekunden vor Jari Matti Latvala und 25,7 Sekunden vor Sébastien Loeb.

Der Weltmeister erklärte im Zielraum der letzten Prüfung: "Ich habe wirklich alles versucht auf dieser Prüfung - aber meine Reifen waren sehr bedient. Ich hatte nur einen Ersatzreifen an Bord und ich wollte keinen Reifenschaden riskieren, deshalb bin ich dann sehr langsam gefahren. Der dritte Platz ist besser als auszufallen, wie das bei den anderen beiden Rallyes der Fall war, die wir nicht gewonnen haben. Ich musste an diesem Wochenende einfach auch zu viel 'staubsaugen'..."

Sordo auf Rang vier

Dani Sordo konnte seinen vierten Platz behalten, lag am Ende wieder 8,1 Sekunden vor Henning Solberg. Der Spanier erklärte: "Ich musste auf der letzten Prüfung voll attackieren, was für die Reifen gar nicht gut war. Aber ich bin froh, mittlerweile auch auf Schotter stark zu sein." Henning Solberg war alles andere als enttäuscht: "Ich bin mit dem fünften Platz wirklich sehr zufrieden."

Petter Solberg auf Platz sechs

Sein Bruder Petter Solberg lag am Ende nur noch 14,5 Sekunden hinter ihm und konnte beim zweiten Einsatz des neuen Subaru Impreza WRC2008 den sechsten Platz belegen. Solberg meinte: "Der neue Wagen ist zuverlässig, das stimmt mich positiv. Und ich denke, dass wir für die nächste Rallye andere Teile haben werden. Am Sonntagmorgen konnten wir starke Zeiten fahren - und im Endeffekt konnten wir mit einem brandneuen Auto zwei Rallyes im Ziel beenden."

Stobart Ford-Pilot Matthew Wilson und Conrad Rautenbach im PH Sport-Citroen konnten die letzten beiden Punkteränge belegen, dahinter reihten sich die beiden Munchi's Ford-Piloten Federico Villagra und Barry Clark auf den Rängen neun und zehn ein.

PWRC: Aigner feiert dritten Saisonsieg

Am Samstag hatte das Red Bull Rallye Team den Unfall von Bernardo Sousa wegzustecken. Der Portugiese rammte einen Zuschauer, der auf einem nicht für Zuschauer vorgesehenen Platz stand und sich neben einer Gehirnerschütterung einen Beinbruch zuzog. Sousa beschloss, am Samstag nicht mehr weiterzufahren. Am Sonntagvormittag setzte Sousa die Fahrt zu Testzwecken fort - und was Andi Aigner anbelangt, musste man im Grunde nur noch darauf hoffen, dass der Mitsubishi Lancer Evo IX hält. Denn Aigner startete die dritte Etappe der Türkei-Rallye mit einem Vorsprung von mehr als einer Minute, nachdem sein harter Gegner, Peugeot Super 2000-Pilot Patrick Sandell am Samstagnachmittag von Problemen zurückgeworfen wurde.

Doch der abermals in Bestform agierende Andi Aigner ließ an diesem Sonntagvormittag nichts mehr anbrennen - wenn es läuft, dann läuft es eben. Auch von Temperaturwarnungen im Cockpit ließ sich der Steirer nicht mehr irritieren - Aigner und sein Co-Pilot Klaus Wicha konnten ihren dritten Saisonsieg in Folge feiern.

In der PWRC-Wertung weisen die beiden nun einen wunderbaren Vorsprung von 16 Punkten auf! Andreas Aigner wandelt also tatsächlich auf den Spuren von Manfred Stohl, der im Jahr 2000 die Gruppe N-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.

Ein erleichterter, glücklicher Andi Aigner gab im Zielraum der letzten Wertungsprüfung zu Protokoll: "Es war ein unglaubliches Wochenende, es war so hart und so schwierig - wir hatten am Ende Temperaturprobleme. Aber wir haben es geschafft. Wir haben nun einen guten Vorsprung in der Meisterschaft, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Juho Hänninen zwei Rallyes weniger als ich bestritten hat. Aber es war ein fantastisches Wochenende."

Sommerpause

Mit diesen erfreulichen Nachrichten begibt sich die Rallye-WM in ihre Sommerpause. Der nächste WM-Lauf findet in Finnland statt - dort wird Aigner zwar teilnehmen, aber nicht punkten - denn das gewiefte Baumschlager-Team nominierte Finnland als eines von zwei vorgeschriebenen Streichresultaten. Doch wie auch immer diese Rallye ausgehen wird - Andreas Aigner wird der Tabellenführende der PWRC bleiben. Die Finnland-Rallye findet vom 31. Juli bis zum 3. August statt.

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