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Rallye-WM: Türkei

Wenn die erste Wut verflogen ist...

Citroen-Teamchef Quesnel hat seine Ausstiegs-Drohung zurück genommen. Séb Loeb sorgt sich um den Sport, blickt jedoch optimistisch in die Zukunft.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Citroen Sport

"Am ersten und am zweiten Tag haben wir so hart wie nur möglich attackiert, doch das hat nicht genügt. Unser Setup war gut, unser Citroen C4 WRC war sehr konkurrenzfähig und wir haben uns keinen Fehler erlaubt." - auch ein vierfacher Champion wie Sébastien Loeb stößt an Grenzen, wenn er gleich zwei Tage als "Staubsauger" die Strecken zu fegen hat, er also als erster Wettbewerbspilot die Straßen vom losen Schotter zu säubern hat..

Am dritten Tag jedoch mussten die beiden Ford-Werkspiloten Mikko Hirvonen und Jari Matti Latvala vor Loeb auf die Prüfungen fahren, nachdem Hirvonen einen Vorsprung von rund einer halben Minute herausfahren konnte - doch Sébastien Loeb konnte seinen Rückstand nur marginal verringern. Der Franzose erklärte dazu: "Obwohl wir am Sonntag als Dritte auf die Strecke fuhren, konnten wir davon nicht profitieren. Unsere Rivalen haben die Straßen nicht in jener Art gesäubert, wie wir das zuvor auf den ersten beiden Etappen tun mussten."

Loeb: "Da stimmt etwas nicht"

Loeb anerkannte, dass die von Ford angewandte Taktik "gut für das Ford-Team" gewesen sei: "Es lief wirklich gut für sie - sie wurden Erster und Zweiter." Doch Loeb gab auch zu bedenken: "Das Reglement passt hier nicht ganz." Loeb wollte zwar nicht ausschließen, dass er an der Stelle der Ford-Piloten die gleiche Taktik angewandt hätte. Doch der Weltmeister äußerte auch seine Zweifel, was die Reputation des Rallyesports anbelangt: "Für den Sport ist es nicht so schön, wenn diese Taktik angewandt wird. Alle sprechen über die Taktik, aber es wäre weitaus schöner, wenn man über den Speed der Piloten sprechen würde. Da stimmt meiner Ansicht nach irgendetwas nicht."

Quesnel nimmt Ausstiegs-Drohung zurück

Citroen-Teamchef Olivier Quesnel hat in einer ersten, in einer wütenden Reaktion auf die Taktik des Ford-Teams damit gedroht, dass Citroen schon am Ende dieser Saison aus der Rallye-WM aussteigen könnte. Diese Aussagen hat Quesnel danach jedoch relativiert respektive zurückgenommen - der Franzose, der den Job des Teamchefs am Jahresbeginn von Guy Fréquelin übernommen hatte, erklärte: "Ich bin nicht in der Position, dass ich sagen könnte: 'Citroen hört jetzt auf'. Wir werden bis zum Ende der nächsten Saison weitermachen und dann werden wir sehen, was geschieht."

Quesnel wiederholte jedoch seine Kritik an der bestehenden Regel, wonach der Führende der Rallye am nächsten Tag die Prüfungen eröffnen muss: "Ich bin mit dieser Regel, die solche taktischen Entscheidungen ermöglicht, einfach nicht einverstanden. Ich bin nicht sauer auf das Ford-Team, denn sie nutzen ja nur das Reglement nach den bestehenden Möglichkeiten."

Loeb: "Problem stellt sich nicht mehr"

Sébastien Loeb blickt dennoch optimistisch in die Zukunft - der Franzose verweist darauf, dass in der zweiten Saisonhälfte fast keine Rallyes mit solchermaßen losem Schotter auf dem Programm stehen, auf Asphalt stellt sich das Problem ohnehin nicht. Loeb erklärte: "Außer vielleicht in Neuseeland brauchen wir uns über das Problem des Straßenfegens heuer keine Sorgen mehr zu machen."

An die Konkurrenz sendet Loeb eine Kampfansage: "Wir wissen, dass wir bereit sind für die restliche Saison - die Punkteabstände in den beiden Meisterschaften sind minimal und es wird zweifellos einige harte Kämpfe geben, um diesen Rückstand wettzumachen. Ich kann mit dem Wissen in die Sommerpause gehen, dass sich der Rest der Saison sehr aufregend gestalten wird - und bald schon werden wir weiterkämpfen, in Finnland!"

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