RALLYE

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Der leuchtende Stern und sein Ende

Es sah alles nach einer perfekten Rallye für Bernhard Engelmann und Gerhard Texer aus – bis sechs Kilometer vor dem Ziel...

Mit einer Dominanz, wie man sie im österreichischen Volvo-Cup bisher bestenfalls von Thomas Steinmayer und seinem Ex-Prillwitz-Volvo erlebt hat, machten Bernhard Engelmann und Gerhard Texer ihrem Hausherren-Status bei der Rallye Weiz alle Ehre. Bis wenige Kilometer vor Schluß der Motor hochging...

Damit legte sich ein tiefschwarzer großer Schatten über ein hell strahlendes Bild, das zwei Rallye-Helden zeigt, die eine Vorstellung in vollendeter Qualität geboten hatten – sportlich wie stilistisch. Es schien alles wunderbar zusammenzupassen: Ein erstklassig verarbeitetes Auto, das in allen Punkten bestmöglich auf Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet wurde und schon äußerlich eine beachtenswerte Erscheinung ist, eine mit großer Vorfreude erwartete Heim-Rallye, eine gute, optimistische Stimmung, und dann schließlich der Fahrspaß auf der Strecke und die Bestätigung der herausragenden Leistung durch laufende Bestzeiten im Volvo Original Cup. Erfolgserlebnisse noch und nöcher. Doch der krönende Abschluß fand nicht statt, der Traum vom ersten Cup-Sieg platzte wie eine Seifenblase.

Schon auf der ersten Prüfung, die über den Gössersattel führte, unterstrichen Bernhard Engelmann und Gerhard Texer ihre blendende Form, als sie die Prüfung um 15,5 Sekunden vor Thomas Steinmayer, dem Zweitschnellsten im Cup, beendeten. Andreas Schögler, der als zweiter Weizer an sich der große Mitfavorit gewesen wäre, hatte bereits hier Schwierigkeiten und fiel – mit einem riesigen Rückstand – auf den letzten Platz zurück.

Bernhard Engelmann hingegen startete durch, kompromisslos und geradlinig, und das auch auf der zweiten Prüfung mit Erfolg. Hier waren es die Brüder Jovanovic, die am Nahesten an Engelmann/Texer dran waren, und das mit 11,4 Sekunden sogar erstaunlich nahe. Aber die Steirer behielten klar die Oberhand – im Zwischenklassement lagen sie zu diesem Zeitpunkt schon über eine halbe Minute vor ihren schnellsten Verfolgern im Volvo-Cup!

Und in dieser Tonart ging es weiter, auch wenn Thomas Steinmayer stark bemüht war, dran zu bleiben: Mit 8,4 Sekunden Rückstand war er beim zweiten Gössersattel-Durchlauf abermals Zweitschnellster. Als Engelmann/Texer zum zweiten Mal die Prüfung Buchberg-Ankenhofen hinter sich gebracht hatten, hatte der Vorsprung zu den Verfolgern bereits dramatische Ausmaße angenommen, aber da schien ohnehin bereits alles entschieden. Ohne ein Problem würde Bernhard Engelmann von keinem Mitbewerber zu schlagen sein, soviel war recht deutlich.

Sehr abenteuerlich auch der Nachmittag: Thomas Steinmayer, obzwar zwischenzeitlich zurückgefallen, setzte erneut ein kräftiges Lebenszeichen und kam auf SP 5 sogar auf 2,4 Sekunden an Engelmann heran. Aber an der Vormachtstellung des Steirers gab es natürlich nichts zu rütteln. Auf Koglhof I setzte es zunächst die härteste Niederlage für die Verfolger Engelmanns, da konnte er es sich locker leisten, auf Anger II Steinmayer und Jovanovic eine schnellere Zeit zu überlassen. Der Vorsprung auf den Zweitschnellsten bei den Volvos – mittlerweile Jürgen Praschl – wäre mit über drei Minuten immer noch gewaltig gewesen.

Aber jetzt folgte der gigantische Knockout: Beim zweiten Durchlauf von Koglhof, der monumentalen Abschlussprüfung, sahen Bernhard Engelmann und Gerhard Texer keine Zieltafeln mehr. Denn: Die Spannrolle des Zahnriemens war von den ständigen Vollgas-Jagden offenbar weniger begeistert als das Rallye-Publikum und brach vom Zahnriemen, der auch die Nockenwelle antreibt, weg. Man kann sich vorstellen, was herauskommt, wenn die Motor-Ventile zum falschen Zeitpunkt öffnen: Da geht eine ganze Menge kaputt. Und das sechs Kilometer vor dem Ziel...

Das ist natürlich ein unvorstellbarer Tiefschlag, so kurz vor Schluß noch den beinahe sicheren Cup-Sieg zu verlieren: Bernhard Engelmann und Gerhard Texer hatten bis dahin eine bis ins Letzte fehlerfreie Rallye hinter sich gebracht, das beweisen die Zeiten-Ergebnisse ganz eindeutig. So nahe wäre der erste Volvo-Sieg bei einer Rallye gewesen – umso größer die Betroffenheit über das enttäuschende Ende.

Unbestritten ist dennoch, dass Bernhard Engelmann und Gerhard Texer uneingeschränkte Bewunderung für ihre Vorstellung bei der Rallye Weiz verdienen. Hätte es hier eine Wahl eines "Man of the Race" im Volvo Original Cup gegeben, Bernhard Engelmann hätte fraglos gewonnen. So bleibt zumindest die Hoffnung auf die Admonter Steiermark-Rallye im letzten September-Wochenende. Irgendwann wird er kommen, der erste Sieg, so viel ist klar.

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