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ERC/ORM: Jännerrallye 2014

Später Besuch von einem ganz Großen

Der zweifache Weltmeister Marcus Grönholm sprach zu später Stunde mit einer sehr kleinen Journalistenrunde. Ein Erlebnis der besonderen Art….

Michael Noir Trawniczek
Fotos: ERC, noirphone

Das Gebäude der Wirtschaftskammer in Freistadt, es ist bereits 21.15 Uhr – und nur noch ganz wenige Medienvertreter sind anwesend. Umso besser, denn für diese Zeit hat sich Marcus Grönholm angekündigt, der zweifache Rallye-Weltmeister arbeitet bei der Jännerrallye als TV-Experte und war bereit, zu später Abendstunde mit Medienvertretern zu plaudern…

Wer Grönholm kennt, der weiß, dass der 45-jährige Finne eigentlich bei fast jedem seiner Auftritte irgendwie lustig erscheint – man hat das Gefühl: Grönholm kann gar nicht anders. Zudem redet er gerne mit Händen und Füßen, was ebenfalls zum Schmunzeln anregt. Legendär sind seine Stage End-Interviews, auf Youtube gibt es ganze Grönholm‘sche Kuriositätensammlungen. Was den Finnen zudem auszeichnet, ist eine Geradlinigkeit, die es heute leider immer seltener gibt.

Grandios ist etwa seine Antwort auf die Frage, was er heute so machen würde. Grönholm sagt: „A little bit motorsport, a little bit everything and then the business at home – und noch viele andere Dinge.” Dann sprudelt es aus ihm heraus: “Ich denke, dass die Zeit zu schnell vergeht! Ich werde älter, vielleicht ist das auch der Grund?“ Diese Frage stellt Grönholm in den Raum, um gleich darauf eine Lösung anzubieten: „Wir brauchen einfach mehr Stunden pro Tag!“

Was der zweifache Rallye-Weltmeister Marcus Grönholm über die folgenden Themen zu sagen hatte…

Die Jännerrallye

„Die Prüfungen sind toll – auch ohne Schnee. Die Prüfungen sind ein sehr guter Test für Monte Carlo. Die Jännerrallye war schon immer bekannt, man hat diese Rallye schon vor vielen Jahren gekannt. Ich habe sie jedoch nie bestritten, weil sie zu früh im Kalender stand. Aber ich hätte sie wohl fahren sollen, denn die Prüfungen sind grandios und es wäre eine gute Vorbereitung auf die Monte gewesen.“

Die Rolle des Zuschauers

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich sofort rausfahren und im Wettbewerb mitfahren muss. Und bei diesem wechselhaften Wetter – das habe ich ohnehin immer gehasst. Welche Reifen sollst du nehmen? Spikes oder keine Spikes? Welche nehmen wir nur? Welche? Welche?“

Die Zeit mit Peugeot

„Das sind gute Erinnerungen, als mich Jean-Pierre Nicolas Ende 1998 zu Peugeot gebracht hat – das waren gute Tage, auch wenn wir am Ende Probleme dabei hatten, gute Resultate einzufahren. Aber wir konnten immer noch um Siege kämpfen.

Die Zeit mit Ford

„2006 und 2007 – das war mein Fehler, dass wir die Fahrer-Weltmeisterschaft verloren haben, es ging immer nur um wenige Punkte. Das war mein Fehler, da muss ich den Schuldigen im Spiegel suchen."

Ein Comeback

„Ich habe ja ein Comeback versucht, aber das hat nicht viel gebracht – jetzt ist es aber wirklich endgültig vorbei.“

Rallycross

„Rallycross war nett. Einfach, um ein bisschen den Kick zu spüren. Es ist ganz anders als Rallye, auch wenn du natürlich ebenfalls in einem Auto sitzt und Lenkung und Bremsen und so weiter bedienst. Aber du fährst gegen andere Piloten. Ich wollte das machen, weil diese Veranstaltungen kompakter sind – du musst nicht so viele Tage besichtigen. Du kommst einfach dort hin und dann geht es bumm, bumm, bumm. Bevor ich Rallyesport betrieben habe, fuhr ich Motocross-Rennen – daher war es nur natürlich, dass ich wieder gegen andere Piloten fahren wollte. Aber ich hatte einen kleinen Unfall – einen mehr oder weniger kleinen Unfall. Ich habe mir eine Kopfverletzung zugezogen, eine heftige Kopfverletzung – aber es war okay, es war fast okay. Aber ich habe dann entschieden, nicht mehr zu fahren. Die Familie trat an mich heran und sagte: ‚Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit aufzuhören‘. Und so habe ich entschieden, nicht mehr zu fahren.“

Ein Tipp für junge Piloten

„Ein Tipp für junge Piloten? Ich habe immer um das Geld gekämpft, aber ich habe immer irgendwie weitergemacht, ich bin dann auch wieder zurückgekehrt in meine nationale Meisterschaft. Ich war schon recht alt, als ich zu Peugeot kam. Gebt einfach niemals auf! Da ist mein Tipp.“

Was er bereut

„Manchmal hätte ich nicht so viel sagen sollen. Aber ich war manchmal so aufgeregt – ich war dermaßen erregt, dass ich böse Worte über das Auto gesagt habe. Aber so bin ich nun einmal – das ist wie ein Schalter, sobald ich im Auto sitze. Die Fahrer heute sind eher so [spricht mit monotoner Stimme]: ‚Die Prüfung war sehr schön, das Auto war sehr gut.‘ Ich war eher so [fuchtelt mit den Händen herum]: „Shit! Das Auto war schrecklich, es war ein Horrortrip…‘ Aber es ist okay. Die Zeiten ändern sich, die Menschen auch.“

Historische Rallyes

Ich hatte ein Angebot, die Historische Safari Rallye zu fahren – doch das Angebot kam viel zu spät, ich musste mich binnen einer Woche entscheiden. Aber prinzipiell muss ich sagen: Warum nicht? Was ich aber nicht machen möchte – was viele getan haben: Dass ich die Finnland-Rallye fahre, wenn ich 50 werde. Das machen einige, um ein bisschen Spaß zu haben. Aber ich fühle es immer noch: Ich mag das Gefühl einfach nicht, auf Platz 14 oder 15 zu liegen. Wenn du einmal gewonnen hast, dann macht das einfach keinen Spaß. Da behalte ich lieber die guten Erinnerungen.“

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